„Die Mondlandung des Artenschutzes“

Hohe Technologie: Die Eizelle von Makena während der künstlichen Befruchtung. 
Foto: Avantea / BioRescue
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Hohe Technologie: Die Eizelle von Makena während der künstlichen Befruchtung. Foto: Avantea / BioRescue

Das Nördliche Breitmaulnashorn ist stark vom Aussterben bedroht, denn weltweit leben nur noch zwei Weibchen in freier Wildbahn – der letzte Bulle starb bereits vor zwei Jahren. Doch das Blatt könnte sich wenden, dank hochmoderner Technik und der Hilfe des Serengeti Parks soll die Nashornart noch gerettet werden – und die Chancen stehen gut.

Hodenhagen – Totgesagte leben länger, selten hat ein Spruch besser gepasst. Denn das Nördliche Breitmaulnashorn ist selbst nicht mehr in der Lage, Nachkommen zu zeugen, weil dafür schlichtweg ein Männchen fehlt – und dennoch hat die Tierart wieder eine Zukunft.

Dank Eizellen der Südlichen Breitmaulnashornkuh Makena aus dem Serengeti-Park Hodenhagen und eingefrorenes Sperma eines verstobenen Nördlichen Breitmaulnashornbullen gelang es dem BioRescue-Konsortium des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin, in Zusammenarbeit mit dem Safari-Park, eine Methode für lebensfähige Embryonen des Nördlichen Breitmaulnashorns zu entwickeln. Mithilfe von Leihmüttern sollen die gezüchteten Nashörner ins Leben finden.

Dieser Vorgang gelang nun zum ersten Mal, und zwar mit den Eizellen von Makena: „Das ist so etwas wie die Mondlandung des Artenschutzes“, sagt Serengeti-Park-Besitzer Fabrizio Sepe: „Ein extrem wichtiger Schritt auf diesem Gebiet.“

Die Nashörner sollen nach ihrer Geburt in einem Nationalpark in Kenia ausgewildert werden: „Uns geht es darum, dass die Nashörner in ein paar Jahren wieder in ihrem natürlichem Lebensraum zu finden sind und nicht im Gehege“, erklärt Sepe und ergänzt: „Artenschutz ist für uns eine zentrale Aufgabe. 1996 gelang uns mit unserem Bullen Kai in Namibia die weltweit erste Auswilderung eines in Europa geborenen Breitmaulnashorns“, erinnert er sich und versichert: „Der Natur etwas zurückzugeben, war auch für mich persönlich ein sehr bewegender Moment. Ich bin zuversichtlich, dass wir langfristig mit unseren gemeinsamen Anstrengungen vielen Arten auf diesem Planeten eine Zukunft sichern können.“

Dass die Artenerhaltung essenziell wichtig sei, lasse sich am Beispiel des Nördlichen Breitmaulnashorn gut erklären: „Das sind wichtige Landschaftsgärtner“, schildert Sepe. Die Nashörner würden mit ihren Hufen den Boden in der Wildnis präparieren, sodass dort Pflanzen wachsen könnten. Dort würden also auch Insekten ein Zuhause finden. Das wiederum schaffe ein geeignetes Jagdgebiet für Insektenfresser: „Wir erleben gerade erst, was passiert, wenn Tiere aufgrund von Nahrungsmangel in besiedelten Gebieten auf Essenssuche gehen“, verrät Sepe. Corona, Ebola und HIV seien alles Viren, die aus der Wildnis, von derartigen Tieren stammen würden: „Wenn wir immer mehr Lebensräume zerstören, kann das Thema Krankheiten in Zukunft noch präsenter werden als ohnehin schon“, erwartet Sepe. Dies sei jedoch nur ein Beispiel von vielen, die für das Handeln gegen Artensterben sprechen würden: „Das ist unsere Antwort für die, die keine Hoffnung mehr haben. Wir wollen nicht immer nur das Schlechte erwähnen, sondern aktiv dagegen vorgehen.“

Sepe mahnt: „Die Menschen haben immer nur an sich gedacht, wir werden mittlerweile deutlich älter und haben medizinisch extrem viele Möglichkeiten, um uns gesund zu halten. Nun ist es an der Zeit, unserer Tierwelt etwas zurückzugeben“, und ergänzt: „Für unsere Artenvielfalt steht der Zeiger auf fünf vor zwölf.“

Thomas Hildebrandt, Leiter des BioRescue-Konsortiums, sagt: „Wir sind sehr glücklich, dass wir unsere Forschungsaktivitäten zur Rettung des Nördlichen Breitmaulnashorns nach dem Corona-Lockdown wieder aufnehmen konnten und dass wir im Serengeti-Park Hodenhagen einen so kompetenten Partner gefunden haben.“ Hildebrandt zeigt sich hoffnungsvoll: „Mit dem jetzigen Ergebnis hat sich unser Optimismus zur erfolgreichen Rettung des praktisch ausgestorbenen Nördlichen Breitmaulnashorns weiter verstärkt.“

Von Bjarne Kommnick

Arm an Arm: Fabrizio Sepe (l.) und Thomas Hildebrandt freuen sich über ihre Zusammenarbeit. Foto: kommnick
Die Südliche Breitmaulnashornkuh Makena kann eine wichtige Rolle im Kampf um das Überleben ihrer Art spielen. Foto: kommnick

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