Pandemie hinterlässt im Tierheim in Hodenhagen Spuren

„Corona hat so viel zersägt“

Das Tierheim in Hodenhagen musste wegen der Pandemie einige Abläufe umstellen.
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Das Tierheim in Hodenhagen musste wegen der Pandemie einige Abläufe umstellen.

Einfach die Türen abzuschließen und abzuwarten, funktioniert im Lockdown nicht. Die Tiere wollen schließlich weiterhin adäquat versorgt werden. „Es geht um Lebewesen, und deren Wohl hat für uns die oberste Priorität“, sagt die Leiterin der Einrichtung Elvira Gruenke.

  • Der Lockdown hinterlässt seine Spuren bei den Mitarbeitern des Tierheims und bei den Tieren.
  • Die Arbeit hat deutlich zugenommen.
  • Die Finanzen sind aus den Fugen geraten.

Hodenhagen – Der Lockdown hinterlässt in vielen Unternehmen und Betrieben tiefe Spuren. Auch das Tierheim Hodenhagen ist davon betroffen. Doch einfach die Türen abzuschließen und abzuwarten, funktioniert nicht. Die Tiere wollen schließlich weiterhin adäquat versorgt werden. „Es geht um Lebewesen, und deren Wohl hat für uns die oberste Priorität“, sagt Elvira Gruenke, seit 2017 Vorstandsvorsitzende des Tierschutzvereins Heidekreis Süd, der das Tierheim betreibt.

Trotz aller Unwägbarkeiten und finanziellen Einbußen können sie und ihre Mitarbeiter der Corona-Zeit durchaus ein paar positive Seiten abgewinnen.

Zu tun gibt es immer reichlich. Die Vierbeiner müssen tagtäglich ihr Futter bekommen, die Gehege gereingt werden. Um diese Versorgung der Vierbeiner auf längere Sicht sicherzustellen, wurde wochenweise im Zwei-Schicht-System gearbeitet. Grund: Fällt eine Schicht-Mannschaft coronabedingt aus, kann die andere übernehmen. „Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen, haben Einnahmen, Ausgaben und müssen uns um Personalangelegenheiten kümmern“, sagt Elvira Gruenke, die die Einsätze der Arbeitskräfte gemeinsam mit Stephanie Kiene, der zweiten Vorsitzenden, koordiniert. Aber es ist nicht nur die reine Versorgung der Hunde und Katzen, um die sich das Hodenhagener Team kümmern muss. Der Notdienst wurde aufrechterhalten, für Fund- und Abgabetiere standen die Türen der Einrichtung weiterhin offen.

So genannte Gassigänger, also Menschen, die gelegentlich ehrenamtlich Hunde ausführen, mussten sich telefonisch anmelden und angeben, mit welchem Bello sie spazierengehen wollen. Dank dieser Koordination wurde gewährleistet, dass alle Vierbeiner zu ihrem Recht kommen. „Dieses Vorgehen hat sich bewährt. Das wollen wir in Zukunft beibehalten“, lächelt Gruenke. Übergeben wurden die Hunde auf dem Vorplatz des Tierheims.

Etwas anders sah es bei den Katzen aus. Die Samtpfoten hatten sich vor dem Lockdown über regelmäßige Besuche von Menschen, die einfach nur zum Spielen und Schmusen kamen, gefreut. „Um das Ansteckungsrisiko zu minimieren, mussten wir diese Besuche leider unterbinden. Wir haben ja nicht nur Verantwortung für die Tiere, sondern auch für unsere Mitarbeiter“, begründet Gruenke.

Grundsätzlich war das Tierheim zwar für Besucher geschlossen, was aber nicht heißt, dass keine Tiere vermittelt wurden. Wer einem Vierbeiner ein neues Zuhause geben wollte, konnte einen Termin zum Vermittlungsgespräch vereinbaren, das unter der Einhaltung der Abstandsregeln im Tierheim geführt wurde. Ein Angebot, von dem viele Tierfreunde Gebrauch machten. „Als zahlreiche Menschen im Homeoffice waren, konnten wir viele Tiere, in der Regel Katzen, vermitteln. Zunächst hatten wir befürchtet, dass wir viele Tiere zurückbekommen, wenn der Lockdown erstmal vorbei ist, aber es gab tatsächlich keine Rückläufer“, freut sich Gruenke, die zwischen März und November bis zu 70 Stubentiger im Tierheim zählte. Insgesamt würden im Schnitt etwa 400 bis 500 Fundkatzen jährlich im Tierheim abgegeben.

