Mit acht Jahren kauft Dirk Leseberg sein erstes Hochlandrind

„Einfach ein Kuh-Mensch“

+
Dirk Leseberg (l.) und sein Vater Wilhelm bei ihren schottischen Hochlandrindern. ·

Rethem - Von Clara Zink. Große, neugierige Augen lugen hinter einem Vorhang aus dickem, weichem Fell hervor. Als Dirk Leseberg beginnt, ihm den Hals zu kraulen, reckt das Tier den Kopf und wirkt völlig entspannt. Die Rede ist nicht von einem Hund, sondern einem dreijährigen Bullen namens Joe, dessen gewaltigen Hörnern man lieber nicht in die Quere kommen möchte.

„Das ist es, was mich erfüllt“, erklärt Dirk, der gerade inmitten seiner zwölf Hochlandrinder steht. „Nach Hause kommen und erst einmal gucken, was die eigenen Tiere machen.“ Gemeinsam mit seinem Vater Wilhelm Leseberg züchtet er seit über zehn Jahren schottische Hochlandrinder.

Die idealen Bedingungen sind auf den ersten Blick gegeben: Der Hof in Rethem-Moor ist von freier Weidefläche und Wald umgeben. Wer auf Menschen treffen will, muss sich ins Auto setzen. „Das hört sich immer gut an: Ich wohne im Naturschutzgebiet“, so Leseberg senior. „Aber hier zu leben, das muss man schon kennen und können.“

2001 begann die Familie mit der Sanierung des Hofs, auf dem Wilhelm Leseberg aufgewachsen ist. Damit wurde zugleich Raum geschaffen für einen Traum, den Dirk schon lange hatte: „Ich wollte schon immer eine eigene Kuh haben.“

Seine Eltern arbeiten zwar beide nicht im Agrarbereich und auch seine Geschwister interessieren sich eher für ausgefallene Reptilien, als für landwirtschaftliche Nutztiere. Dennoch war Dirk von Anfang an von der Landwirtschaft begeistert, fuhr bereits im Kindergartenalter zu den Nachbarhöfen, um beim Melken der Kühe dabei zu sein und auf dem Trecker mitzufahren.

„Man muss die Tiere

respektvoll behandeln“

Da sein Vater mit Tieren aufgewachsen war, ließ er sich von der Idee seines Sohnes mitreißen. „Für uns war klar: Wir wollen uns in erster Linie an den Tieren erfreuen“, erklärt Wilhelm Leseberg. Darum entschieden sich die beiden schließlich für schottische Hochlandrinder. Diese ruhige Rasse ist ausgesprochen robust und anpassungsfähig, so dass die Tiere das ganze Jahr über auf der Wiese leben können. Auf der anderen Seite sind sie für die Milchproduktion ungeeignet und brauchen im Vergleich mit der klassischen Milchkuh doppelt so lange, bis sie schlachtreif sind.

Vater und Sohn einigten sich zunächst auf zwei Kühe. Darüber hinaus wollte Dirk sich sein eigenes Kalb kaufen. Er war zu diesem Zeitpunkt acht Jahre alt. In den nächsten zwei Jahren legte er sämtliches Weihnachts- und Geburtstagsgeld zurück. „Meine Freunde haben auf einen Computer gespart – ich sparte auf eine Kuh.“

2001 war es schließlich soweit, das Geld war zusammen. „Da haben mich erst einmal alle belächelt. Aber mir tat es nie leid, ich habe das nie bereut.“

Anfangs war nicht geplant, die Herde deutlich auszuweiten. Nach und nach entschlossen sich Vater und Sohn aber zur Vergrößerung. „Mehr als einen Bullen und drei bis vier Kühe wollen wir aber vermeiden, sonst verliert die Sache ihren Sinn“, so Wilhelm Leseberg. Schließlich kämen regelmäßig ein paar Kälber dazu. Wichtig im Umgang mit den sensiblen Tieren sei vor allem eine Vertrauensbasis. Darum füttern Wilhelm und Dirk Leseberg ihre Tiere immer wieder auch per Hand. „Man muss sie in jedem Fall respektvoll behandeln. Angst darf man trotzdem keine haben“, fügt Dirk hinzu.

Für ihn steht fest: Er wird im landwirtschaftlichen Bereich weiterarbeiten. Seine Ausbildung zum landwirtschaftlich-technischen Assistenten hat er bereits absolviert, zusätzlich lässt er sich nun noch zum Landwirt ausbilden.

Von der Hochlandrinderzucht wird er zwar nicht leben können, trotzdem kann sich diese Tiere bei den Lesebergs niemand mehr wegdenken. „Im Endeffekt ist es einfach ein Hobby, dafür hat nicht jeder Verständnis. Aber ich entspanne total, wenn ich an einem Sonntag einfach mal auf der Wiese stehen und die Tiere kraulen kann“, erzählt er. „Ich bin einfach ein Kuh-Mensch.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehrere Rechtsverstöße am Rande von Merkel-Besuch in Dresden

Mehrere Rechtsverstöße am Rande von Merkel-Besuch in Dresden

Das bringen Headsets beim Motorradfahren

Das bringen Headsets beim Motorradfahren

In diesem Nationalpark gibt es Wölfe und Wisente zu sehen

In diesem Nationalpark gibt es Wölfe und Wisente zu sehen

Gedenken an Putschversuch in der Türkei vor drei Jahren

Gedenken an Putschversuch in der Türkei vor drei Jahren

Meistgelesene Artikel

Drogen sichergestellt

Drogen sichergestellt

Für viele Patienten besser verträglich

Für viele Patienten besser verträglich

Spiel und Spaß für 170 Teilnehmer

Spiel und Spaß für 170 Teilnehmer

Kommentare