Positive Resonanz auf niedersächsischen Algenstammtisch in Dorfmark

Reinigung von Oberflächenwasser

Foto vom Praxisteil des Stammtisches auf der Anlage der Agrarenergie Obernhausen in Mengebostel mit dem mobilen Photobioreaktor im Hintergrund. Foto: 3N

Mengebostel – Auf der Biogasanlage der Agrarenergie Obernhausen in Mengebostel stellte Betreiber Hennig Wrigge im Rahmen des neunten Niedersächsischen Algenstammtisches nicht nur die Anlage vor, sondern schilderte eindrucksvoll das drängende Problem, das über 9 500 Biogasbetriebe in Deutschland immer stärker beschäftigt: die Lagerung und Ausbringung des zu sammelnden Regenwassers von Siloflächen und Fahrwegen. Dieses Oberflächenwasser benötigt viel Lagerraum, denn es enthält zu viele Nährstoffe, als dass es in Gräben eingeleitet werden darf. Diese Problematik wurde von den rund 40 anwesenden Biogasanlagenbetreibern, Wissenschaftlern, Fachfirmen und Behörden lebhaft diskutiert.

Sascha Hermus, Projektkoordinator beim 3N Kompetenzzentrum des Niedersachsen Netzwerks Nachwachsende Rohstoffe und Bioökonomie (3N), eröffnete den Praxisteil mit der Vorstellung des Photobioreaktors der Firma LGem, der ein Fassungsvermögen von 800 Litern Wasser hat und mit der Blaualge Spirulina besetzt wurde. Untersucht wurde, bis zu welchem Grad das anfallende Oberflächenwasser durch die gleichzeitige Produktion von Biomasse aufgereinigt wird. Dieser und ein zweiter mobiler Photobioreaktor der Firma Limnosystem waren zuvor bereits über zwei Monate in unterschiedlichen Versuchsreihen in der Region im Einsatz, heißt es in der Pressemitteilung von 3N.

Der Verein begleitet die Versuche ebenso wie die Universtät Kiel, deren wissenschaftliche Projektleiter ebenfalls vor Ort über die ersten vielversprechenden Ergebnisse informierten. Ein speziell auf Sedimentation selektierter Mikroalgenmix, der das Trennen der Biomasse vom gereinigten Wasser erheblich erleichtert, wurde erstmals unter Praxisbedingungen mit Fischzuchtabwässern als Nährstoffquelle getestet. Das Interreg NSR-Projekt BioCas, bei dem der Heidekreis und 3N Projektpartner sind, ermöglicht die Versuche auf verschiedenen Praxisbetrieben.

„Noch stehen wir ganz am Anfang. Die Algenproduktion mit Umweltleistungen zu verbinden, könnte auch ökonomisch für Betreiber von Biogasanlagen zu einer interessanten Option werden“, so Prof. Rüdiger Schulz von der Uni Kiel, der Verwertungsmöglichkeiten für die Algenbiomasse in der Kosmetik oder im Tierfutterbereich sieht. Im Anschluss an die Besichtigung hatten die Teilnehmer Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen.

Hintergrund: Die Nitratbelastung von Gewässern und Grundwasser hat in den vergangenen Jahren immer mehr Aufmerksamkeit bekommen. Die EU-Kommission hat mit Sanktionen in Millionenhöhe gedroht, wenn nicht bis Ende September ein Entwurf einer weiteren Verschärfung des Düngerechts vorgelegt werden kann. Auf dem Prüfstand stehen sämtliche Einträge von Nährstoffen in Gewässer und Grundwasser.

Infos gibt es im 3N-Büro Heidekreis, Telefon 05162/8850-474 oder E-Mail heidekreis@3-n.info und hermus@3-n.info.

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