Vorwurf der sexuellen Nötigung

Zu Unrecht beschuldigt ?

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Bad Fallingbostel/Verden - Hat ein 32 Jahre alter Angeklagter aus Bad Fallingbostel im Oktober 2015 eine 52 Jahre alte Frau sexuell genötigt oder wird er zu unrecht von der Frau beschuldigt?

Der Mann muss sich derzeit in einem Berufungsverfahren am Landgericht Verden verantworten. Dort sagte er aus, dass die Frau heimlich als „Heilerin“ in einer Fallingbosteler Kurklink tätig gewesen sei. Darüber habe er die Kurklinik informieren wollen, doch dann sei er angezeigt worden.

Vorgeworfen wird dem verheirateten Angeklagten, am 13. Oktober 2015 die Frau unter einem Vorwand in seine Wohnung gelockt zu haben. Als sie gehen wollte, soll er sie auf dem Wohnungsflur sexuell genötigt haben. Das Schöffengericht des Amtsgerichts Walsrode hat den Mann in erster Instanz freigesprochen. Staatsanwaltschaft und die als Nebenklägerin am Verfahren beteiligte Frau haben Berufung eingelegt.

Der Mann bestreitet die Tat. Er sei damals als Küchenhelfer in der Reha-Klinik auf einer Etage für internationale Patienten tätig gewesen. Eines Tages sei er von einem Patienten gebeten worden, ein Gespräch mit einer Mitarbeiterin der Klinik und der 52-Jährigen zu übersetzen. Dabei habe er erfahren, dass die Frau als Heilerin arbeitet.

Frau heimlich als „Heilerin“ in Klinik tätig

Es sei in dem Gespräch um einen unerfüllten Kinderwunsch des arabischen Ehepaares gegangen. „Diese Leute hatten so eine große Hoffnung. Sie kann sehr gut erzählen. Sie hat gesehen, dass sie drei Kinder kriegen“, berichtet der Angeklagte. „Sie hat irgendein Wasser geholt. Davon sollten sie trinken, dann würden sie Kinder kriegen.“ Mehrere Patienten habe die 52-Jährige in der Klinik „behandelt“.

Der Angeklagte hatte Zweifel. „Ich habe ihr gesagt, sie dürfe keine Menschen betrügen. Ich dachte, ich könnte sie stoppen. Das war mein Fehler“, erklärte er. Kurz darauf sei er von der Polizei mit dem Vorwurf der sexuellen Nötigung konfrontiert worden.

Die Nebenklägerin wiederholte ihre Vorwürfe im Prozess. Der Angeklagte habe sie in seine Wohnung gebeten, weil er einen Telefontermin mit einem Patienten vereinbart habe. Stattdessen sei es zu der Tat gekommen.

Die 52-Jährige gab als Beruf „Heilerin“ an. Sie machte keinen Hehl daraus, dass sie ohne Kenntnis der Ärzte in der Kurklinik tätig war. Eine Mitarbeiterin habe den Kontakt hergestellt, weil sie einem Patienten mit einem Tumor im Kopf durch Handauflegen helfen sollte. Die Mutter des jungen Mannes sei begeistert gewesen. „Sie hat mich auf der Etage weiterempfohlen“, sagt die Frau.

Prozess wird Donnerstag fortgesetzt

„Ich bin da einfach hingegangen. Das war für mich ein Hausbesuch“, erklärte sie auf kritische Nachfragen des Gerichts. Sie habe nichts zu verbergen, sondern vielmehr Interesse daran gehabt, dass die Ärzte von ihren Tätigkeiten, wie bioenergetische Massagen und Handauflegen, erfahren, behauptete die zur Wahrheit verpflichtete Zeugin. Aber die Patienten hätten dies nicht gewollt, was sie mit „mangelndem Vertrauen der Patienten in die Ärzte“ erklärte. Der Vorsitzende Richter Joachim Lotz äußerte Zweifel: „Dann würden die Patienten nicht von Saudi-Arabien nach Fallingbostel in die Klinik fliegen.“

Der Angeklagte hätte ohne Problem die Klinik informieren können, behauptete die „Heilerin“. „Was hätte ich zu verlieren gehabt?“ „Nichts“, erwiderte der Vorsitzende. „Sie hätten etwas bekommen: Hausverbot.“

Der Prozess wird Donnerstag fortgesetzt.  wb

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