Urteil wegen gefährlicher Körperverletzung

Sechsjährige Freiheitsstrafe

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Mediengruppe Kreiszeitung

Verden/Fallingbostel - Wegen gefährlicher Körperverletzung ist ein 33 Jahre alter Angeklagter aus Neuenkirchen am Dienstag von der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Verden zu einer sechsjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Der Mann hatte am Abend des 12. Mai versucht, seine Ex-Frau in Bad Fallingbostel zu töten. Das Gericht ließ jedoch einen strafbefreienden Rücktritt vom Versuch gelten. Angeordnet wurde mit dem Urteil die Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt.

Der Mann hatte abends bei seiner geschiedenen Frau geklingelt und sofort nachdem sie die Wohnungstür geöffnet hatte, begonnen, sie zu attackieren. Neben Hämatomen und Schürfwunden erlitt sie mindestens 15 Schnitt- und Stichverletzungen. Das keine Lebensgefahr eingetreten war, sei dem glücklichen Umstand zu verdanken gewesen, dass bei den Verletzungen am Hals keine hirnversorgenden Gefäße verletzt worden seien, betonte Staatsanwalt Joachim Beneke in seinem Plädoyer. „Gravierend sind die psychischen Folgen“, so der Jurist – für die vierfache Mutter und ihre Kinder. Leiblicher Vater von zwei Kindern ist der Angeklagte.

Der Angeklagte hatte in dem Prozess erstmalig eine Tötungsabsicht eingeräumt. Er habe geglaubt, dass die Kinder ein besseres Leben hätten, wenn sie nicht bei ihrer Mutter aufwachsen würden. Seiner Ansicht nach hatte die 30-Jährige ihm die Kinder zu unrecht vorenthalten. Seine Ex-Frau hatte dies vor Gericht damit erklärt, dass er sich bis unmittelbar vor der Tat in einer psychiatrischen Klinik befunden hatte.

Staatsanwalt und Nebenklagevertreter werteten das Tatgeschehen als fehlgeschlagenen Tötungsversuch. Bei diesem sei es nur deshalb geblieben, weil die Nachbarn beherzt eingegriffen hätten, argumentierte der Anwalt der Frau. „Ihnen haben wir es zu verdanken, dass wir hier nicht wegen einer vollendeten Tötung verhandeln müssen“, so Rechtsanwalt Daniel Zimmermann.

Beide Juristen beantragten eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags. Staatsanwalt Beneke beantragte sieben Jahre Haft und Zimmermann acht Jahre. Verteidiger Thomas Lasthaus teilte die Meinung der Kammer und hielt eine Freiheitsstrafe in Höhe von fünf Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung für angemessen.

Die Tatwaffe, ein Käsemesser, sei zwar während der Tat abgebrochen, aber das sei nicht der Grund, warum der Angeklagte seine Tat nicht weiter verfolgt habe, hieß es in der Urteilsverkündung.

Unterbringung in

einer Entziehungsanstalt

Ein Teil der Verletzungen stamme von dem Stechen mit dem abgebrochenen Messer. „Und auch beim strafbefreienden Rücktritt vom Versuch gilt der Grundsatz ‚In dubio pro reo‘“, betonte der Vorsitzende Richter Volker Stronczyk in der Urteilsverkündung.

Der Angeklagte war zwar mit 1,71 Promille alkoholisiert, aber voll schuldfähig. Positiv fiel sein Geständnis ins Gewicht. Strafverschärfend, dass er unter laufender Bewährung stand und die Folgen für das Opfer.

Einig waren sich Gericht, Staatsanwalt und Verteidiger hinsichtlich der Unterbringung des 33-Jährigen in einer Entziehungsanstalt. In diese soll der seit Mai in Untersuchungshaft sitzende Angeklagte nach neun Monaten Haftzeit wechseln.

wb

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