Miriam Tatura hilft Opfern der Brandkatastrophe von Schneeheide

Fast kompletter Hausstand

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Miriam Tatura sortiert die Spenden.

Walsrode - Liebevoll legt Miriam Tatura einen Babystrampler zusammen, verstaut ihn in einer Kinderwiege. Anschließend wuchtet sie einen Umzugskarton voller Kleidung in ein Nebenzimmer.

„Das muss alles sortiert werden. Sonst hat man keinen Überblick“, seufzt sie. Nach dem verheerenden Brand eines Einfamilienhauses in Schneeheide in der Nacht auf den 20. April, bei dem ein neunjähriger Junge ums Leben kam, hat es sich die Walsroderin zur Aufgabe gemacht, der Familie zu helfen. Sie sammelt Sach- und Geldspenden.

Die April-Nacht wird Miriam Tatura ihr Leben lang nicht vergessen. Gemeinsam mit ihrer Nachbarin, mit der sie seit vier Jahren befreundet ist, musste sie ansehen, wie deren Haus in Flammen stand. Wissend, dass sich der neunjährige Sohn noch im Gebäude befindet und dass es für ihn wohl keine Rettung mehr geben würde. Eine unfassbar furchtbare Situation.

„Dennoch war ich komischer Weise ganz ruhig. Ich dachte nur, es hilft niemandem, wenn ich jetzt Panik kriege“, erinnert sich Tatura an den Hausbrand, der durch einen technischen Defekt in einem Kabelstecker ausgelöst wurde.

Auch am Tag nach der Katastrophe behielt die 33-Jährige einen kühlen Kopf und überlegte, wie sie ihrer allein erziehenden Freundin, die Anfang Juli ein Baby bekommen wird, und deren sechsjähriger Tochter schnell und effektiv helfen kann, um die materielle Not zu lindern. „Meine Freundin ist Hartz-IV-Empfängerin und besitzt nur noch die Kleidung, die sie am Leibe trägt. Man weiß ja nicht, wann und wie viel die Versicherung bezahlt. Ich wollte einfach etwas tun“, begründet Tatura.

Nachdem Mutter und Tochter sowie deren zwei Hunde vorläufig bei Freunden untergebracht waren, bat sie auf ihrer Facebook-Seite sowie auf einigen Flohmarkt-Profilen des sozialen Netzwerks um Hilfe. „Es dauerte keine fünf Minuten, da bekam ich bereits die erste Nachricht“, erzählt sie.

Jetzt, eineinhalb Wochen später, hat sich nahezu ein kompletter Hausstand angesammelt. Möbelstücke, Haushaltsgeräte, ein Kinderwagen, jede Menge Bekleidung, ein Wickeltisch, Spielzeug und zahllose weitere Dinge des täglichen Lebens wurden abgegeben. „Diese Hilfsbereitschaft ist überwältigend. Eine ältere Dame wollte sogar ihr Bett hergeben, obwohl sie selbst nur eines hat“, lächelt Tatura dankbar. „Und die Leute denken sogar an Kleinigkeiten wie Handtücher, Eierkocher oder Windeleimer, die ich gar nicht auf der Liste hatte.“

Gesammelt werden all diese Dinge in einer leer stehenden Wohnung des Schneeheider Mehrfamilienhauses, in dem Tatura wohnt. Ihr Vermieter Matthias Auer hat diese kostenlos zur Verfügung gestellt. Dort sind Miriam Tatura, ihre 13-jährige Tochter Celina, Simone Alvermann, Silvia Prigge und Jan Martin beschäftigt, die Gegenstände zu sichten und zu sortieren.

Aber es sind nicht nur materielle Dinge, die von hilfsbereiten Menschen angeboten werden. So haben Thorsten Schimpff von der Firma Walotrans und das Deutsche Rote Kreuz angeboten, die Spenden kostenlos in die neue Wohnung zu transportieren, wenn denn eine neue Bleibe gefunden ist. „Da sind wir noch auf der Suche nach etwas Passendem“, sagt Tatura.

Weitere Sachspenden wie zum Beispiel Badezimmer-Einrichtungen oder Teppiche sowie Geldzuwendungen sind willkommen. „Nach Rücksprache mit dem zuständigen Amt werden die gespendeten Beträge ausnahmsweise nicht auf das Hartz-IV-Geld angerechnet“, erklärt Tatura erleichtert.

Dass sie momentan neben ihrem Job im Housekeeping eines Hotels nahezu rund um die Uhr mit Helfen beschäftigt ist, macht ihr nichts aus. „Wäre ich in einer solchen Situation wie meine Freundin, würde ich mich auch freuen, wenn ich Hilfe bekäme“, begründet die Walsroderin ihre Motivation. „Das ist alles so tragisch. Und schlafen kann ich zurzeit eh nicht“, sagt sie.

Das Brandopfer wird am Donnerstag in Walsrode beigesetzt. · mf

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