Ausschuss für Bau, Natur, Umwelt und Landwirtschaft

„Umfassender Schutz nötig“

Bad Fallingbostel - „Die Leute haben Panik“, sagte Otto Fröhlich in der Einwohnerfragestunde des Ausschusses für Bau, Natur, Umwelt und Landwirtschaft des Heidekreises. Es gehe nicht an, dass eine riesige Fläche im Aller-Leine-Tal (ALT) unter Naturschutz gestellt werde.

Markus Heine von der Unteren Naturschutzbehörde des Heidekreises ging während der Sitzung auf das Schutzgebietsausweisungsverfahren ein. Er erklärte, dass bis 2018 7. 200 Hektar an Aller und Leine nicht nur geschützt, sondern auch weiterentwickelt werden müssten. In ersten Gesprächen sei die geplante Vorgehensweise vorgestellt worden. Auf einer öffentlichen Informationsveranstaltung Anfang November seien sechs Arbeitskreise gegründet worden.

Es gehe darum, bestehende FFH- und Vogelschutzgebiete rechtlich abzusichern und als Landschafts- und Naturschutzgebiete auszuweisen. Heine erläuterte, dass es je nach zu schützender Art unterschiedliche Lebensraumtypen gebe. Diese gelte es zu berücksichtigen. Es stelle sich die Frage: „Was möchten wir wo erreichen?“ Ziel sei letztlich ein Netz geschützter Gebiete. Es sei nicht möglich, bestehende FFH-Gebiete zu behalten, da die EU von den Ländern fordere, eigene Gesetze und Vorgaben anzuwenden. Und das seien die Landschafts- und Naturschutzgebiete.

Zahlreiche schützenswerte Tierarten

Der Grüne Dietrich Wiedemann betonte, dass es nötig sei, den Schutz zu installieren. Allerdings dürfe man bei abgestimmten Maßnahmen nicht von totalem Naturschutz reden, sagte er.

Heine erläuterte, dass im Nordkreis ein Naturschutzgebiet im Einvernehmen mit Landwirtschafts- und Tourismusvertretern eingerichtet worden sei. Das funktioniere.

Im Aller-Leine-Tal gebe es ungefähr zwölf verschiedene Raumtypen und zahlreiche schützenswerte Tierarten. Kompliziert werde es durch deren Überlagerung. „Wir werden einen umfassenden Schutz brauchen.“

Henrik Rump, CDU, sagte, dass die Menschen, die dort wirtschafteten und lebten genauso wichtig seien wie der Schutz. Heine erklärte, dass deshalb Vertreter verschiedenster Interessengruppen in den Arbeitskreisen aktiv seien. Olaf Suhk forderte, das Schützenswerte eines Gebietes entsprechend auszuweisen. Nur so sei es möglich, Verständnis zu erzielen.

Der Ausschuss beschäftigte sich außerdem mit der Beprobung von alten Bohr- und Ölschlammgruben im Bereich Suderbruch.

„Diese Untersuchungen sollen klären, ob und inwieweit von dem jeweiligen Standort eine Gefährdung hinsichtlich der Wirkungspfade Boden-Mensch, Boden-Nutzpflanze und Boden-Grundwasser ausgeht“, heißt es in der Informationsvorlage der Verwaltung. Es sei unter Nutzung eines Förderprogrammes begonnen worden, zunächst drei Maßnahmen an zwei Standorten in der Gemeinde Gilten durchzuführen.

Verwaltungsmitarbeiter Christian Blau erklärte, dass ungefähr in den 1850er-Jahren mit der Erdölförderung begonnen worden sei. Die entstandenen Schlämme seien in Gruben eingelagert worden und könnten Schadstoffe enthalten. Eine Grundwasser-Gefährdung sei denkbar. Im Heidekreis gebe es 71 Bohrschlammgruben. Es solle nun untersucht werden, ob davon eine Gefahr ausgehe. In einem ersten Schritt recherchiere das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG). Danach müsse ein möglicher Verdacht bestätigt und ausgeräumt beziehungsweise eine Gefahr beseitigt werden.

Die Laboruntersuchungen für die zwei ersten Gruben seien noch nicht abgeschlossen. „Bisher gibt es keinen Hinweis auf schadstoffbelastetes Material.“ Nächstes Jahr seien Untersuchungen an zehn weiteren Standorten geplant.

Erster Kreisrat Oliver Schulze sagte, dass es sich um eine neue Aufgabe für den Landkreis handele. Die Planungen für 2017 ständen unter dem Vorbehalt, dass es eine Stellenverstärkung gebe. 

sal

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