Novelle der Düngeverordnung: Landvolk kritisiert Änderungen

Plötzlich von Grün auf Rot

Die Roten Gebiete im Heidekreis wurden sehr detailliert festgelegt und sorgen für Unmut bei den Landwirten. Grafik LEA
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Die Roten Gebiete im Heidekreis wurden sehr detailliert festgelegt und sorgen für Unmut bei den Landwirten. Grafik LEA

Bad Fallingbostel – Die Novelle der Düngeverordnung sorgt in der hiesigen Landwirtschaft neben vielen anderen Problemen für Unruhe. In Gebieten mit mehr als 50 Milligramm Nitratbelastung im Oberflächenwasser soll die Landwirtschaft in Zukunft die Düngung um 20 Prozent reduzieren und für die Zwischenfrucht sogar einstellen.

Aufgrund der Anforderungen der EU zum Gewässerschutz, die die Bundesregierung schon seit Jahren erfüllen soll, legten die beteiligten niedersächsischen Ministerien für Umwelt und Landwirtschaft Rote Gebiete im Heidekreis detailliert fest.

Wesentliche Veränderungen und der Zeitplan rufen nun das Landvolk Lüneburger Heide auf den Plan. Zu mehreren Punkten werden deutliche Anpassungen gefordert.

„Es geht nicht darum, das von uns wegzuschieben“, sagte Landvolk-Geschäftsführer Klaus Grünhagen bei einem Pressegespräch am Mittwoch. Es sei schon viel erreicht worden hinsichtlich des Gewässerschutzes durch die Landwirtschaft. „Lasst uns die Verursacher finden. Das Thema ist aber komplex, und so leicht geht das nicht. Wir sind als Landwirtschaft Teil des Problems, aber auch ganz klar Teil der Lösung“, so Grünhagen.

Aktuell sorgten flächendeckende Änderungen bei den Roten Gebiete durch die nun erfolgte Binnendifferenzierung im Ausweisungsverfahren für große Sorgen bei mehreren Höfen im Heidekreis. „Wir haben Betriebe, die von zuvor 95 Prozent Grünen Gebieten nun auf 90 Prozent Rote Gebiete verändert wurden“, führte Landvolk-Vorsitzender Jochen Oestmann aus.

Von der Landberatung kritisierte Andrea Hoops die vollkommen theoretische Vorgehensweise bei diesen Flächen. Das Umschwenken basiere auf Rechenmodellen und sei nicht mit echten Messungen fundiert. Allerdings werde das Netz der Messstellen des NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) schon seit Beginn der Diskussion um die Novelle scharf kritisiert, weil einige Grundwasserkörper mit zehntausenden Hektar nur zwei oder drei Messstellen hätten.

Eine Basis für die Rechenmodelle sei die Menge der bestellten wirtschaftlichen Dünger, aber nicht die in der Vergangenheit tatsächlich auf den Flächen ausgebrachte Menge. Außerdem stelle der sehr kurzfristige Zeitplan die betroffenen Betriebe vor riesige Probleme in der Planung, weil beispielweise die Fruchtfolge und die nötige Düngung schon längst abgeschlossen seien. Oestmann: „Jetzt heißt es April, April. Plötzlich darf 20 Prozent weniger gedüngt werden. Eigentlich geht’s im Februar los.“

Im Heidekreis habe sich die bedarfsgerechte Düngung schon lange bewährt, es seien Erfolge im Gewässerschutz erreicht worden. Dieses regional gewachsene Konzept werde nun abrupt über den Haufen geworfen. „Das klassische Gülleverklappen hat es im Heidekreis nie gegeben“, berichtete Oestmann. Den Zwang zur besseren Ausnutzung des Düngers im Ackerbau in Höhe von zehn Prozent nannte er eine unzumutbare Verschärfung. Mit der selben Menge Dünger soll mehr Ertrag erzielt werden, da überschüssiger Dünger ins Oberflächenwasser ausgeschwemmt wird. Oestmann gab jedoch zu bedenken, dass diese Steigerung der Nitratbindung durch die speziell angepasste Düngemenge und Fruchtfolge schon längst ausgereizt sei. Die Infragestellung der Zwischenfrucht durch die fehlende Düngung sei sogar kontraproduktiv für den Oberflächenwasserschutz, weil gerade die Zwischenfrucht den Stickstoff durch Humusbildung im Boden binde. „Zusammengerechnet komme ich auf 30 Prozent weniger Düngeeinsatz. Dann bleibt jetzt viel Dünger in der Halle liegen“, sagte Oestmann. Das führe bei den Betrieben zu weiteren wirtschaftlichen Problemen, weil der mengenmäßige Ertrag in der bereits angespannten Situation geringer werde, aber das Kapital mit dem teuren Dünger in der Halle liege.

Die neuen Restriktionen gingen über die der Schutzgebiete deutlich hinaus. „Das können wir den Landwirten nicht mehr vermitteln. Die gesellschaftliche Lösung und die Akzeptanz der Landwirtschaft dafür sind gefährdet. Das steht alles auf dem Spiel“, erzählte Oestmann.

Es gehe nicht um eine Verweigerungshaltung. „Wir wollen uns beim Schutz des Wassers beteiligen, aber wir müssen über den Weg dorthin streiten“, sagte Oestmann abschließend.  lee

Äußerten sich zur Ausweisung der Roten Gebiete (v.l.): Klaus Grünhagen, Andrea Hoop, und Jochen Oestmann.

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