Der Wunsch nach Frieden

Tarek Rashou engagiert sich ehrenamtlich

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Tarek Rashou.

Heidekreis - Beim jüngsten Empfang für ehrenamtlich Tätige im „Hof der Heidmark“ bat Landrat Manfred Ostermann einen 40-jährigen Kurden aus Syrien nach vorn. Tarek Rashou, 1996 aus seiner Heimat nach Deutschland geflüchtet, verlor 2012 bei einem schweren Arbeitsunfall in Wietze seinen rechten Arm, bewies aber immer wieder Lebenskraft und ist heute als Dolmetscher in der Diakonie Walsrode tätig. Er erhielt die Ehrenurkunde des Heidekreises für besonders intensive ehrenamtliche Arbeit mit seinen Landsleuten und anderen Flüchtlingen.

„Was er auch heute noch leistet, ist absolut bemerkenswert und hilft uns sehr bei der Arbeit mit den Flüchtlingen, die wir beraten“, sagte Pastorin Rosl Schäfer, hauptverantwortlich für das Diakonische Werk in Walsrode, im Gespräch mit dieser Zeitung.

Ostermann berichtete, dass Rashou außerdem Hilfesuchende bei Behördengängen sowie Arzt- und Krankenhausbesuchen begleite und 2015 mit viel Einsatz im Camp Oerbke ehrenamtlich ausgeholfen habe.

Rashou ist bescheiden geblieben: „Ich möchte einfach nur helfen“, sagte er. „Es ist mittlerweile ein 24-Stunden-Job geworden.“ Er sei eigentlich immer erreichbar. Auch kürzlich, an einem Sonntagnachmittag, als gleich vier Landsleute seine Hilfe benötigten, war Rashou zur Stelle. Und das, obwohl er drei Kinder hat. „Aber meine Frau hält mir den Rücken frei“, freut er sich.

Über Ägypten und Frankreich nach Deutschland

Der Kurde musste sein Dorf mit den Lehmhäusern verlassen und kam über Ägypten und Frankreich nach Deutschland. Rashou lebte viele Jahre in Wohnheimen in Sachsen, ehe er nach Walsrode kam. Behörden wollten ihn zunächst nicht. „Ich musste unzählige Wege laufen, ehe ich ein wenig mehr anerkannt wurde.“

Heute spricht Rashou, der im vergangenen Jahr einen Integrationskurs machen konnte, ein recht ordentliches Deutsch. „Ohne die Landessprache kannst du hier nichts werden“, weiß er. Der 40-Jährige will sich weiterbilden, auch wenn ihn immer wieder Schmerzen quälen. Er hofft, die Chance zu bekommen, über den Bundesfreiwilligendienst des Diakonischen Werkes bei der Diakonie eingestellt zu werden. „Solche Menschen brauchen wir unbedingt“, unterstrich Rosl Schäfer.

Frieden auf der ganzen Welt, das wünscht sich Rashou. „Wir müssen doch allesamt gut zusammenleben können.“ Er sieht seine Hilfe als Pflicht an und möchte Mut machen, sich für andere Menschen zu engagieren. „Ich wünsche, dass die Neuen trotz ihrer schmerzhaften Erinnerungen und dem Leid, das sie in ihrer Heimat durch den Krieg erlebt haben, die Gelegenheit nutzen, sich hier zu integrieren. Heute stehen ihnen viele Wege und Möglichkeiten offen, die in meiner Ankunftszeit nicht vorstellbar waren. Diese Chance nutzen sie hoffentlich und geben unserer Gesellschaft etwas zurück.“ - mü

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