„Räderwerk“ bekämpft kriminelle Rocker- und Familienstrukturen

Gegen rechtsfreie Parallelwelten: „Wir wollen wissen, was los ist“

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Vertreter der am Räderwerk beteiligten Behörden und Organisationen sowie der Kommunen. 

Bad Fallingbostel – Eine „konsequente Bekämpfung krimineller Rocker- und Familienstrukturen“ verspricht das „Räderwerk“ Heidekreis. Hierbei handelt es sich um eine besondere Aufbauorganisation, die für einen niedersachsenweit einzigartigen Zusammenschluss verschiedenster Behörden und Entscheidungsträger im Heidekreis steht.

Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, in einem ganzheitlichen Bekämpfungsansatz eng vernetzt und konsequent vorzugehen. Vertreter der Kooperationspartner und Hauptverwaltungsbeamten aus dem Heidekreis stellten am Freitag im Kreishaus in Bad Fallingbostel das „Räderwerk“ vor.

Landrat Manfred Ostermann berichtete, dass es seit 2013 eine Sicherheitspartnerschaft „Rocker“ gebe. In dieser gehe es im Wesentlichen um die Verhinderung beziehungsweise Reduzierung von Gefahren und Straftaten durch Mitglieder von Rockergruppierungen im Heidekreis mittels vernetzter und Behörden übergreifender Zusammenarbeit. Die Partnerschaft sei Ende November 2018 um das Thema „Clankriminalität“ erweitert worden.

Gegen erhebliche Gefahren für die Öffentlichkeit

Es gehe darum, illegalen Aktivitäten entgegenzutreten, von denen erhebliche Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgehen. Das Vorgehen diene dem Schutze der Bürger sowie der behördlichen Institution und wirtschaftlichen Unternehmen im Heidekreis sowie der Durchsetzung des Rechtsstaatsprinzips und der Vereitelung einer Paralleljustiz, teilt die Polizeiinspektion (PI) Heidekreis mit.

Um noch effizienter agieren zu können, führte deren Leiter, Polizeidirektor Stefan Sengel, seit Anfang 2019 Gespräche mit Leitern anderer Behörden, da sich abzeichnete, dass ein ganzheitlicher, behördenübergreifender Ansatz notwendig sei, um den kriminellen Strukturen begegnen zu können.

Die bisherigen „Räderwerk“-Kooperationspartner im Überblick.

„Allgemeines Ziel ist es, durch einen ganzheitlich erhöhten Kontrolldruck, unter Einbindung aller Partner, eine nachhaltige Beeinträchtigung aller kriminellen Aktivitäten zu erreichen und die Entdeckungswahrscheinlichkeit zu steigern. Dies soll durch ein konsequentes, niedrigschwelliges Einschreiten auch bei geringen Regelverstößen unter Ausschöpfung aller rechtlichen Möglichkeiten erfolgen“, teilt die PI mit. „Letztlich geht es auch um das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung“, so Sengel. Es solle aber kein Generalverdacht bezüglich bestimmter Personen oder Gruppen aufgebaut werden.

Vermieden werden sollten Szenen, wie Anfang des Jahres in der Bergstraße, als Männer überfallartig in ein Lokal im Umbau stürmten. Mit Zusammenrottungen vor dem Krankenhaus oder am Bahnhof Munster, brennenden Friseurgeschäften und Vorfällen in und um die Disko in Walsrode sprach er weitere Beispiele an. „Wir wollen wissen, was los ist, und wenn wir besonders gut sind, was kommt.“

„Der Zug ist nicht abgefahren“

„Der Zug ist nicht abgefahren, und deshalb sind wir hier“, erzählte Sengel. „Wir wollen vor der Welle sein. Es darf sich keine Parallelwelt entwickeln.“ Wo es sie womöglich schon gebe, dürfe sie nicht groß werden.

Seiner Meinung nach habe der Rechtsstaat genug Gesetze, sagte Sengel. „Wir müssen untereinander hinkriegen, dass wir sie kennen.“ So könnten beispielsweise bei einer geplanten Durchsuchung Steuerfahndung oder Zoll bei Interesse mitkommen. Der Austausch sei wichtig. „Wir wollen das, was wir haben, bündeln.“

Polizeivizepräsident Matthias Oltersdorf von der Polizeidirektion Lüneburg sagte, dass organisierte Kriminalität auch auf dem Land ein Problem sei. „Es ist sehr schwierig, einen Einblick in die Strukturen zu erhalten. Der Heidekreis geht den richtigen Weg.“ 

sal

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