Landsommer-Spaziergang durch Kirchwahlingen lockt zahlreiche Besucher

Höfe mit Anlegestellen

+
In der Kirche gab es allerhand zu entdecken.

Kirchwahlingen - Geschichten und Sagen sowie reale Ereignisse rund um die Kirche „Zum Heiligen Kreuz“ in Kirchwahlingen und den Ort selbst standen am Sonntagnachmittag im Vordergrund eines Spaziergangs mit Gästeführerin Karin Mross aus Walsrode. Etwa 55 Männer und Frauen aus der Region waren der Einladung im Rahmen des Landsommers 2012 gefolgt.

Mross vermittelte allerlei Wissenswertes. Als ortskundiger Begleiter hatte der gebürtige Kirchwahlinger Walter Homann, ehemaliger Vorsitzender des Kreisschützenverbandes Fallingbostel, bei den Vorbereitungen geholfen und unterstützte die Gästeführerin auch während des zweistündigen Spaziergangs. Der Patron der Kirchengemeinde, Curt von Hodenberg, steuerte ebenfalls Informatives bei.

Mross erzählte auch Informatives über das Dorfleben. Zu kämpfen gehabt hätten die Bewohner über Jahrhunderte mit dem Hochwasser der Aller, das immer wieder fast die ganze Ortschaft überschwemmt hätte. Um mit den Nachbarn in Kontakt zu kommen oder auf die im Trockenen gelegenen Acker- und Wiesenflächen zu gelangen, waren Kähne und Ruderboote erforderlich. Praktisch jedes Gehöft hatte eine Anlegestelle. Aber auch eine Viehseuche hatte die Einwohner Mitte des 18. Jahrhunderts geplagt. Es war eine Quarantäne über das Dorf verhängt worden, die 25 Jahre dauerte.

Um das Wasser rankt sich die Legende um schwimmende Steine, die Mross erzählte. Der Überlieferung nach gönnten die Altenwahlinger den Kirchwahlingern die Steine für den Kirchturmbau nicht. Sie wurden bei Nacht und Nebel nach Altenwahlingen geschafft und von den Kirchwahlingern zurückgeholt. Die bestritten das und beteuerten, die Steine seien durch „Gottes Geheiß“ zurückgeschwommen.

Wie ein Fels in der Brandung wirkt der um die Wende des 12. Jahrhunderts gebaute, massive Wehrturm der Kirche aus grauen Feldsteinen. Vor mehr als 1000 Jahren war die Gründung der Kirche wohl durch den Grafen Walo, etwa um 985 herum, veranlasst worden, wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Entstehung des Klosters Walsrode – allerdings ist das nicht schriftlich belegt. Die Kirche zählt damit zu den fünf ältesten Niedersachsens.

Schutz vor dem Hochwasser, aber auch Räubern bot der Wehrturm. Der Überlieferung nach soll ein großes Spinnennetz am Eingangstor verhindert haben, dass in grauer Vorzeit Räuber die Kirche betraten: „Hier gibt es nichts zu holen“, so der Räuberhauptmann. Real traf aber eine andere Katastrophe 1742 den Turm und den Ort. Durch den Feuerstrahl eines Schusses brannten das Turmdach und halb Kirchwahlingen nieder.

Um 1700 wehte das Dach des Kirchturms herunter. Die Familien von Hedemann und von Schleppegrell erklärten sich bereit, das Geld für ein neues Dach zur Verfügung zu stellen, wenn man ihnen den Turmraum als Grabkammer überlassen würde. Das geschah, allerdings wurde der Eingang an der Vorderfront der Kirche zugemauert. Erst seit 1969 – also mehr als 250 Jahre später – wird das Kirchenschiff durch diese Tür wieder betreten.

Ein weiteres interessantes Detail an der Rückseite zeigte Mross ebenfalls: Ein Hagioskop. Durch dieses heute zugemauerte „Heilige Fenster“ durften im Mittelalter vom Gottesdienst Ausgeschlossene von draußen am Geschehen in der Kirche teilnehmen.

Abschluss des Spaziergangs war der Spargelhof Meyer, wo das Ehepaar Meyer über den Anbau des Gemüses berichtete. Zahlreiche Teilnehmer nutzten hier die Möglichkeit, den Rundgang mit Kaffee und Kuchen sowie einem Klönschnack abzuschließen. ·

Das könnte Sie auch interessieren

Die Multiplayer-Postapokalypse: "Fallout 76" im Test

Die Multiplayer-Postapokalypse: "Fallout 76" im Test

Azubis kicken in der Rotenburger Bodo-Räke-Halle für den guten Zweck

Azubis kicken in der Rotenburger Bodo-Räke-Halle für den guten Zweck

In Malé zeigen sich die Malediven von einer anderen Seite

In Malé zeigen sich die Malediven von einer anderen Seite

Pressestimmen zum letzten DFB-Spiel des Jahres: „Hauch vom Confed Cup“

Pressestimmen zum letzten DFB-Spiel des Jahres: „Hauch vom Confed Cup“

Meistgelesene Artikel

Tumulte vor Discothek: Drei Polizisten verletzt

Tumulte vor Discothek: Drei Polizisten verletzt

„Penner“: 74-Jähriger muss 3000 Euro wegen Beleidigung zahlen

„Penner“: 74-Jähriger muss 3000 Euro wegen Beleidigung zahlen

Diese Wirtschaftsjournalistin legt sich fest: „Finanzkrise steht bevor“

Diese Wirtschaftsjournalistin legt sich fest: „Finanzkrise steht bevor“

Gut besuchtes Volkstanz- und Walzerturnier der Landjugend in Altenwahlingen

Gut besuchtes Volkstanz- und Walzerturnier der Landjugend in Altenwahlingen

Kommentare