Besonderes Projekt in Riepe

Statt Blumen: Landwirtin bietet Gemüse zum Selberernten

Landwirtin Eva Meyerhoff bei der Arbeit: Auf rund einem Hektar Heideboden lädt sie zum Selbsternten von Gemüse ein, das nahe des Oesenhofes in Riepe wächst.
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Landwirtin Eva Meyerhoff bei der Arbeit: Auf rund einem Hektar Heideboden lädt sie zum Selbsternten von Gemüse ein, das nahe des Oesenhofes in Riepe wächst.

Riepe – Eva Meyerhoff schwingt sich auf das Fahrrad und saust über das Kopfsteinpflaster des mehr als 350 Jahre alten Oesenhofes am Rande von Riepe, einem Ortsteil von Bad Fallingbostel. Ziel der Fahrt ist der „Acker“, wie sie das Gelände gleich neben dem kleinen Wäldchen und dem staubigen Weg nennt. Hier baut die Bäuerin seit zwei Jahren sehr erfolgreich auf dem sogenannten Selbsternte-Acker Gemüse der verschiedensten Art an.

Das „Gemüse zum Selbsternten“ funktioniert wie die Blumenfelder, bei denen man sich Sträuße schneiden darf.

Die Idee, dass nicht nur Blumen, sondern Salate, Kohlrabi, Mangold, Rote Beete, Spitzkohl und viel mehr direkt vom Feld geerntet werden darf, lockt nun schon seit Ende Mai immer mehr Menschen nach Riepe. Sie kommen mit dem Fahrrad oder fahren mit dem Auto an, ernten und sind glücklich darüber, so frisches, regionales Gemüse mitnehmen zu können.

Oesenhof ist ein typischer Familienbetrieb mit drei Generationen

„Gesünder geht es nicht“, sagt die 47-jährige Landfrau aus dem Schwabenländle, die ihren Ehemann aus Riepe bei ihrer ersten Arbeitsstelle, dem Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen, kennengelernt hat. Dort arbeitet sie immer noch auf einer Teilstelle in der Biodiversitätsberatung. Auf dem Hof ist Eva Meyerhoff vor allem für das Gemüse zuständig. Die Landwirtschaft mit feldmäßigem Hokkaido-, Kartoffel- und Getreideanbau macht ihr Mann Jan gemeinsam mit Schwiegervater Herbert. Der Oesenhof ist ein typischer Familienbetrieb mit drei Generationen. Eine kleine Mutterkuhherde und wenige Schweine sowie Ferienhaus und -wohnung runden das vielfältige Bild ab. Die viele Arbeit lässt sich nur gemeinsam bewältigen. Zu den Hochzeiten sind immer auch Ernte-, Jäte- und Pflanzhelfer mit an Bord.

Zurzeit können Mangold, Kohlrabi, Salate, Kräuter, Rote und Gelbe Beete, Zucchini und noch vieles mehr geerntet werden. Der Brokkoli ist im Moment perfekt, wird aber bald anfangen zu blühen. Einige Kohlarten wie Rotkohl und Weißkohl oder auch Steckrüben müssen noch wachsen.

Das Gemüse steht so gut da, weil die Felder in einer Fruchtfolge mit Kleegras, Getreide und Hackfrüchten bewirtschaftet werden und die Versorgung mit Stickstoff über Leguminosen wie Erbsen oder Rindermist geschieht. Der Hof wird ökologisch bewirtschaftet, das bedeutet, dass auf dem Selbsternteacker sehr viel Handarbeit anfällt. Der Einsatz von Roll- oder Handhacke und das Jäten mit Hand stehen an der Tagesordnung. Anders werde man das „liebe Unkraut“ nicht los, so Eva Meyerhoff. Es sei eine aufwendige, aber eine schöne Arbeit, draußen bei Sonne, Wind und auch mal Regen. Natürlich schießen auch einige Salate, oder der Spitzkohl platzt auf. Das ist aber nicht so schlimm, über Erntereste freuen sich die Schweine.

„Zu uns kann man immer kommen, egal zu welcher Uhrzeit“

„Unser Regal ist nicht immer voll, aber zu uns kann man immer kommen, egal zu welcher Uhrzeit. Der Vorteil eines Supermarktes ist bestimmt, dass die Ware immer verfügbar ist, dies ist bei uns natürlich nicht so. Das Gemüse ist saisonal und irgendwann auch abgeerntet“, so Meyerhoff

Neben dem Konzept des „Selbsternteackers“, auf dem jeder ernten darf, gibt es eine weitere Idee, die seit sieben Jahren auf dem Oesenhof umgesetzt wird: das „Kultgemüse“. Hier werden Flächen für eine Saison verpachtet. Dieses Jahr sind es 60 Parzellen. Rund 220 Erwachsene und Kindern bewirtschaften dort ihre eigenes kleines Stück Land. Für das „Kultgemüse“ muss man sich immer zu Beginn eines Jahres anmelden. Die Saison geht dann von Mitte Mai bis Ende Oktober. Jeder ist hier für die Pflege selbst zuständig.

„Als landwirtschaftlicher Betrieb haben wir uns überlegt, wie man ein Einkommen generiert“, begründet die Bäuerin den Schritt in diese neue Zukunft. „Wir wollen aber auch die Menschen auf den Acker zurückholen und die Verbindung zur Natur herstellen. Für uns ist es wichtig zu zeigen, wie es wächst und wo es wächst, auch wenn es natürlich stark regional und zeitbegrenzt ist“, betont die Landwirtin. „Es ist viel Arbeit für die ganze Familie, mit der Hand und mit dem Kopf. Aber wir kommen dadurch mit vielen Menschen ins Gespräch. Wir sehen uns in der Wertschätzung für die Landwirtschaft auf jeden Fall bestätigt.“

Von Klaus Müller

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