Harrys klingendes Museum in Schwarmstedt verblüfft mit Musikautomaten

Klang einer anderen Epoche

Harry Natuschka zeigt die Notenscheiben im Inneren des Symphonions Eroica. Es diente um 1890 im Salon gut situierter Familien für musikalische Unterhaltung. - Fotos: Templin

Schwarmstedt - Von Aenne Templin. „Hier klingt alles“, mit diesen Worten begrüßt Harry Natuschka Besucher in seinem Museum. 100 historische, selbst spielende Musikinstrumente, darunter Spieldosen, Musik- und Puppenautomaten sowie Drehorgeln aus dem 19. und 20. Jahrhundert sammelt Natuschka seit mehr als 30 Jahren in seiner rund 80 Quadratmeter großen Ausstellung, die einen Besuch wert ist.

Per Knopfdruck oder Kurbeldreh demonstriert Natuschka, was in seinen Schätzen steckt: Aus einer Spieldose springt ein kleiner Vogel und trällert sein Lied. Das mechanische Tier misst einen Zentimeter, beim Singen bewegt der Vogel seine winzigen Flügel sowie seinen Schnabel. Hat er sein Lied beendet, verschwindet er im Bruchteil einer Sekunde in seiner Dose. „Ein Meisterwerk der Feinmechanik“, sagt Natuschka.

Für ihn gibt es keine schönere Musik als die seiner „Klangperlen“, wie er sie nennt. So klein wie der Vogel ist auch eine Spieluhr in der Sammlung, die als Halskette getragen wurde. „Klingende Schmuckstücke waren bei wohlhabenden Damen sehr beliebt“, so Natuschka.

Der gelernte Grafikdesigner repariert die in Vergessenheit geratenen Stücke. Das Restaurieren der alten Instrumente hat er sich teilweise selbst beigebracht. „Es war von Beginn an klar, dass ich die Exponate kaufe und restauriere. Alles andere wäre finanziell unerschwinglich.“ Also sammelte Natuschka zunächst alle Informationen, die er finden konnte und lernte schließlich bei einem befreundeten Spieluhren-Restaurator aus Berlin, wie man die Tönhöhe der ausgebrochenen Tonzunge ermittelt und schließlich aus Stahl erneuert. Das Anlassen und Härten des Stahls ist eine Kunst für sich, die viel Erfahrung braucht.

Im Inneren dieser Spieluhr lassen sich Pralinen verstecken.

Die Exponate bezieht er von Händlern und Sammlern aus aller Welt. „Jedes Instrument birgt eine neue Herausforderung“, sagt Natuschka. Neben der Musik müssen häufig Dekoelemente oder Uhrwerkteile restauriert werden. Dabei greift der Sammler auf historische Materialien zurück, die dem Original am nächsten kommen.

Auf sein außergewöhnliches Hobby hat ihn die Großmutter seiner Frau gebracht. Die alte Dame schwärmte vom Klang ihrer alten Spieldose. Natuschka erinnert sich: „Sie war eine warmherzige, liebe Frau. Ich suchte auf Flohmärkten danach, und so begann meine Leidenschaft.“

Ein ungewöhnliches Instrument ist die Eroica, ein drei Meter hohes Symphonion. Sie erinnert vom Äußeren an eine Standuhr. In ihrem Inneren spielen drei Notenscheiben synchron und sie hat einen Tonumfang von 300 Tönen. „Der Klangcharakter dieses Instruments ist einmalig und mit nichts aus der heutigen Zeit zu vergleichen“, sagt Natuschka mit leuchtenden Augen.

Um 1890 diente das Symphonion Eroica zur Unterhaltung im privaten Salon. „Meine Eroica hat vermutlich in der Lobby eines Schweizer Nobelhotels gestanden, da sie mit einem Münzeinwurf ausgestattet ist. Die Gäste warfen einfach Geld ein, wenn sie Musik hören wollten.“

Unter den Exponaten befinden sich auch Puppenautomaten. Einmal aufgezogen, bewegen sie ihre Hände, Arme, Köpfe und Körper zur Musik. „Es sind kleine Kunstwerke mit sehr viel Liebe zum Detail. Auch wenn die aussehen wie Spielzeuge, sie waren Prestigeobjekte für gut situierte Familien“, erklärt Natuschka.

Das nächste Restaurations-Objekt wartet schon darauf, zum Klingen gebracht zu werden: eine Jahrmarkt-Orgel. Sie steht an einer Wand.

Die Jahrmarkt-Orgel ist das nächste Objekt, das in Schwarmstedt auf seine Restauration wartet.

Das Museum von Harry Natuschka steht jedermann offen. Besuche sind nur mit einer Führung möglich. Es wird um Anmeldung unter Telefon 05071/912941 gebeten.

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