Ein syrischer Flüchtling im Camp Fallingbostel-Ost erzählt von seiner Flucht

1100 Euro für die Überfahrt

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Mr. Haidar (verdeckt) im Gespräch mit DRK-Geschäftsführer Reiner Heming und DRK-Camp-Leiter Dennis Protz.

Bad Fallingbostel - Er möchte schnell die deutsche Sprache lernen und hier arbeiten, um seinem Aufnahmeland etwas zurückgeben zu können. Ein syrischer Flüchtling, der aus Sicherheitsgründen unerkannt bleiben und Mr. Haidar genannt werden möchte, äußert sich zu seinen Beweggründen, nach Deutschland zu flüchten.

Haidar lebt zurzeit ohne seine Familie im Flüchtlingscamp Fallingbostel-Ost. Die Überfahrt in einem Schlepper-Schlauchboot von der Türkei zur griechischen Insel Samos hat er unbeschadet überstanden. Von Toten habe er nur indirekt erfahren, sagt er. 1100 Euro habe er bezahlen müssen, so Haidar im Beisein von DRK-Geschäftsführer Reiner Heming und DRK-Campleiter Dennis Protz. Schlepper auf der Balkan-Route hätten ihn weitere 2000 Euro gekostet.

Aber warum flieht ein gebildeter Syrer, der in seinem Heimatland als Zivil-Ingenieur für den Staat gearbeitet hat? Haidar schildert in englischer Sprache, dass er mit der Regierung Assads nicht einverstanden sei. Er erinnert an Fassbomben der Regierungstruppen auf Oppositionelle. Zum Schluss sei der innersyrische Krieg in seinem Vorort von Damaskus immer näher gerückt und es sei lebensgefährlich für ihn und seine Familie geworden.

Deshalb habe er sich in Absprache mit seiner Familie allein auf den Weg nach Deutschland gemacht. Ein Bruder von ihm sei bereits hier, so Haidar. Er benutzt diesen Namen, weil er als ehemaliger Angehöriger der syrischen Bauverwaltung um seine Familie, seine Frau und seine drei Kinder fürchtet. Er denke oft an seine Angehörigen. Kontakt hält er über sein Smartphone und das Internet.

Zu den Gründen, warum er trotz der Gefahr für seine Familie alleine geflüchtet ist, sagt Haidar, dass das für viele syrische, oft sehr junge Männer zutreffe. Für die Familien sei der Weg übers „todbringende“ Mittelmeer zu gefährlich. Er und andere Flüchtlinge setzen auf den Anspruch des Familiennachzugs. Haidar möchte, wenn er das Aufnahmeverfahren durchlaufen hat und als Flüchtling mit Bleiberecht in Deutschland anerkannt ist, seine Familie nachholen. Dafür fasst er einen sichereren Weg ins Auge, eventuell mit dem Flugzeug über den Libanon oder Jordanien. Er suche bereits den kostengünstigsten Weg, so Haidar.

Zur Familie gehören für den Syrer nicht nur seine Frau und die drei Kinder, sondern auch seine Eltern, ein kranker Bruder, seine Schwestern und noch weitere Personen. Hört Haidar, dass sich hierzulande der Familienbegriff wohl zuallererst auf Ehefrau und Kinder beziehe, kommt er ins Grübeln. Wenn er seine Familie in Deutschland nicht zusammenbringen könne, müsse er möglicherweise darüber nachdenken, trotz der Gefahren wieder in seine Heimat zurückzukehren.

Dass Deutschland nicht alle Flüchtlinge dieser Welt und auch nicht alle aus Syrien aufnehmen könne, will der historisch informiert Syrer nicht gelten lassen. Er erinnert daran, dass Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg 14 Millionen Flüchtlinge aus dem deutschen Osten aufgenommen habe. Er mahnt eine zügigere Bearbeitung der Asylanträge an. Er und andere Flüchtlingen wünschten sich rasch Klarheit über ihren Status. Für den Familiennachzug hat Haidar klare Vorstellungen: zuerst die Eltern und der kranke Bruder und zum Schluss Frau und Kinder.

hf

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