DRK sammelt gute Erfahrungen bei der Einbindung von Flüchtlingen

Schulunterricht im Camp Ost

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Wasim Alabdo unterrichtet Mathematik für die Jüngsten im Kinderhaus im Camp Ost.

Bad Fallingbostel - Hier sei nicht Köln, beschrieb kürzlich Heidekreis-Polizeichef Stefan Sengel die Sicherheitslage rund um die beiden Flüchtlingscamps am Rande der Kreisstadt. Und DRK-Geschäftsführer Reiner Heming und sein Leitungsteam im Camp Ost machen immer wieder gute Erfahrungen mit den Menschen aus verschiedenen Nationen. Gerade zögen wieder syrische Flüchtlinge positive Aufmerksamkeit auf sich. Ein syrischer Lehrer im Kinderhaus im Camp Ost gibt den unter zwölfjährigen, arabisch sprechenden Kindern Schulunterricht.

Das DRK-Team hat ein neues Lernprojekt im Kinderhaus aus der Taufe gehoben. Zusammen mit den professionellen Kinderbetreuerinnen Josefine Greta Purwins und Imken Mehmens wurde überlegt, wie es möglich ist, die zahlreichen Kinder nicht nur zu beschäftigen, sondern sie auch schulisch weiterzubilden. Das Ziel war es, neben der Vermittlung von Wissen dem Alltag eine verbindlichere Struktur zu geben.

Dennis Protz, leitender Mitarbeiter des DRK-Teams für die Ehrenamtlichen, sieht das Kinderhaus auf dem richtigen Weg. Man habe durch einen Aufruf mehrere arabisch sprechende Flüchtlingen im Camp gefunden, die helfen können, täglich einige kleine Unterrichtseinheiten, wie zum Beispiel im Fach Mathematik, zu geben.

Für den Deutschunterricht für die Jüngsten im Camp fand sich der Pensionär Wolfgang Langer, der jeden Tag vormittags und nachmittags je eine Stunde Deutsch erteilt. Mit den jungen, wissbegierigen Kindern arbeitet Langer unter anderem mit Bildmotiven als praktische Sprachhilfen. „Die Kinder sind sehr engagiert und lernen sehr schnell die Begriffe“, so Langer, dem seine Arbeit sichtlich Freude bereitet. Und den Kindern merkt man auch Freude und Zutrauen an. Bei einem Foto knuddelten sie spontan ihren Lehrmeister.

Der Syrer Wasim Alabdo unterrichtet Jungen und Mädchen in Mathematik. Beim Besuch fällt sofort auf, dass sich die Mädchen besonders interessieren und am Unterricht beteiligen, jedenfalls mehr als die Jungen. Alabdo war in Syrien sieben Jahre lang Lehrer. Er habe dort zuletzt beim World-Food-Programm gearbeitet, berichteter.

Alabdo sieht in seinem Engagement für die vor allem syrischen Kinder einen wichtigen Beitrag, ihnen auf ihrem weiteren Weg in Deutschland zu helfen. „Deutschland und seine Menschen sind so gut zu uns, da möchte ich dem DRK helfen. Außerdem macht es Spaß, im alten Beruf zu arbeiten.“ Gerade nach den Vorfällen in Köln müssten die Syrer zeigen, dass sie solches Verhalten verurteilten und für die Gastfreundschaft dankbar seien.

Heming und Protz bestätigen das positive Bild der Syrer im Camp. Alabdo sei eine große Hilfe. Sie könnten den Lehrer gut gebrauchen, aber sie befürchten, dass der Lehrer nach seiner Registrierung durch das Bamf in Kürze einer Kommune im Land zugewiesen wird. Heming und Protz hoffen, dass Gespräche mit Beteiligten und Behörden doch noch zu einer Ausnahme führen und Alabdos Mithilfe im Camp erhalten bleiben kann. Der Lehrer, dem sein sinnvolles Engagement gut gefällt, würde seine Arbeit in Bad Fallingbostel gerne fortsetzen. Sie gebe nicht nur ihm, sondern auch den Kindern ein Fünkchen Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Etwa 15 Personen haben sich aus der Schar der Flüchtlinge als Lehrkräfte gemeldet. Unterrichtet werden in Gruppen immer zehn bis zwölf Kinder in arabischer Sprache. Gesucht werden noch Lehrkräfte, die Farsi sprechen, für die zahlreichen Kinder afghanischer Abstammung. Protz zeigt sich hier zuversichtlich.

hf

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