Dr. Jan-Uwe Rogge spricht in der Walsroder Stadthalle über die Pubertät

Das „Fegefeuer auf Erden“

Erziehungsberater, Bestsellerautor und großartiger Entertainer: Dr. Jan-Uwe Rogge referierte in der Walsroder Stadthalle humorvoll zum Thema „Pubertät“. ·
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Erziehungsberater, Bestsellerautor und großartiger Entertainer: Dr. Jan-Uwe Rogge referierte in der Walsroder Stadthalle humorvoll zum Thema „Pubertät“. ·

Walsrode - Plötzlich ist alles anders. Der elfjährige Felix, der bis eben noch Wert auf Gute-Nacht-Rituale legte und die Eltern an seinem Leben teilnehmen ließ, mutiert von jetzt auf gleich zu einer Art Monster, das die Mutter mit recht unschönen Worten aus dem Zimmer wirft. Der Beginn der Pubertät, der Anfang des „Fegefeuers auf Erden“, wie es Dr. Jan-Uwe Rogge am Donnerstagabend in der Walsroder Stadthalle formulierte. „Pubertät – loslassen und Halt geben“, lautete das Thema des Abends.

Rogge präsentierte sich als brillanter Unterhalter, der den mehr als 400 Zuhörern immer wieder äußerst humorvoll den Spiegel vorhielt. In bester Kabarettmanier erzählte er von Müttern Pubertierender, die Schals trügen, da man schließlich nur das Gesicht mit Botox glätten könne und die Erziehung mit Yoga verwechselten. Von Eltern, die nie so werden wollten wie einst ihre eigenen Erziehungsberechtigten. Von ungewollten Kumpel-, Wischi-Waschi- und General-Vätern, die sich erst „Last Minute“ in die Erziehung einschalteten.

Deutschlands wohl bekanntester Erziehungsexperte verglich pubertierende Jugendliche, die „Testosteronbomber“ und „Östrogenzicken“, mit jungen Hummern, die sich ihres zu eng gewordenen Panzers entledigten und sich – weil schutzlos – in Höhlen, also ins stickige, dunkle mit einer Streuordnung versehene Zimmer – zurückzögen. Davor patroullierten Mütter, die um Gelassenheit rängen und letztlich in die Höhle eindrängen. Dann sei Ärger vorprogrammiert.

„Was macht die Pubertät so schwer? Diese Zeit ist normal“, rief Rogge. „Seid nicht so verzweifelt. Ich baue euch auf.“

Wirkliche Tipps gab der bei Hamburg lebende Familienvater nicht. Stattdessen trug er auf unnachahmliche Art und Weise Geschichten und Beispiele aus seiner mehr als 30-jährigen Tätigkeit vor, die wohl jedem im Saal bekannt vorkamen. Sei es aus der eigenen Jugend oder eben vom Nachwuchs. Sätze wie „so lange du deine Füße unter meinen Tisch steckst“ durften selbstverständlich nicht fehlen.

Grundsätzlich könne man es Pubertierenden nie recht machen. „Aber sie wollen Eltern, die bereit sind, Eltern zu sein und älter zu werden. Denn Eltern kommt von älter. Und ihr seid Eltern, steht dazu“, so Rogge.

Den ewig Jugendlichen vorzuspielen, funktioniere nicht, sagte der Experte. Vielmehr sollten Eltern ihre Kinder und letztlich auch sich selbst durch diese Zeit begleiten, Haltung bewahren, Grenzen setzen und einen sicheren Hafen bieten, den die Jugendlichen anlaufen könnten, wenn die Stürme tobten. „Aber die Jugendlichen entscheiden, wann das passiert“, erzählte der Bestsellerautor.

Rogge riet seinen Zuhörern, dankbar und demütig zu sein und den Gedanken von Machbarkeit loszulassen, ruhig auch mal durchzudrehen. „Sie wollten doch selbstbewusste, eigenständige, autonome Kinder. Die Pubertierenden sind anders als Sie und das ist gut so. Seien Sie stolz darauf“, so sein Rat. · mf

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