Heidekreis stellt Haushalt 2022 vor

Landrat Grote in selbstauferlegter Corona-Quarantäne

Zwei Leute vor Grafik.
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Einer fehlte: Lars Wagner und Cornelia Reithmeier stellten ohne Landrat Grote den Haushalt vor.

Im Heidekreis fehlte der neue Landrat Grote bei der Vorstellung des Haushalts 2022 corona-bedingt.

Bad Fallingbostel – Einer fehlte. Als der Heidekreis gestern seinen Haushalt 2022 mit einer schwarzen Null, aber einem in den kommenden Jahren rasant wachsenden Schuldenberg vorstellte, da waren eigentlich die neuen Schwerpunkte erwartet worden. Würde Landrat Jens Grote Kurskorrekturen vornehmen? Die Interessierten werden sich bis zum Kreistag am Freitag gedulden müssen, vielleicht auch noch länger.

Grote blieb der Präsentation coronabedingt fern. In seinem familiären Umfeld sei eine Neuinfektion aufgetreten, sagte Pressesprecherin Cornelia Reithmeier, der Landrat habe daraufhin einen ersten Schnelltest durchgeführt, der allerdings negativ ausgefallen sei. Vorsichtshalber habe er sich jedoch ins Homeoffice begeben.

Auch ohne ihn fiel das Zahlenwerk einigermaßen unerwartet aus, ein Werk, das erst gestern morgen noch einmal aktualisiert wurde, wie Kreiskämmerer Lars Wagner berichtete. Die SPD hatte auf den letzten Drücker noch 100 000 Euro für den Klimaschutz und die Energiewende untergebracht. Bevor die Mittel jedoch tatsächlich fließen, sei im nächsten Jahr ein gesonderter Beschluss des Kreisausschusses von Nöten.

Die gute Nachricht stellte Wagner an den Anfang. Anders als erwartet, schließt der Heidekreis das Jahr 2021 mit einer schwarzen Null ab, womöglich sogar einem kleinen Plus. Gerechnet hatte man vor einem Jahr mit einem Minus von mehr als drei Millionen Euro. Die Ursache für das Umschlagen der Diagramm-Kurve führt allerdings nicht zu Freudenausbrüchen. „Sie liegen in den besonderen Umständen auch des zweiten Corona-Jahres“, sagte Wagner, „unter anderem wurden im Bereich Familie und Soziales wichtige Hilfsangebote nicht abgerufen.“ Die Folge womöglich: Künftig falle die Hilfe teurer aus und belaste die Kreiskasse zusätzlich.

Während sich die Kreisfinanzen moderat entwickeln, streben die Schulden aufgrund hoher Investitionen immer neuen Höhen entgegen. Die Jahresetats befinden sich nach Angaben der Finanz-Jongleure von der Bad Fallingbosteler Vogteistraße überwiegend im grünen Bereich. Auch 2022 werde eine schwarze Null erwartet, vielleicht sogar ein kleines Plus. Anschließend komme es zu einem Minus, während die Vorzeichen für 2024 und 2025 wieder auf ein Plus hindeuteten. Die angesammelte Rücklage aus den Überschüssen der vergangenen Jahre von bis zu 40 Millionen Euro erlaube einen gelassenen Umgang mit den einzelnen Jahresergebnissen.

Anders der Schuldenberg. Schon jetzt liege der Heidekreis mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von mehr als tausend Euro auf Platz zwei unter den Landkreisen des ehemaligen Bezirks Lüneburg, der Durchschnitt wird mit 471 Euro beziffert, künftig rollt aber eine ganz andere Welle auf den Raum zwischen Bispingen und Schwarmstedt zu. Kommt alles, wie es sich jetzt abzeichnet, dann schleppt der Heidekreis schon in vier Jahren einen Schuldenberg von rund 280 Millionen Euro vor sich her. Eine Verdoppelung innerhalb von fünf Jahren.

Allerdings eine Rechnung mit noch vielen Unbekannten. Schlagen tatsächlich fast 200 Millionen Euro an Investitionen in den Jahren von 2022 bis 2025 zu Buche? Diese Frage müsse erstmal geklärt werden. Ob die 21 Millionen für die KGS Schneverdingen, die sechs Millionen für die KGS Schwarmstedt, die 19 Millionen in die allgemeinen Schulbauten – der Bildungssektor wird einen mächtigen Anteil der Investitionen einnehmen. Das immerhin steht fest. Unklar hingegen noch, wie das neue Heidekreis-Klinikum auf die Bad Fallingbosteler Kasse durchschlägt. Einen Bedarf von beeindruckenden 37 Millionen Euro hat die Planungsgruppe allein für den Zeitrum von 2021 bis 2025 ermittelt. Wieviel davon wirklich am Heidekreis hängen bleibt, darauf erwarten die Verantwortlichen erste Antworten frühestens im kommenden Jahr. Für die vergangenen Jahre wurden Kosten laut Wagner im einstelligen Millionenbereich fällig. Ähnlich hoch auch die Ausgaben für den Straßenbau.

Angesichts des Schuldenbergs tauchte sie natürlich auf, die Frage nach der Kreisumlage. Zumindest im kommenden Jahr werden die Kommunen mit 49 Prozentpunkten belastet, so das Ergebnis der politischen Abstimmungen, andere Umlagen von Nachbarkreisen liegen höher, allerdings zeichnet sich auch für die Zukunft eher keine Anpassung nach oben an. Kreiskämmerer Wagner: „Für die Städte und Gemeinden steht der Ganztagsbetrieb in den Schulen vor der Tür, es müssen die Feuerwehren auf aktuellem Stand gehalten werden, beispielsweise mit den neuen Schwarz-Weiß-Bereichen, es fallen also auch hier hohe Kosten an.“

Abgefedert durch die Überschussrücklage (schwarze Linie): die erwarteten Haushaltsergebnisse bis 2025 (blaue Linie).
Steil ansteigend: Der Schuldenberg. Grafiken: Heidekreis

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