Zwei Rettungssanitäter, die auch nach Dienstschluss helfen, Krisensituationen zu bewältigen

Für etwas mehr Menschlichkeit

Stefan Elling (links) und Markus Glienke arbeiten ehrenamtlich als Kriseninterventionsberater.

Walsrode - Von Pascal FaltermannWALSRODE · Dann war es ruhig. Nichts bewegte sich. Kein Ton mehr aus dem Wohnzimmer. Auch die Treppe knirschte nicht. Im Haus war Stille. Vor ein paar Stunden war der Notarzt gekommen und konnte bei ihrem Mann nur noch den Tod feststellen. Die alte Frau war allein. „Genau um diese Menschen wollen wir uns kümmern“, betont der Walsroder Rettungsassistent Markus Glienke. Mit seinem Kollegen Stefan Elling hat er speziell für solche Situationen eine Fortbildung zum Kriseninterventionsberater besucht und setzt sein Wissen nunmehr ehrenamtlich ein.

Es piept. Der Funkmeldeempfänger gibt das Signal für den nächsten Einsatz. Jetzt muss alles schnell gehen. Die Rettungsassistenten des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Walsrode sprinten zu ihren Einsatzfahrzeugen, denn es kann immer das Schlimmste eintreten.

Doch in der Regel sind es nicht die Massenkarambolage auf der Autobahn oder der schwere Verkehrsunfall, sondern die Vorfälle im häuslichen Bereich, die den Alltag der Rettungsassistenten bestimmen. In allen Fällen gibt es neben den Verletzten, den Kranken oder den Verstorbenen auch die Menschen, die mit den Schreckensnachrichten leben müssen. Und häufig sind es die Personen, die während des Vorfalls nicht allzu sehr im Fokus stehen, aber ebenso Hilfe und Betreuung benötigen. Um genau diese wollen sich die beiden Walsroder Rettungsassistenten kümmern.

Auf einer Fortbildung in Schleswig-Holstein haben die Rettungsassistenten Markus Glienke und Stefan Elling gelernt, mit den beschriebenen Situationen umzugehen. „Das Überbringen von Todesnachrichten, das Betreuen von Zeugen oder Betroffenen waren Inhalte unserer Weiterbildung“, erklärt Glienke. Das umfasse zum einen die akute Betreuung am Ort des Geschehens, aber auch die Beratung und Versorgung nach dem traumatischen Ereignis mit der Weiterverbindung zu einem Notfall-Psychologen. Auch der Umgang mit dem Sterben und dem Tod, die Gesprächsführung, das Stellen von Fragen und vor allem präventive Maßnahmen erlernten die beiden Rettungsassistenten.

Ganz wichtig sei es bei den Betroffenen, die Situation anzusprechen, zu fragen was in ihnen vorgehe. „Dann müssen wir abschätzen, ob es die Betroffenen selbst schaffen können, mit der Situation um zu gehen“, betont Glienke. Jeder Mensch habe Mechanismen und Hilfen, wie er ein solches Ereignis bewältigen kann. „Dies kann mit Hilfe der Familie und Angehörigen geschehen, auch Freunde oder gar die Vereinsmitglieder im Sportverein können dafür hilfreich sein“, erläutert Glienke.

Den akut Betroffenen wird vor Ort meist professionelle Hilfe durch einen Psychologen oder einen Notfallseelsorger angeboten. Im Landkreis Soltau-Fallingbostel wird die Notfallseelsorge grundsätzlich durch die Pastoren organisiert und sichergestellt. „Es geht darum, potenzielle Gefahren zu vermindern oder auszuschließen“, verdeutlicht Glienke. „Es ist selten, dass es niemanden gibt, der nicht helfen kann.“

Manchmal sei die Situation für den Betroffenen anfangs noch zu verarbeiten. Aber nach und nach können sich posttraumatische Symptome ausbilden. Anzeichen wie Schlaflosigkeit, Müdigkeit, das wiederholte Erleben von Ereignissen, die länger andauern als vier Wochen oder ein komplett anderer Tagesrhythmus und eine sich bildende Alles-egal-Einstellung seien solche Anzeichen, macht Glienke klar.

Menschen, die lange zusammen gelebt haben und durch den Tod des anderen keinen Sinn mehr in ihrem Dasein sehen, haben es besonders schwer. „Das kann bis hin zu Selbstmordgedanken führen“, so Glienke. „Wir haben im Rettungsdienst wenig Zeit, intensiv auf die Betroffenen einzugehen, jedoch halten wir es für sehr wichtig, die Menschlichkeit bei aller Abgeklärtheit nicht zu vergessen“, sagte Glienke.

Doch nicht nur auf direkt Betroffene wirken sich Todesfälle, Unfälle oder Schicksalsschläge aus. Auch die indirekt Betroffenen, wie beispielsweise die Einsatzkräfte von Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei, müssen diese Krisensituationen nachhaltig auf- und verarbeiten.

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