Land- und Forstwirtschaftlicher Verein bei Meins / Vortrag zur Weltwirtschaft

Bürokratie und Preisverfall

Der neu gewählte Lars Meyer, erster Vorsitzender Carsten Poppe und sein Stellvertreter Rüdiger Göbbert (von links).
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Der neu gewählte Lars Meyer, erster Vorsitzender Carsten Poppe und sein Stellvertreter Rüdiger Göbbert (von links).

Häuslingen - Die Aufgaben des Land- und Forstwirtschaftlichen Vereins Rethem hätten sich in den 160 Jahren seines Bestehens nicht wesentlich verändert, erklärte der Vorsitzende Rüdiger Göbbert gestern in seinem Jahresrückblick. Es gehe um die Förderung der Land- und heute auch Forstwirtschaft und die Pflege der Geselligkeit im ländlichen Raum. Allerdings sei die Zeit kurzlebiger geworden. „Entscheidungen haben früher länger gewährt.“

Der Verein hatte für gestern zur Mitgliederversammlung und zu einer gemeinsamen Vortragsveranstaltung mit dem Niedersächsischen Landvolk, Bezirk Rethem, ins Gasthaus Meins in Häuslingen eingeladen.

Die wirtschaftlichen Ergebnisse in den vergangenen Jahren seien sehr gut gewesen, berichtete Göbbert. „Nun geht‘s mal bergab“, ging der Vorsitzende auf die sinkenden Erzeugerpreise ein. Er kritisierte, dass der zuständige Minister ihnen eine ideologisch geprägte Landwirtschaft aufdrücken wolle. „Die Landwirte sehen sich nicht in der Lage, die vielen und umfangreichen Auflagen zu erfüllen. Ich glaube nicht, dass ein Familienbetrieb immer alles leisten kann.“ Es führe kein Weg daran vorbei, die steigenden Kosten über größere Einheiten aufzufangen. Doch diese Entwicklung sei von den Landwirten nicht gewollt.

Neuer erster Vorsitzender – Göbbert kandidierte nicht erneut – wurde einstimmig der bisherige Stellvertreter Carsten Poppe aus Hedern. Sein Stellvertreter ist Rüdiger Göbbert – in Ermangelung eines anderen Kandidaten. Außerdem wurden Lars Meyer und Jörg Weber aus Rethem in den Vorstand gewählt. Junge Leute seien wichtig, um den Verein lebendig zu erhalten, betonte Göbbert.

Der Landvolkvorsitzende Jochen Oestmann empfahl den Zuhörern, gesund und zahlungsfähig zu bleiben. Bis zum Sommer hätten die Märkte große Freude bereitet. „Wettermäßig hat 2014 alles gepasst. Die Ernten waren historisch hoch.“ Allerdings hätte das in vielen Fällen zu stark sinkenden Preisen geführt, unter anderem bei Kartoffeln und Rüben. Anders sehe es beim Getreide aus. Der Premiumweizen, der allerdings weniger in der Gegend angebaut werde, gehe massiv in den Export.

Neuer Vorsitzender

ist Carsten Poppe

Bei der Milch habe es eine Ernüchterung gegeben. Und ab dem 1. April gebe es keine Milchquote mehr. „Das muss zunächst zu sinkenden Preisen führen. „Aber viele Standorte sind sicherlich konkurrenzfähig.“

Auch Schweine erzielten geringere Erträge, sagte Oestmann. Die Suppe löffelten die Ferkelerzeuger aus. „Ich hoffe, dass die wenigen vor Ort genug Luft zum Atmen haben.“

Er erwähnte die Initiative Tierwohl des Lebensmitteleinzelhandels, die im April starte. Es gehe darum, bestimmte Standards in der Geflügel- und Schweineproduktion zu honorieren. „Die Landwirtschaft ist hochflexibel und zu allem bereit – man muss nur das Portemonnaie aufmachen.“

Nach dem Atomausstieg habe er den Eindruck, dass die Grünen ein neues Feindbild hätten – die Landwirtschaft. „Das kann doch nicht sein.“ Sie hätten vor, im Frühjahr im Heidekreis ein Forum mit einem grünen Spitzenpolitiker zu veranstalten.

Landvolkgeschäftsführer Klaus Grünhagen mahnte in seiner Rede, dass beim Greening die entsprechenden Anträge fristgerecht ausgefüllt werden müssten. Und beim Mindestlohn gehe er von Überprüfungen aus. Zum Thema Wolf rief er dazu auf, gerissene Tiere zu melden. Man müsse dafür sorgen, dass Tierhalter auf vereinfachtem Weg entschädigt werden.

Den Landwirten riet Grünhagen, mit Bürgern ins Gespräch zu kommen. „Geben Sie Antworten, wenn Nachbarn fragen. Das ist die beste Öffentlichkeitsarbeit, die wir machen können.“

Mit dem Thema „Zukünftige Entwicklung der Weltwirtschaft – überwiegen Chancen oder Risiken?“ beschäftigte sich Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank. Er sprach von einer Gefährdung des Mittelstandes, unter anderem durch Überregulierung. Hellmeyer warnte vor dem Freihandelsabkommen und davor, das humanistische Wertesystem in Europa zu riskieren. Derzeit gebe es einen Wirtschafts- und Finanzkrieg. Etwas anderes sei die Sanktionspolitik gegen Russland nicht. Der Ökonom beleuchtete die Haushalte verschiedener Nationen, deren Wachstum und Verschuldung. Und während China und Russland relativ gut dastanden, sah die Lage für Großbritannien, die USA und Japan deutlich schlechter aus. Es gebe eine Gefahr für die USA. Die Situation ähnele der von 2007.

sal

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