„Wir werden um das Kurhaus kämpfen“

Helmut König (Steuermann), Jürgen Sämann, Dieter Gerlach und Jürgen Seegers (v.l.) sammelten Unterschriften für das Bürgerbegehren. Fotos: Müller

„Ich würde mir wünschen, dass es in Bad Fallingbostel endlich ein Wir-Gefühl gibt“, sagt Helmut König. Er ist von vielen Einwohnern der Stadt angesprochen worden, die das Kurhaus unbedingt erhalten wollen. „Ich freue mich, dass wir bereits über 950 Unterschriften für das Haus gesammelt und damit die vorgeschriebene Zahl für ein Bürgerbegehren erreicht haben.“

VON KLAUS MÜLLER

Bad Fallingbostel – Der 79-Jährige ist in Frankfurt/Main geboren, aber er führt gemeinsam mit Hartmut Gräf, Otto Sauer und Reinhard Mestwerdt die Initiative „Bürger für Fallingbostel“ an. Und wenn er die Pläne der Stadt im Citybereich vor Augen hat, redet sich in Rage: „Wir brauchen keinen Lebensmittelvollsortimenter mitten in der Stadt. Das Kurhaus ist seit eh und je ein kulturelles Zentrum. Wir werden darum kämpfen.“

Ganz anders sieht das Bürgermeisterin Karin Thorey, Fallingbostel habe längst das Prädikat „Kneipp-Kurort“ abgegeben. Man habe auf ein anderes Konzept gesetzt, das die Innenstadt mehr beleben soll. Ein Anfang sei mit dem Ausbau der Vogteistraße gemacht worden und ein neuer Betrieb habe sich angesiedelt. Gemeinsam mit der Hanseatischen Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft (HBB) habe man für den Innenstadtbereich Ideen entwickelt, und der Rat habe zugestimmt.

„Dazu gehört der Abriss des Kurhauses und der anschließende Neubau eines Lebensmittelanbieters sowie die Einbindung des Sebastian-Kneipp-Platzes und des Leiditz-Projektes in eine sinnvolle Neugestaltung. Wir müssen einfach umdenken, wenn wir mehr Menschen in unserer Stadt haben wollen“, sagt Thorey. Sie hat aber auch mit der Bürgerinitiative geredet, als von dort die Frage nach einem Bürgerbegehren aufkam. „Wir haben beraten, werden aber die 950 Unterschriften, die bis 6. September bei uns eingereicht sein müssen, akribisch überprüfen.“

Die Sanierung des Kurhauses könnte über fünf Millionen Euro kosten, heißt es im Rathaus. Das Gebäude, das 1965 gebaut und dann in zwei Etappen erweitert wurde, sei in die Jahre gekommen. „Und darum wollen wir jetzt reagieren.“ Dabei sei ein Angebot des Investors HBB gerade recht gekommen. Es sieht vor, das Kurhaus abzureißen und ein Lebensmittelfachzentrum im größeren Umfang zu bauen.

„Wir haben hier eine Grünfläche von rund 5 000 Quadratmetern, die wir dafür hergeben müssten, aber wir besitzen in der Stadt rund 45 000 Quadratmeter Grünfläche, vor allem den nahen Kurpark.“ Und so könne man den Innenbereich mit neuen Läden und neuen Angeboten attraktiver gestalten. Dazu gehöre auch das Leiditz-Projekt, mit dem es überhaupt nicht voranzugehen scheint. „Hier könnten wir die Bücherei und die Tourist-Information, aber auch einen Versammlungsbereich integrieren.“ Und vielleicht könnte man auch über ein Gesundheitszentrum an diesem Ort nachdenken. Eine weitere Idee der Stadt ist, die Heidmark-Halle mehr ins städtische Leben einzubinden und sinnvoll aufzuteilen.

Helmut König hält dagegen: „Sicher könnten wir in diesem Innenstadtbereich einen kleineren Sortimenter ansiedeln. Ich weiß schon wo.“ Aber „sein“ Expertenteam erwartet längst nicht die Renovierungskosten, die die Fachleute der Stadt genannt haben. Da seien nur kleinere Arbeiten zu verrichten. Man sei sicher, bei einem möglichen Bürgerbegehren, das an einem Sonntag stattfinden würde, mehr als 1900 Wahlberechtigte auf seine Seite zu ziehen.

Karin Thorey warnt: „Dann darf zwei Jahre lang nichts an dem Kurhaus getan werden.“ Und man müsse andere Lösungen suchen. Die Bürgermeisterin machte allerdings deutlich, dass das Kurhaus nach Beschlusslage so lange nicht an einen Investor verkauft werden wird, wie für Bücherei, Tourist-Information und Musik-Pavillon kein neuer Standort gefunden worden ist. Sie unterstrich die Notwendigkeit, dass der Pavillon an anderer Stelle – „vielleicht im Kurpark“ – neu eröffnet werden könnte.

„Die Unterschriftenaktion läuft sehr gut“, sagt Helmut König. Der Rentner, der seit 20 Jahren in Bad Fallingbostel lebt, hat viele prominente Mitstreiter gefunden. Den Rechtsanwalt vor Ort beispielsweise, den Architekten, der einstmals das außergewöhnliche Gebäude entstehen ließ, ehemalige Ratsmitglieder und andere mehr. Auch in Dorfmark, wo sie vor dem Einkaufsmarkt kräftig Unterschriften gesammelt haben. „Manchmal kann ich Entscheidungen im Rat nicht nachvollziehen“, sagt der 79-Jährige. „Lasst uns doch lieber an mehr Touristik für die Stadt denken. Lasst uns die Stadt hier besser vermarkten.“ Er selbst hatte vor einigen Jahren mit anderen Fallingbostelern dafür gesorgt, dass die Megalith-Gräber in der Stadt wieder in Ordnung gebracht wurden. „Anpacken“ ist sein Ding.

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