Fotoausstellung: „Wir im Heidekreis – ankommen und bleiben“

„Das, was ich will, ist Freiheit“

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15 Protagonisten mit Migrationshintergrund aus dem gesamten Heidekreis wurden für diese Ausstellung porträtiert.

Bad Fallingbostel – Der Tag endete ruhig: Die Besucher aßen Börek, diese türkische Teigspeise mit Schafskäse oder Spinat, lauschten den Klängen der uralten arabischen Laute und dachten über die vielen Wortbeiträge von Menschen nach, die von den unterschiedlichsten Orten der Welt in den Heidekreis gekommen sind. Die Veranstaltung im Kreishaus stand unter dem Motto: „Wir im Heidekreis – ankommen und bleiben.“

Landrat Manfred Ostermann sprach vor mehr als 100 Besuchern in dem dichtgefüllten Mehrzweckraum des Heidekreises von einer „wundervollen“ Fotoausstellung, die jetzt durch den Landkreis wandern soll. Die Bilder zeigen Migranten, die in Bild und Wort erzählen, wie sie Deutschland, den Heidekreis, erleben, was sie sich wünschen und mit welchen Vorurteilen sie immer noch zu kämpfen haben.

Da ist die 65-jährige Lorraine aus England, die vor vielen Jahren auf dem Pfad der Liebe nach Deutschland kam, mit ihrem speziellen britischen Humor, und feststellte, dass auch ein Heidjer Spaß vertragen kann. Sie lebt heute in Schneverdingen und erlebt eine gute Zeit in Deutschland. Nun möchte sie die doppelte Staatsangehörigkeit beantragen, weil ihr „der Brexit so sehr gegen den Strich geht.“ Und prognostiziert: „Wir Engländer wollen ihn nicht, er wird nicht kommen.“ Sie sei Europäerin von ganzem Herzen und angekommen im Heidekreis.

Auch die Türkin Neriman ist dabei. Sie wohnte viele Jahre in Dorfmark und bedankte sich für die Gastfreundschaft der Einheimischen in diesem Dorf. Dann sei sie nach Soltau gegangen. „Dort habe ich mit vielen Vorurteilen kämpfen müssen. Ich bin Türkin geblieben, liebe mein Land“, sagt die 43-Jährige. Trotzdem sei Soltau, aber auch der Kreis, ihre Heimat geworden.

Der 24-jährige Alamin kam mit 17 Jahren aus Bangladesch nach Deutschland. Er sagt: „Das, was ich will, ist Freiheit.“ Er erzählt davon, dass er in seinem Land nie die Chance gehabt hätte, einen guten Beruf zu lernen und hier, im Heidekreis mit offenen Armen empfangen worden sei. Einen Betrieb fand, in dem er sehr gut aufgenommen wurde, seine Prüfung bestand und jetzt im Heidekreis bleiben möchte. Noch fehlt die nächste Aufenthaltsgenehmigung. „Aber ich bin guter Dinge“, sagte sein ebenfalls anwesender Chef. Die Moderatorin will wissen, was ihm am meisten fehlt. „Manchmal vermisse ich die Familie, aber ich bin hier angekommen.“ Justin Taylor erzählt über verschiedene Erlebnisse aufgrund seiner Hautfarbe, die er im Heidekreis hatte. „Und dabei bin ich in Ostenholz geboren.“

Die Ausstellung porträtiert insgesamt 15 Menschen, die Migrationshintergrund haben und sich sehr schnell bereitfanden, sich zu beteiligen. Die Stellwände erzählen Geschichten von Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Gründen nach Deutschland und in den Heidekreis gekommen sind.

Ein Arbeitsteam mit Wiebke Kultscher, Leiterin des Kulturzentrums „mittendrin“ in Walsrode, Dorothea Schwegler, Schul- und Sozialarbeiterin der Berufsbildenden Schulen, sowie Detlef Dwenger und Emma Jover-Garcia von der Koordinierungsstelle für Migration und Teilhabe des Heidekreises, hatten diese Idee gehabt und sie in vielen Begegnungen ausgearbeitet und das Projekt vollendet. Es soll zeigen, dass Integration im Heidekreis funktioniert. 15 Personen mit Migrationshintergrund wurden bewusst vier gleiche Fragen gestellt, damit sie über ihren Alltag und ihre Sicht der Dinge erzählen und die alltäglichen Debatten vor Ort schildern. Entstanden sind verschiedene Geschichten, die zeigen, wie falsch pauschale Zuschreibungen sein können und welche Gemeinsamkeiten oder Unterschiede tatsächlich in der Gesellschaft bestehen. Mit der Auswahl der Protagonisten sollte die Vielfalt der im Heidekreis lebenden Menschen gezeigt werden. Die Gesprächsrunde wurde von Antje Diller-Wolf moderiert. 

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