Einweihung im Februar 1839 / Armes Rethem: „Das Irland des Königreichs“

175 Jahre St.-Marien-Kirche

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Ansicht des alten Kirchengebäudes, das 1829 abgerissen wurde.

Rethem - Die Rethemer St.-Marien-Kirche hat in diesem Monat Geburtstag: Vor 175 Jahren, im Februar 1839, wurde der Neubau des Gotteshauses nach vielen Verzögerungen endlich eingeweiht. Schon zehn Jahre zuvor hatte man das baufällige alte Kirchengebäude abgerissen und sogar schon den Grundstein für den Neubau gelegt.

Aber der ohnehin bitterarme Ort erlebte 1834 auch noch eine heftige Feuersbrunst, an einen Kirchenneubau war nicht zu denken. Der damalige Pastor Friedrich Karl Wooge (1833- 1844) in einem Brief an den Superintendenten in Ahlden: „Das Elend, das dies unglückliche Ereignis über die Stadt verbreitet hat, ist grenzenlos. Denn 700 bis 800 Menschen haben Obdach und fast alle Habe verloren.“

Der große Brand vom 3. Juni 1834 vernichtete auch das Pfarrhaus, die Küsterhäuser und die Orgel und schmolz die Glocken ein. So gesehen hatten die Rethemer eigentlich Glück, dass ihre neue Kirche zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertig war.

Es war nicht nur der Brand, der Rethem in jenen Jahren in Not brachte. In den Akten des Landeskirchenamtes findet sich der Bericht über die Abrechnung des Neubaus, in dem der damalige Pastor Heinrich Mensching diese Hinweise fand: „Rethem ist ein sehr armer Ort. Es trifft diesen Ort nicht nur die unglückliche Conjunktur, es sind noch ganz eigene drückende Verhältnisse.“

Diese Verhältnisse wurden im Bericht so beschrieben: „Die Feldmark um Rethem ist nur zu einem sehr geringen Teile Eigentum der Rethemer Bürger, vielmehr größtenteils Eigentum der Burgmänner, welche mit Ausnahme eines einzigen in der Ferne wohnen, ihre Grundstücke vereinzelt verpachten und die Pachtgelder durch ihre Mandanten eintreiben lassen, so dass jährlich eine sehr bedeutsame Summe von hier abgesandt wird, wovon nichts zurückkehrt. Rethem ist das Irland des Königsreichs Hannover.“

Und doch schafften es die Rethemer, mit Unterstützung von vielen Seiten, die Gesamtkosten von gut 15 000 Talern für den Kirchenbau, einschließlich Glocken, Orgel, Turm und Uhr, aufzubringen. Im neuen Gemeindebrief der Kirchengemeinde heißt es dazu: „Offensichtlich war es den Rethemer Bürgern gerade in diesen schweren Zeiten wichtig, einen Ort zu haben, an dem sie Gott um Trost und Kraft bitten konnten.“

Doch als 1836 endlich gebaut werden sollte, gab es gleich wieder Probleme. Der mit dem Projekt beauftragte Baurat Hellner berichtete, dass man in Rethem ohne technische Leistung darauf losbaue, auswärtige Handwerker nicht zulassen wolle, die „zum Teil wesentlich geringer veranschlagt hätten“. Hellner wurde daraufhin von seinen Aufgaben entbunden und die Kirchenkommissarien übernahmen selbst die Bauaufsicht.

1837 ging es schließlich doch los, und schon am 21. Oktober 1837 konnte gemeldet werden: Die Kirche steht mit Mauern und Dach. Auf das Richtfest weist auch die Wetterfahne mit ihrer Jahreszahl 1837 hin. Zwei Jahre später wurde die neue Kirche eingeweiht, ein Jubiläum, das die St.-Marien-Kirchengemeinde am 20. Juli feiern will. Am 29. Juni und am 13. September sind außerdem Jubiläumskonzerte in St. Marien geplant. · fra

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