Gutachten für die Umstrukturierung der Krankenhäuser im Heidekreis präsentiert / 500 Zuhörer in der Heidmark-Halle

Bürger für „ihre“ Kliniken gewinnen

Rund 500 Besucher informierten sich in der Heidmark-Halle über die geplanten Veränderungen.

Bad Fallingbostel - (sal) · Akzeptanz sei neben den Kriterien gute Medizin und Wirtschaftlichkeit für den Erfolg der Heidekreis-Kliniken von immenser Bedeutung, sagte am Montagabend Ulrich Kestermann, Geschäftsführer des Instituts für betriebswirtschaftliche und arbeitsorientierte Beratung (BAB). Er präsentierte das neue Gutachten zur Umstrukturierung der Häuser in Soltau und Walsrode in der Bad Fallingbosteler Heidmarkhalle erstmals öffentlich.

Die rund 500 Zuhörer erfuhren, dass die große Akzeptanz der Bürger die Experten veranlasst hatte, von der im ersten Gutachten beabsichtigten Schließung einer der beiden Geburtshilfe-Abteilungen abzusehen. Sowohl in Soltau als auch in Walsrode können diese bestehen bleiben. Das trage auch zum angestrebten Gleichgewicht der beiden Häuser bei. Die jeweiligen Zahlen seien sehr ordentlich, stellte Kestermann fest.

Allerdings, so der Fachmann, gelte das nicht für die Pädiatrie. Man verzeichne sinkende Fallzahlen, und auch die Zahl der Kinder im Landkreis nehme ab. Man müsse sich für einen Standort entscheiden.

Besondere Chancen sieht das Gutachten für die Heidekreis-Kliniken in acht Entwicklungsrichtungen: Stroke-Unit, Geriatrie, Kardiologie, Psychiatrie, Diabetologie, Gastroenterologie, Traumatologie sowie Gynäkologie/Geburtshilfe. Hier gehe es um Wachstumsmärkte, so der Experte. Er nannte beispielsweise den Bereich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei einer alternden Bevölkerung. Strittig ist Kestermann zufolge nur, an welchem Ort die Angebote angesiedelt werden.

Grundsätzlich sieht das Gutachten vor, an beiden Standorten die Grund- und Regelversorgung anzubieten. Nicht in Frage steht, dass es sowohl in Soltau als auch in Walsrode Dialyse und eine psychiatrische Tagesklinik geben soll. Gesetzt seien die Stroke-Unit (Schlaganfall-Einheit), Neurologie, Geriatrie und Diabetologie in Soltau sowie die Palliativ-Abteilung und die Psychiatrie in Walsrode.

Entschieden werden müsse über den Standort der Kardiologie mit Linksherzkatheter und der Pädiatrie. Und genau hierin unterscheiden sich die Varianten C und D des Gutachtens. Grundsätzlich seien beide Vorschläge realisierbar, sagte Kestermann. Allerdings seien für C (Kinderstation Walsrode, Kardiologie Soltau) etwa 3,4 Millionen Euro für die Umstrukturierung notwendig, für D (Kinderstation Soltau, Kardiologie Walsrode) etwa 1,5 Millionen Euro mehr. Mit dem Modell C erziele man im Idealfall jährlich 1,5 Millionen Euro Synergiegewinne, mit D nur rund eine Million Euro. Allerdings seien im Vorschlag D beide Häuser ausgeglichener aufgestellt, wenn man die Psychiatrie aus der Betrachtung herauslasse.

Grundsätzlich, so Kestermann, gehe es darum, die Einwohner an „ihre“ Krankenhäuser zu binden. Eine Untersuchung hätte ergeben, dass jeder fünfte Landkreisbewohner einmal im Jahr stationär ins Krankenhaus gehe. Nur rund 60 Prozent wählten allerdings eines der beiden Häuser im Kreis.

Darüber hinaus müsse es gelingen, dem Fachärztemangel entgegenzuwirken. Eine Attraktivitätssteigerung könne genau dies bewirken.

Eine Alternative zu einer Umstrukturierung gebe es grundsätzlich nicht, warnte Kestermann. „Wenn wir nichts machen, dauert es zwei bis drei Jahre, dann sind die Krankenhäuser defizitär.“ Und: „Wenn Sie jetzt kein Linksherzkatheter machen, werden andere immer stärker. Irgendwann ist der Zug abgefahren.“

Der Aufsichtsrat wird heute noch einmal über das neue Gutachten beraten, der Kreistag und die Gesellschafterversammlung am Freitag.

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