Schausteller Michael Baier ist im Dauerstress

„Ich bin einfach nur noch kaputt“

Michael Baier beim Aufbauen.

Rethem - WALSRODE · „Ich bin Schausteller seit Geburt“, lächelt Michael Baier. Und dieser Beruf habe ihm eigentlich auch immer Spaß gemacht. „Eigentlich“, weil er derzeit keine rechte Lust mehr habe, ein Schausteller zu sein. „Hätte ich heute die Wahl, dann würde ich etwas anderes machen“, sagt der 49-Jährige, der mit seinem Musikexpress und einer kleinen Imbissbude durch die Lande zieht.

Michael Baier sitzt in seinem Wohnwagen auf dem Vorwalsroder Schützenplatz und nippt an einer Tasse Kaffee. Eigentlich hat der Nienburger keine Zeit für diese Muße, denn der Musikexpress muss aufgebaut und dieses Mal auch gründlich gewaschen werden. Dabei kann er so ein kleines Päuschen ganz gut gebrauchen. „Ich bin einfach nur noch kaputt“, atmet der 49-Jährige tief durch.

25 Mal haben er und seine vier Mitarbeiter den Musikexpress in diesem Jahr auf- und abgebaut, waren unter anderem in Cannstatt, in Gernsheim oder in Plauen. Am kommenden Wochenende folgt der Walsroder Herbstmarkt, Mitte November der Markt in Dahlenburg. Anschließend ist Winterquartier angesagt.

Vor einigen Jahren verlief die Kirmes-Saison noch etwas entspannter. Da war das Fahrgeschäft nur auf 18 Jahrmärkten zu finden, und Vater Baier packte kräftig mit an. „Mein Vater war natürlich eine super Unterstützung. Nach seinem Tod im Mai dieses Jahres lastet die Last auf den Schultern meiner Frau Christina und mir“, holt Baier tief Luft. Geeignetes Personal sei schwer zu finden und die Bürokratie würde diesen Punkt nicht leichter machen. „Früher konnte man auf die Schnelle jemanden zum Abbauen engagieren. Heute müssen diese Leute angemeldet werden. Ein zusätzlicher Aufwand“, bedauert Baier. Auch die gestiegenen Kosten tragen dazu bei, dass der Vater zweier Kindern seinen Beruf derzeit nicht so gerne ausübt. „Vor Jahren haben wir in Walsrode ein Standgeld von 350 Mark auf den Tisch gelegt. Heute sind es 510 Euro. Dazu kommen die gestiegenen Sprit- und Einkaufspreise“, schimpft der 49-Jährige. Das hätte normalerweise zur Folge, dass die amüsierwillige Kundschaft für eine Fahrt im Musikexpress 2,50 oder gar drei Euro bezahlen müsste. „Aber das kann ich nicht machen. Vor dem Euro hatte ein Chip 3,50 Mark gekostet, heute sind es zwei Euro.“ Eine notwendige, aber moderate Preissteigerung, wie Michael Baier findet. „Der Gewinn ist geschrumpft, und das versuche ich auszugleichen, indem ich auf vielen, auch auf größeren Veranstaltungen, aufbaue.“ Zu den größeren Veranstaltungen zählt der Walsroder Herbstmarkt nicht gerade, aber Baier freut sich trotzdem auf das dreitägige Spektakel in der Lönsstadt, dessen Erfolgsrezept genau in der Überschaubarkeit und der damit verbundenen Gemütlichkeit liege. In Walsrode gibt es jedes Jahr drei größere Fahrgeschäfte, ein paar Kinderkarussells und fertig.

Darin seien dann auch Stops an den Ess- und Getränkebuden enthalten, die sich in Walsrode nach wie vor über mangelnde Kundschaft nicht beklagen können, auch wenn der Getränkeabsatz in den letzten Jahren etwas gelitten habe. Michael Baier: „Getrunken wird heute häufig aus dem Rucksack.“

Die Schausteller haben einen guten Draht zur Stadt und auch die Stadtwerke seien in Sachen Stromversorgung sehr kulant, lobt der Geschäftsmann die Kooperation. Ein Wunsch jedoch bleibt: „Es wäre schön, wenn wir das Standgeld wieder auf den alten Standard bekommen könnten.“

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