Versammlung des Waldbesitzerverbandes

Welche Baumarten haben eine Zukunft : Japanlärche und Winterlinde?

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Alle Redner mit dem Präsidenten Norbert Leben (4.v.r).

Trockenheit, Borkenkäfer, Waldbrände, Stürme und andere besondere Wetterereignisse haben den heimischen Wäldern stark zugesetzt. Deswegen traf die Veranstaltung des Waldbesitzerverbandes Niedersachsen „Waldsterben in der Heide – Welche Baumarten haben noch eine Zukunft?“ auf großes Interesse. Mehrere Hundert Waldbesitzer waren in die Heidmark-Halle gekommen, um sich bei Vorträgen von Forstfachleuten über die Perspektiven ihres Waldes zu informieren.

Bad Fallingbostel – Der Präsident des Verbandes, Norbert Leben, begrüßte seine Mitglieder mit dem Appell, die Fördermittel des Staates möglichst optimal einzusetzen, verbunden mit dem Wunsch, dass die Ökosystemleistung des Waldes in Zukunft von der Gesellschaft auch abgegolten werde. „Ein gesunder Wald ist Teil der Daseinsvorsorge für alle“, so Leben.

Im mehrstündigen fachlichen Input gab Bezirksförster Kai Hildebrandt einen erschreckenden Überblick über die Schadbilder im Forst. Riesige Flächen in Südniedersachsen mit Sturmschäden und etliche Kahlschläge in Fichtenschonungen mit Käferbefall in der Heide bestimmten die Bilder. Aber auch vertrocknete Buchen in Jahrhunderte alten Laubwäldern schockten die Besucher. Für die Kiefernwälder drohten die ersten Hiobsbotschaften, weil auf Kiefern spezialisierte Schädlinge gesichtet worden seien. Weiter schilderte Hildebrandt die Probleme bei den Wiederaufforstungen, weil zum Beispiel bei der Douglasie Ausfälle von bis zu 100 Prozent zu verzeichnen seien. Gegen den Wildfraß bei Jungbäumen helfe nur eine flächendeckende Umzäunung, weil der Wildbestand zu groß sei.

Edwin Schmidt von der Landwirtschaftskammer zeigte die Notwendigkeit auf, alle Waldgebiete mit einer Standortkartierung hinsichtlich der Kriterien Böden und Niederschlag zu untersuchen, um in den Waldentwicklungstypen (WET) die ideale Baumarteneignung und waldbauliche Steuerung zu ermitteln. Aktuell sei die Kammer dabei, dies im Bereich Soltau durchzuführen. Als Resultat bestimme die WET-Matrix die optimalen Baumarten für die Zukunft an jedem Standort. Die Klimaveränderungen würden berücksichtigt.

Diesen Zusammenhang erläuterte Ralf Nagel von der Forstwirtschaftlichen Versuchsanstalt Göttingen. Ab 2041 würden dem Wald im Durchschnitt zwei Monatsniederschlagsmengen fehlen, wodurch eher Baumarten, die Trockenstress besser abfedern können, präferiert werden sollten. Auch vermehrte Spätfröste müssten berücksichtigt werden. Die klimaangepasste Baumartenwahl mache Bäume wie die Küstentanne und die Japanlärche bei den Nadelbäumen sowie die Roteiche und die Winterlinde bei Laubbäumen zu neuen Favoriten für die norddeutsche Tiefebene.

Eine volle Heidmark-Halle in Bad Fallingbostel mit vielen Waldbesitzern aus ganz Niedersachsen.

Andreas Preuß von der Forstsaatgutberatungstelle Oerrel berichtete von möglichen Engpässen für Saatgut für die gängigen Baumarten. Bei neuen Arten wäre ein Vorlauf von zwei bis drei Jahren nötig.

Jacqueline Logmani-Aßmann von der Landwirtschaftskammer sprach von 50 Millionen Euro Kosten für die Wiederbewaldung wegen der Zwangsnutzung in den Jahren 2018 und 2019. „Es sind neue Zahlungsströme für die Schutz- und Erholungsfunktion nötig, da die Nutzfunktion im klassischen Sinne entfallen ist“, sagte sie. Die Kammer sei dabei, aus der Speicherfunktion des Waldes von klimaschädlichen Gasen CO2-Zertifikate ableiten zu können und diese für die Waldbesitzer zu veräußern.

Aus dem Landwirtschaftsministerium schilderte Ina Abel die geplanten Fördervolumen für den Wald in Niedersachsen. Für die 9 400 Hektar Privatwald sollen die Mittel durch das Land auf fünf Millionen Euro aufgestockt werden. Zur Schädlingsbekämpfung wiederaufgeforsteter Flächen könne das Budget noch auf zehn Millionen Euro steigen und der Forstgipfel der Bundesregierung könnte zusätzlich 28 Millionen Euro bringen. Weiter arbeite das Ministerium an Jagdkonzepten, um den teuren Zaunbau zu verhindern.

In der anschließenden Podiumsdiskussion fragte Karsten Sierk, Chef des Forstbetriebes vom Kloster Loccum, Ina Abel, wie sich die Wiederaufforstung in FFH-Gebieten verhalte. „Wer hilft uns bei der Auswahl der zukünfigen Baumarten in der Auseinandersetzung mit der Unteren Naturschutzbehörde?“, wollte er wissen. Die Fragestellung, ob im vertrockneten Buchenwald wieder Buchen gepflanzt werden sollen, sei dem Landwirtschaftsministerium bekannt. Es werde versucht, zusammen mit dem Umweltministerium eine Lösung zu erarbeiten.

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