Lindwedel: Erixx-Mitarbeiterin lässt Frau am Bahnhof zurück

Kranken-Rollstuhl darf nicht in den Zug: 73-Jährige muss sieben Kilometer über die Landesstraße zurücklegen 

Diesmal klappt das Einsteigen ohne Probleme: Heiderose Domres aus Lindwedel war mit ihrem Rollstuhl vor einiger Zeit in Schwarmstedt von einem Erixx-Zugbegleiter abgewiesen worden, weil keine Zeit zum Einsteigen da war und das Gefährt überhaupt zu groß gewesen sei. Erixx zog jetzt die „Notbremse“ – es soll keine Schwierigkeiten für die 73-Jährige mehr geben.
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Diesmal klappt das Einsteigen ohne Probleme: Heiderose Domres aus Lindwedel war mit ihrem Rollstuhl vor einiger Zeit in Schwarmstedt von einem Erixx-Zugbegleiter abgewiesen worden, weil keine Zeit zum Einsteigen da war und das Gefährt überhaupt zu groß gewesen sei. Erixx zog jetzt die „Notbremse“ – es soll keine Schwierigkeiten für die 73-Jährige mehr geben.

Lindwedel – Die 73-jährige Lindwedelerin Heiderose Domres wird diesen Tag wohl nie vergessen. Die auf einen Kranken-Rollstuhl angewiesene Frau wollte mit dem Erixx von Schwarmstedt aus nach Hause fahren, doch ein Fahrdienstmitarbeiter des Zuges lehnte sie einfach ab.

„Wir können Sie nicht aufnehmen, Sie passen hier nicht hinein.“ Und so stand sie verloren auf dem Bahnhof in Schwarmstedt und ist schließlich die rund sieben Kilometer lange Strecke mit ihrem Gefährt auf der Landesstraße zurückgefahren.

Leider war das kein Einzelfall, schon oft habe sie ähnliche Situationen bei Zugfahrten erlebt. „Man hat mir immer wieder gesagt, dass ich mit meinem Gefährt die anderen Menschen behindere, dass sie wegen mir die Rampe nicht quer durch den Zug bugsieren können und mich dann schließlich einfach hingestellt und dem Schicksal überlassen.“

Heiderose Domres wandte sich, nachdem sie bei Erixx kein offenes Ohr gefunden hatte, an den Sozialverband (SoVD), bei dem sie Mitglied ist, und bat um Unterstützung. Und so kam es am Freitag zum Ortstermin auf dem kleinen Bahnhof in Lindwedel, gemeinsam mit Bürgermeister Alfred Minke, der Ortsverbandsvorsitzenden Margrit Hölscher, dem SoVD-Kreisvorsitzenden Jürgen Hestermann und der Kreisfrauensprecherin Annette Krämer. „Es ist einfach unsere Pflicht, unsere Mitglieder zu unterstützen“, hatte Jürgen Hestermann betont und über seinen Pressesprecher Kontakt zu Erixx aufnehmen lassen.

Unternehmenssprecher Björn Pamperin reagierte prompt, schaute sich die Situation vor Ort an und sagte eine Untersuchung zu. „Natürlich entspricht die Aussage, man habe keinen Platz, nicht unserem Service-Anspruch. Dazu haben wir mit den Kollegen noch einmal intensiv gesprochen und bitten, eine eventuelle Aussage zu entschuldigen“, so Pamperin. Alle Fahrzeuge würden im A-Wagen neben dem WC über jeweils einen regulären Stellplatz verfügen. Der könne von Rollstühlen, Kinderwagen oder Fahrrädern genutzt werden. „Eine Mehrfachbelegung hängt von Art und Anzahl der mitgenommenen Gefährte ab, ist aber möglich.“ So sei in diesem Bereich beispielsweise die Mitnahme von zwei bis drei Fahrrädern, zwei kleinen Rollstühlen, einem E-Rolli oder einem Kinderwagen machbar. Auch die Rollstuhlrampe befände sich dort.

„Wir haben uns dies vor Ort einmal angeschaut und auch mit den Kollegen gesprochen: Lindwedel ist ein Haltepunkt, an dem unsere Züge laut Fahrplan weniger als eine Minute Standzeit haben. Sehr voll ist es dort üblicherweise nicht, sodass die Stellplätze meist noch frei sein dürften.“ In Lindwedel sei der Bahnsteig höhengleich zum Fahrzeug, sodass ein Zustieg auch ohne Rampe in jeden Wagenteil und an jeder Tür möglich sei.

Pamperin empfahl für die Zukunft, sich für die gewünschte Fahrt rechtzeitig vorher anzumelden. So könne man Lokführer und Fahrgastbetreuer bereits vorab informieren. Eine Anmeldung ist telefonisch unter 05191/ 96944-250 möglich – oder, indem der Reisende vorher auf https://www.erixx.de/service/barrierefrei-reisen/ ein Formular ausfüllt. „Wenn man am Bahnsteig steht und der Zug fährt ein, solle man die Hand heben und damit zeigen, dass man mitfahren möchte und Hilfe benötigt“, riet Pamperin weiter. „Fahren Sie – wenn möglich – nach 8 Uhr. Dann ist der Berufsverkehr durch und die Züge etwas leerer.“ Bei der Rückfahrt könne man sich die Stelle merken, an der man vorher ausgestiegen ist und bereits dort auf den Zug warten – dann gehe es schneller und einfacher.

Nicht vorbereitet und ohne Anmeldung war der SoVD vor Ort. Und trotzdem packten die Mitarbeiter von Erixx zu, um gleich zwei Rollstühle zu transportieren. Mit etwas gutem Zureden und kräftigem Anschieben verlief die Fahrt nach Mellendorf und zurück auch im engeren Bereich der Wagen trotz guter Auslastung ohne Probleme.

Heiderose Domres, die von ihrem Mann Wolfgang begleitet wurde,, zeigte sich erleichtert: „Es war an diesem Tag sehr viel besser“, so die Lindwedelerin, die hofft, dass auch bei ihren kommenden Fahrten nach Schwarmstedt, Mellendorf oder auch Hannover alles problemlos ablaufen wird. „Ich werde vorher bei Erixx anrufen, werde mich ankündigen und schauen, ob es dann gut geht.“

In einem halben Jahr wird Bilanz mit dem SoVD gezogen. „Wir werden nachschauen“, kündigte Jürgen Hestermann an, der sich aber erfreut zeigte, dass Erixx gehandelt hat.  mü

SoVD-„Familienausflug“ mit ernstem Hintergrund.

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