Landgericht ordnet Unterbringung für 27-jährigen Dieb an

„Verrückt gespielt“ und in der Psychiatrie gelandet

Skulptur von Justizia vor blauem Himmel.
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Justizia.

Verden/BadFallingbostel – Er wollte nicht länger im Gefängnis bleiben müssen. Deshalb habe der 27 Jährige in der Untersuchungshaft eine psychische Erkrankung vorgetäuscht, gab er in einem Sicherungsverfahren am Landgericht Verden an. „Spiel verrückt, dann kommst du hier raus“, hätten ihm andere Inhaftierte geraten. Die 2. Große Strafkammer kam dann aber doch zu der Überzeugung, dass das Verhalten nicht gespielt war.

Der Mann sei wirklich krank und seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus wurde angeordnet.

Es ging um sechs Diebstähle

Der Fall zeigt, dass es zu der Einschätzung einer Gefährlichkeit für die Allgemeinheit nicht immer die ganz schwer wiegenden Taten braucht. In dem Verfahren ging es um sechs Diebstähle, verübt binnen vier Wochen im Dezember 2020/Januar 2021 in Bad Fallingbostel. Der Mann war geständig.

Die ersten fünf Taten, alles Ladendiebstähle, hat die Kammer im Urteil jeweils als gewerbsmäßigen Diebstahl in besonders schwerem Fall gewertet, davon einmal als Versuch. Mehrfach erlangte der Dieb, wenn auch nur kurzfristig, Waren im dreistelligen Wert. „Zumindest der mittleren Kriminalität“ seien die Taten zuzuordnen, hieß es in der mündlichen Urteilsbegründung.

Bei der sechsten Tat hatte sich der Beschuldigte abends in ein Seniorenheim geschlichen. Ein im Rollstuhl sitzender Bewohner hatte sich dem flüchtenden Dieb zweimal in den Weg gestellt. Der 27-Jährige sei dann über den 63-Jährigen hinweggeklettert und hatte ihm dabei „in der Art eines Würgegriffs an den Hals“ gegriffen, stellte der Vorsitzende Richter Dr. Andreas Ortmann fest.

Diese Tat hat das Gericht als räuberischen Diebstahl gewertet. „Ein Angriff auf einen Rollstuhlfahrer in einem Seniorenheim ist besonders geeignet, das Vertrauen der Bevölkerung in die Rechtsordnung zu erschüttern“, erklärte Ortmann.

Paranoide Schizophrenie diagnostiziert

Ein psychiatrischer Sachverständiger hatte bei dem Untersuchungshäftling eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert. Ihm gegenüber hatte der Beschuldigte von Halluzinationen berichtet. Schon in seiner algerischen Heimat sei er in stationärer Behandlung gewesen, nachdem er als 16-Jähriger mit ansehen musste, wie ein Freund erstochen wurde. Schon damals habe er täglich Alkohol konsumiert, berichtete er. Überprüfbar war das nicht.

Mit den Diebstählen habe der erst seit Ende November 2020 im Ankunftszentrum Oerbke untergebrachte Mann seinen Alkohol-, Medikamenten- und Drogenkonsum finanzieren wollen, stellten die Richter fest. Damit habe er die Symptome seiner Erkrankung eindämmen wollen. „Tatsächlich verstärkten sich die Symptome nur“, erklärte der Vorsitzende.

„Zu ihren Gunsten ist von einer Schuldunfähigkeit auszugehen. Sie können für die Taten nicht bestraft werden“, verdeutlichte er dem Beschuldigten dennoch. 1750 Euro, die der 27-Jährige in einem Schuh versteckt hatte, waren eingezogen worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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