Zustieg verweigert

Erixx lässt Rolli-Fahrer in Walsrode stehen

Burkhard Albert mit seinem Elektromobil.
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Burkhard Albert mit seinem Elektromobil.

Dem 63-jährigen Rollstuhlfahrer Burkhard Albert mit seinem Elektromobil wird der Zustieg in den Erixx in Walsrode verweigert.

  • Der schwer behinderte Burkhard Albert darf in Walsrode nicht mit seinem Elektromobil in den Erixx einsteigen.
  • Das Verkehrsunternehmen gibt Platzgründe für das Vorgehen an.
  • Erixx rät, Fahrten vorher anzumelden.

Rollstuhlfahrer bleibt am Bahnsteig stehen

Landkreis – Dem 63-jährigen, schwer behinderten Rollstuhlfahrer Burkhard Albert aus Hodenhagen wurde bereits am 9. Oktober verwehrt, mit seinem Elektromobil in den Nahverkehrszug Erixx einzusteigen. „Die haben mich einfach stehenlassen. Es hieß, für mich und meinem Rolli sei kein Platz mehr da“, sagte Albert, der sich nach dem Vorfall an Hodenhagens Bürgermeister Carsten Niemann gewandt hatte. Der hatte für das Verhalten der Bahn kein Verständnis. Die Samtgemeinde informierte daraufhin den SoVD.

„So kann man mit Menschen nicht umgehen“, unterstrich der SoVD-Kreisvorsitzende Jürgen Hestermann. Der Sozialverband hatte vor einiger Zeit einen ähnlichen Fall klären können. Im Juli vergangenen Jahres war einer 73-jährigen Rollstuhlfahrerin aus Lindwedel die Mitfahrt im Erixx untersagt worden. Der SoVD hatte damals die Zusage der Bahn erhalten, dass sich ein solcher Fall nicht wiederholen werde.

Drei Jahre lang keine Probleme bei Bahnfahrten

Seit drei Jahren besitzt Burkhard Albert aus der Hodenhagener Allerstraße einen Elektro-Rolli. „Seit einem Schlaganfall klappt es mit dem Gehen gar nicht mehr“, so der 63-Jährige. Seit dieser Zeit hatte er mit der Bahn keine Probleme gehabt, wenn er freitags zur Walsroder Tafel gefahren ist. Das änderte sich am 9. Oktober. „Aus Hodenhagen bin ich an diesem Tag mit dem Erixx noch ohne Probleme nach Walsrode gekommen, aber zurück ging gar nichts mehr“, so Albert. Als er zusteigen wollte, habe ihm ein Mitarbeiter der Bahn gesagt, dass das mit dem großen Rollstuhl nicht klappen würde, da er den Fluchtweg blockiere. Ein Argument, das Burkhard Albert nicht gelten lassen wollte. „Ich bin in der Lage, bei einem Notfall meinen Rolli schnell zu aktivieren und den Platz zu räumen“, sagte der Rollstuhlfahrer damals. Aber das sei von dem Mitarbeiter ignoriert worden. Burkhard Albert wartete auf den nächsten Zug, aber erneut wurde ihm von einer Schaffnerin der Zutritt verwehrt.

Am frühen Abend fasste der Hodenhagener schließlich den Entschluss, die zweieinhalbstündige Tour nach Hodenhagen mit dem Rolli anzugehen. „Das hätte ich aber wohl nie geschafft, weil der Akku nicht reichen würde“, zuckt er mit den Schultern.

Bürgerbusfahrer hilft

Aber er hatte Glück im Unglück. An einer Bushaltestelle traf er den Fahrer eines Bürgerbusses, der ihm einen Sprinter besorgte. Und der lieferte den Mann kurz nach 19 Uhr in seinem Heimatort ab. „Ich bin dem Bürgerbusfahrer so dankbar. Der wollte noch nicht einmal etwas dafür haben“, freute sich der Heidjer.

Verzicht auf Bahnfahrten

Der Hodenhagener verzichtete in der Folgezeit darauf, mit seinem Elektro-Rolli die Bahn zu nutzen. „Ich traue mir das einfach nicht mehr zu“, sagte er. Annette Krämer, SoVD-Kreisfrauensprecherin, hat sich dieses Falls besonders angenommen. Ihr Tipp für alle Betroffenen: sich bei Fahrten mit dem Rolli bei der Bahn anzumelden. „Trotzdem halte ich dieses Verhalten von Erixx für absolut nicht nachvollziehbar“, unterstrich sie.

Erixx-Pressesprecher Björn Pamperin nahm Stellung zu diesem Vorfall. Er sagte, dass die Entscheidung seiner Mitarbeiter wohl aus Sicherheitsgründen gefallen sei – wie vergangenes Jahr in Lindwedel auch. Man habe schon damals darauf hingewiesen, dass Elektro-Rollis ab einer bestimmten Größe im Zug nicht mehr mitgenommen werden dürfen. Pamperin wunderte sich überdies, dass der Hodenhagener erst jetzt mit der Beschwerde gekommen sei.

Erixx: Fahrten anmelden

Am vergangenen Freitag reiste der Hodenhagener wieder zur Walsroder Tafel und hatte seine Fahrt zuvor bei Erixx angemeldet. „Kein Problem“, sagte man ihm am Telefon. Und auf die Frage, wie er denn wieder nach Hause komme, lautete die Antwort der Bahn: „Mit Erixx. Wir können Sie doch nicht einfach stehenlassen.“ Burkhard Albert wird künftig wieder mit dem Erixx fahren und schauen, ob es klappt.

„Wir vom SoVD sind sehr überrascht von der Aussage des Pressesprechers, der schon beim Fall in Lindwedel falsch lag, als das Personal im Beisein von uns die Frau schließlich mitgenommen hat. Und nun ist es wieder passiert und Gott sei Dank zu Gunsten des Rollstuhlfahrers ausgegangen“, bilanzierte Jürgen Hestermann.  mü

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