Versammlung mit mehr als 800 ZJEN-Mitgliedern in der Heidmarkhalle

Wolf, Nutria und ASP im Fokus

Barbara Otte-Kinast sprach über das Jagdgesetz.

Bad Fallingbostel - Der Wolf, Nutria und Gänse sowie die Afrikanische Schweinepest (ASP) bestimmten die inhaltlichen Schwerpunkte auf der Mitgliederversammlung des Zentralverbandes der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden in Niedersachsen in der Heidmarkhalle in Bad Fallingbostel.

Über 800 der etwa 3 600 Mitglieder verfolgten die Ausführungen ihres Präsidenten Heiner Ehlen und der zuständigen Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast, CDU, zu den Brennpunkten des Jagdwesens in Niedersachsen.

Am Jahrestag ihrer Vereidigung als Ministerin zog Otte-Kinast, die unter anderem für die Jäger in Niedersachsen zuständig ist, Bilanz ihrer Tätigkeit. Durch die Novelle des Jagdgesetzes sei vieles auf den Weg gebracht worden, was nach Jahren des Stillstandes notwendig gewesen sei.

Die Aufhebung des Muttertierschutzes bei der invasiven Art Nutria sei eine dringend notwendige Maßnahme zum Deichschutz gewesen. „Die Jäger sind hier im öffentlichen Auftrag unterwegs, um Deiche im Sinne der Allgemeinheit zu schützen“, sagte die Ministerin. Die auch Biberratten genannten Einwanderer durchwühlten den Boden auf der Suche nach Nahrung.

Über 800 ZJEN-Mitglieder verfolgten in der Heidmarkhalle die Beiträge der Referenten. - Fotos: Leeske

Weiter sprach Otte-Kinast die Vorbereitungen der Landesregierung wegen der drohenden ASP an. „Die Behörden sind in Kooperation mit dem Landvolk für den Worst Case gut vorbereitet“, sagte sie. Wildsammelbehälter, Zäune für einen nötigen Sperrbezirk seien beim Innenministerium eingelagert. Außerdem überprüfe das Wirtschaftsministerium die Biosicherheit auf den Rastanlagen der Fernstraßen in Niedersachsen. Zwei Millionen Euro seien schon im Landeshaushalt für den Aufwand der Beprobung, den Mehrabschuss von Schwarzwild und den Einsatz von Jagdhunden vorgesehen. Gute Erfahrungen aus Tschechien mit dem Einfangen von Wildschweinen solle ein Berufsjäger im Auftrag der Landesregierung weiterentwickeln. „Die Übertragung wird aber letztlich durch den Fehler eines Menschen passieren“, so die Ministerin. Dafür wolle man bestmöglich vorbereitet sein.

Sie äußerte erneut Zweifel, den Wolf sofort ins Jagdrecht aufzunehmen. „Im Koalitionsvertrag ist das Erreichen eines günstigen Erhaltungszustandes vorgesehen, um den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen“, sagte sie. Ehlen hingegen befürwortete eine Aufnahme des Raubtiers ins Jagdrecht, sobald ein vernünftiges Wolfsmanagement etabliert sei. „Bei auffälligen Rudeln wie im Kreis Nienburg ist der Umweltminister jedoch zum Handeln aufgefordert“, gestand Otte-Kinast ein.

Ein persönliches Anliegen sei die Steigerung der Diversität der Natur in Niedersachsen. Deshalb sollten Blühstreifen und Feldvogelinseln auch für das Greening anrechenbar sein. Sie dankte den Jägern für ihr großes Engagement im Naturschutz.

Die Ministerin gratulierte den Gewinnern der Stiftung Kulturlandpflege persönlich. Die beiden Jagdgenossenschaften aus Ringstedt bei Cuxhaven und Heber aus dem Heidekreis erhielten eine Auszeichnung für die Notwässerung der neugepflanzten Obstbäume in ihren Revieren.

Philipp Freiherr zu Guttenberg, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW), hielt einen Vortrag mit dem Titel „Eigentümer und Nutzer gegen den Rest der Welt? Zum fehlenden Vertrauen in Freiheit und Eigentum“. Dabei thematisierte er die Herausforderungen eines modernen Naturschutzes für Flächenbesitzer oder Nutzer. Er kritisierte die Abkoppelung von der Wissenschaft über den Naturschutz von den Menschen im ländlichen Raum, die die Maßnahmen letztendlich realisieren und das finanzielle Risiko tragen müssten. Es solle versucht werden, neue Wege zu gehen. „Weg vom maßnahmenorientierten Naturschutz hin zum zielorientierten Naturschutz, der erst nach Zielerreichung bezahlt wird“, forderte er. - lee

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