Prozess um zwei Tankstellenüberfälle

Forderung: Acht Jahre Gefängnis

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Mediengruppe Kreiszeitung

Fallingbostel/Verden - Acht Jahre will die Staatsanwaltschaft Verden einen 27 Jahre alten Angeklagten ins Gefängnis schicken, der im März 2014 zwei Tankstellen in Hambühren (Kreis Celle) und Bad Fallingbostel (Heidekreis) überfallen haben soll. Zusammen mit seiner damaligen Freundin habe er sich der räuberischen Erpressung in zwei Fällen schuldig gemacht. Bei der 21-Jährigen hält der Staatsanwalt eine 22-monatige Bewährungsstrafe für angemessen.

Die Frau habe zwar „nur“ im Auto gewartet, doch gemeinsam hätte das Paar die Tatorte ausgewählt. „Als Mittäter muss man nicht mit lautem Juchhe mitmachen“, betonte Staatsanwalt Holger Schmelzeisen in seinem Plädoyer. Mit dem erbeuteten Geld habe das aus Nordrhein-Westfalen stammende Paar seinen Lebensunterhalt bestreiten wollen, nachdem der 27-Jährige während eines Freigangs nicht in den Strafvollzug zurückgekehrt war.

„Das Ganze war sowas von irrsinnig“

Das Paar soll auf der Flucht quer durch Deutschland acht Tankstellenüberfälle begangen haben. Das Landgericht Koblenz hat beide Angeklagte wegen der dort begangenen Taten bereits zu Haftstrafen verurteilt. Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig.

„Es gibt Fälle mit mehr Beute und mehr Brutalität“, so Schmelzeisen. Doch die beiden überfallenen Kassiererinnen mussten infolge der psychischen Belastung durch die Taten ihre Aushilfstätigkeiten in den Tankstellen aufgeben. Dies sei beim Strafmaß zu berücksichtigen.

Während der 27-Jährige schon zahlreiche Vorstrafen hat, führte die 21-Jährige bislang ein straffreies Leben. „Ohne ihn wäre sie da nicht reingeraten. Er war die treibende Kraft, alles andere wäre lebensfremd“, argumentierte der Staatsanwalt. Vermutlich habe der Angeklagte seine Freundin bei der Tatausführung gar nicht dabei haben wollen, „aus Angst, dass sie die Waffe fallen lässt“. Bei der 21-Jährigen sei von einem minderschweren Fall auszugehen und Jugendstrafrecht anzuwenden.

Deutliche Worte fand die prominente Verteidigerin des 27-Jährigen, Ulrike Tasic, bekannt aus der Gerichtsshow „Richterin Barbara Salesch“. Die ausgebildete Juristin beeindruckte mit einem knackigen Plädoyer und deutlichen Worten. „Das Ganze war sowas von irrsinnig. Den beiden war doch klar, wenn er abends nicht in die JVA zurückkehrt, dass dann die ganze Maschinerie losgeht. Und dann begeht er die Taten ohne Maskierung“, so die Kölner Anwältin. „Ich bin ratlos, wie man so blöd sein kann.“

Das Ganze habe von Beginn an auf tönernen Füßen gestanden. „Das hatte nichts von Professionalität“, argumentierte sie und beantragte eine tat- und schuldangemessene Strafe. Die anderen beiden Verteidiger des 27-Jährigen wirkten mit ihren Plädoyers recht blass neben der erfahrenen Strafverteidigerin. Maximal sechs Jahre forderte einer der beiden.

Der Verteidiger der 21-Jährigen soll am Montag, 23. November, plädieren. Am selben Tag soll das Urteil verkündet werden.

wb

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