Aller-Leine-Tal

Zuschnitt und Kosten fürs ALT weiterhin unklar

Dr. Thomas Kaiser von der Arbeitsgruppe Land und Wasser beim Heidekreis. - Fotos: Kracke

Bad Fallingbostel - Das besonders schützenswerte Grünland. Wann herrscht dort Bearbeitungsruhe? Wie viele Tiere dürfen wann Gras fressen? Bis ins tiefste Detail reichte der Sachstand beim Schutzgebietsausweisungsverfahren für das Aller-Leine-Tal, den Svenja Stelse-Heine aus der Fachgruppe Natur- und Landschaftsschutz den Mitgliedern des Ausschusses für Bau, Natur, Umwelt und Landwirtschaft am Donnerstag im Kreishaus in Bad Fallingbostel vorstellte.

Der Politik ging das alles noch nicht weit genug, beziehungsweise zu weit. Sie forderte Klarheit über Grundsätzliches. Wieviel kostet die Ausweisung? Welche Ausgleichszahlungen erhalten insbesondere die betroffenen Landwirte? Wie viele Landwirte sind überhaupt betroffen? Diese Fragen stellte Politiker Friedrich-Otto Ripke, CDU. Antworten konnten noch nicht gegeben werden, und am Ende seiner Wunschliste war er ebenfalls noch nicht. Wo liegen eigentlich die Grenzen des Schutzgebietes? Liegt Wesentliches wie der Deich noch darin oder schon draußen? Wie sollen sich die Deichverbände positionieren, wenn sie nicht wissen, ob sie voll umfänglich betroffen sind?

Viele offene Fragen also, die eines der ehrgeizigsten Heidekreisprojekte des Jahrzehnts begleiten.

Schulze sichert Antworten zu

Erster Kreisrat Oliver Schulze sicherte Antworten zu und äußerte sich zuversichtlich über den geplanten Zeitablauf. Eine Kreistags-Entscheidung sei weiterhin für September geplant. Ein Optimismus, der nicht unbegründet ist. In einem Marathon von 21 Sitzungen mit je bis zu acht Stunden Dauer seien mit Betroffenen Lösungen für eine Unzahl von Problemfällen ausgehandelt worden. Die Debatten mit Jägern genauso wie mit Anglern, mit Deichverbänden, mit Forst-Vertreten oder Landwirten – all das habe einen Marathon von 90 Stunden ergeben, so Schulze, und man sei einvernehmlich auseinander gegangen. Das bestätigte auch die Politik. „Die Gespräche verliefen fair“, sagte Christdemokrat Henrik Rump.

Svenja Stelse-Heine aus der Fachgruppe Natur- und Landschaftsschutz.

Unklar bleibt, welchen Status das Aller-Leine-Tal erhalten soll. Landschaftschutzgebiet? Dann muss jedes einzelne Verbot aufgelistet sein. Gleichzeitig müsse die Untere Naturschutzbehörde, beim Kreis angesiedelt, über jeden Einzelfall entscheiden, erläuterte Prof. Dr. Thomas Kaiser von der Arbeitsgruppe Land und Wasser in seinem Vortrag. Oder doch lieber Naturschutzgebiet? Dann sei alles verboten und es müssten Ausnahmen festgelegt werden.

Fläche von 5000 bis 7000 Hektar im Gespräch

Ripke forderte, beide Varianten zur Diskussion zu stellen, auch deren finanzielle Auswirkungen, ehe der Kreistag zur Entscheidung gelange. Wie groß das Schutzgebiet ausfallen soll, im Gespräch ist eine Fläche von 5000 bis 7000 Hektar, darüber gibt es klare Vorstellungen. Rump: „Von uns gibt’s nur ein Okay, wenn eine Fünf vorne steht.“

Gleichwohl dürften die Vorschriften wesentlich lockerer ausfallen, als bisher vermutet. Wege können betreten oder mit Fahrrädern befahren werden, traditionelle Veranstaltungen wie Osterfeuer oder Schützenfeste finden weiterhin statt, „ortsübliches Geräusch“, vom Glockengeläut bis zum Silvesterfeuerwerk, ist gestattet, Baden in Aller und Leine bleibt erlaubt, solange Wege zur Badestelle führen, sogar Hunde dürfen außerhalb der Brutzeit unangeleint ihr Herrchen begleiten.

Und Lösungen fürs besonders schützenswerte Grünland sind ebenfalls gefunden worden. Vom 15. März bis 15. Juni soll Bearbeitungsruhe herrschen, bis zum 21. Juni dürfen wegen der Bodenbrüter maximal zwei Tiere je Hektar auf die Flächen, anschließend gibt es keine Begrenzung. 

kra

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