„Wir prüfen gerade, ob wir die Vermittlung nach Terminvergabe beibehalten, denn so können sich unsere Mitarbeiter intensiver um die Besucher kümmern und müssen nicht von einer Familie zur nächsten springen“, so Gruenke.

Nach ruhigen Sommerferien und dem traditionellen Vermittlungsstopp vor und nach Weihnachten, ziehe die Nachfrage derzeit wieder an. „Wir haben verschiedenste Katzen, die ein neues Zuhause brauchen“, so die Vorsitzende. Derzeit sei pro Tag nur noch ein Besuch von maximal zwei Personen für ein Beratungsgespräch zugelassen. Gassigänger gebe es derzeit fünf, und das Zwei-Schichtsystem hätte aus Personalgründen trotz des zweiten Lockdowns nicht fortgeführt werden können. Stattdessen wird auf die Eigenverantwortung der Mitarbeiter gesetzt. Mundschutz und Desinfektionsmittel stehen bereit, die Kontakte sind auf ein Minimum beschränkt.

„Genau genommen ist das Tierheim seit dem Frühjahr 2020 geschlossen“, bedauert Gruenke. Ein Umstand, der weitreichende Auswirkungen hat. Immerhin sollte im vergangenen Jahr das 20-jährige Bestehen der Einrichtung am Standort an der L 190 gefeiert werden. Zuvor waren die Tiere in einem Gebäude an der Straße Am Beberbach untergebracht gewesen. Zudem standen einige Arbeiten auf dem Plan, die aufgrund der Pandemie verschoben werden mussten. So sollten das Hunde- und Katzenhaus umgebaut werden, außerdem war die Errichtung eines Kleintierhauses geplant. Ein Tierarztraum, in dem Untersuchungen durchgeführt werden können, eine Krankenstation sowie eine Hundequarantäne sollten ebenfalls entstehen und Quarantäneboxen für Katzen angeschafft werden.

Notwendige, aber auch kostspielige Vorhaben, die dem Tierheim die Qualitätsstandard-Plakette des Deutschen Tierschutzbundes bescheren sollen. Wie hoch genau die Kosten für die Baumaßnahmen sein werden, steht noch in den Sternen. „Wir haben noch keine Kostenvoranschläge. Corona hat so viel zersägt“, bedauert die Wedemärkerin.

„Unter dem Strich haben wir 2019 einen Verlust zwischen 60 000 und 80 000 Euro gemacht“, bilanziert Gruenke. Derartige Defizite könne kein Verein über längere Zeit verkraften. Trotzdem gebe es Rücklagen für den Umbau sowie eine verbesserte Zusammenarbeit mit den Gemeinden Rethem, Schwarmstedt und Ahlden, dem Gemeindefreien Bezirk Osterheide sowie den Städten Walsrode und Bad Fallingbostel.

Wird in einem dieser Orte ein Tier aufgegriffen und ins Tierheim gebracht, beteiligt sich die jeweilige Kommune an den Kosten. „Diese Fundtierverträge waren für uns lange Zeit nicht mehr kostendeckend. Aber wir haben neue Konditionen ausgehandelt, die am 1. Januar vergangenen Jahres in Kraft traten. Dafür sind wir sehr dankbar“, freut sich Gruenke über die guten Kooperationen.

Auch wenn es zurzeit finanziell „ein bisschen eng“ werde, seien die nächsten fünf, sechs Jahre gesichert, so die Vorsitzende. „Ich danke allen, die während der Pandemie an uns gedacht haben, und allen, die einem Tier von uns ein Zuhause gegeben haben. Und irgendwann werden wir sicher wieder zur Normalität zurückkehren“, so Gruenke. mf

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