Ronja und Rüdiger lernen laufen

Training im Tiergehege: Nach jedem Stupser eine Belohnung

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Immer der Nase nach: Sabrina Linn trainiert regelmäßig mit den Pinselohrschweinen Rüdiger und Ronja das Folgen des Targets. 

Hodenhagen - Von Miriam Kern. Die Kuratorin Sabrina Linn trainiert seit Kurzem im Serengeti Park Hodenhagen die beiden Pinselohrschweine Ronja und Rüdiger. Wir haben sie einen Tag dabei begleitet.

Zielstrebig trippelt die kleine Ronja auf den grünen Ball zu. Er ist an einem langen Stab befestigt, den die Serengeti-Park-Kuratorin mit einer Hand durch das Gehege führt. Als Ronja das sogenannte Target mit dem Rüssel anstupst, ertönt ein Klickgeräusch. „Sehr gut, du bist ja heute ein vorbildliches Schweinchen“, ruft Linn, krault Ronja kurz das orangene Fell und wirft ihr ein paar Leckerlis zu. Die lässt sich nicht zweimal bitten und verputzt die Leckerbissen sofort.

Positive Konditionierung nennt sich das. Wenn die Pinselohrschweine dem Stab mit dem Gummiball folgen und ihn berühren, hören sie das Klickgeräusch und es gibt eine Belohnung. Tun sie das nicht, passiert auch nichts.

Training hat viele Ziele

Das Training soll Ronja und Rüdiger beschäftigen, damit sie sich nicht langweilen, aber auch dabei helfen, die Tiere problemlos auf dem Gelände bewegen zu können, statt sie von einem Ort zum nächsten zu scheuchen. Auch die Arbeit mit den Tierpflegern oder die Untersuchung des Tierarztes soll so erleichtert werden.

Ronja habe bereits nach zwei Tagen begriffen, worauf es ankommt, erzählt Linn - aufs Folgen und Anstupsen. Rüdiger tue sich da schon etwas schwerer. „Er hörte gar nicht erst zu“, sagt sie. Rüdiger sei aber verfressen. Und als er irgendwann gemerkt hatte, dass es Belohnungen gibt, verbesserte sich seine Aufmerksamkeit.

Vielleicht ist es der Appetit, vielleicht die Freude: Als Linn an diesem Tag Ronja und Rüdiger zum Training begrüßt, ist das Männchen ganz besonders aufgeregt. Hektisch läuft Rüdiger in dem abgetrennten Gehege auf und ab, beobachtet seine Partnerin beim Training, wedelt mit dem Schwanz - die langen, spitz zulaufenden Ohren an den Körper angelegt. Als Linn sich kurz für ein paar erklärende Worte abwendet, stößt Rüdiger der Kuratorin von hinten gegen die Beine, will offenbar auf sich aufmerksam machen. „Er ist der aufbrausende von den Beiden“, sagt Linn.

Übungen laufen seit drei Monaten

Seit drei Monaten trainiert Linn mit den beiden Pinselohrschweinen täglich etwa zehn Minuten. Eigentlich ist sie als Kuratorin in erster Linie für die Verwaltung der Tierbestände zuständig, berät Tierpfleger und Tierärzte, steht aber auch in ständigem Kontakt mit anderen Zoos, die auf Grundlage des Europäischen Zuchtprogrammes Tiere nach Bedarf untereinander austauschen. „Für die Beschaffung der Pinselohrschweine habe ich mich persönlich eingesetzt“, erzählt sie. „Ich mag Schweine einfach. Die Tiere bieten total viel an, sind so intelligent und toll zu beobachten.“

Im Serengeti Park sind die Pinselohrschweine Ronja und Rüdiger auf der Masai-Mara-Anlage untergebracht. Ein Areal, das nach einem rund 6500 Kilometer entfernten Naturschutzgebiet in Kenia benannt ist. In Hodenhagen teilen sich Ronja und Rüdiger nun knapp 1,6 Hektar Fläche unter anderem mit Netzgiraffen, ostafrikanischen Bongos und Weißnacken-Moorantilopen.

Der Serengeti Park ist dafür bekannt, dass ein Großteil des Tierparks mit dem Auto erkundet werden kann. Die im Frühling 2014 eröffnete Masai Mara hingegen ist nur zu Fuß zu erreichen. Von einer am Rand des Bereichs gelegenen Plattform aus kann der Besucher die Anlage überblicken und auf kleinen Tafeln mehr über die Bewohner erfahren.

So lernt man dort zum Beispiel, dass Pinselohrschweine ursprünglich nur im westlichen und zentralen Afrika zu Hause waren. Sie halten sich gern in Gewässernähe auf, können sehr gut schwimmen und sogar tauchen. Sie werden deshalb auch Flussschweine genannt.

Serengeti Park: Tiertraining, Masai-Mara-Anlage und Auto-Safari 

 © Mediengruppe Kreiszeitung / Jan Dirk Wiewelhove
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Auch in der deutschen Masai Mara gibt es Wasser. Ein Graben trennt das Gelände von den 40 angrenzenden Lodges. „Urlaub in Afrika – mitten in der Lüneburger Heide“, so bewirbt der Serengeti Park das Übernachtungsangebot. Von der Terrasse aus können die Besucher Ronja und Rüdiger beobachten. Ihr auffällig weißer Fellstrich, der längs über den Rücken verläuft, verrät schnell, wo die beiden Tiere gerade unterwegs sind - wenn sie sich nicht im hohen Gras oder hinter einem der Dämme verstecken.

Als Sabrina Linn an diesem Tag die Masai Mara verlässt, verstecken sich die beiden Pinselohrschweine nicht. Sie stehen am Zaun und wedeln mit dem Schwanz. Linn verabschiedet sich bei Ronja und Rüdiger, nennt die Pinselohrschweine wie selbstverständlich bei ihren Namen. Die Tiere werden mit der Zeit zu kleinen Gefährten, sagt sie, dreht sich noch einmal um. Dann macht sie sich auf, um sich den rund 1500 anderen Schützlingen im Serengeti Park zu widmen.

Europäische Zuchtprogramme 

Pinselohrschweine gelten zwar wegen ihrer weiten Verbreitung nicht als gefährdet, trotzdem wird diese Art im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) koordiniert. Das zoo-übergreifende Projekt wird vom Europäischen Zooverband getragen. Entstanden sind die ersten EEPs im Jahr 1985, als die „Konvention für den internationalen Handel mit gefährdeten Arten“ in Kraft trat. 

Zoos konnten seitdem nicht mehr ohne Weiteres Wildfang erwerben. Sie versuchen seitdem, selbst für Nachwuchs zu sorgen, indem sie passende Tiere zusammenbringen. Um Inzucht und damit einhergehende genetische Defekte zu vermeiden, führen Koordinatoren Zuchtbücher mit entsprechenden Daten. Arten sollen durch diese koordinierte Zucht erhalten werden.

Tierschutzorganisationen wie Peta kritisieren Zoos und Zuchtprogramme. Das Einsperren von Tieren habe mit Artenschutz nichts zu tun. Im Zoo würden die natürlichen Instinkte der Tiere verkümmern und wichtige Verhaltensweisen für ein Überleben in der Natur nicht erlernt werden. Die Tiere „sind schließlich nur noch ein trauriges Abbild ihrer stolzen Artgenossen in Freiheit“.

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