Günther Pankoke unterrichtet Flüchtlinge in Fallingbostel

Der Schlüssel zur Integration

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Der ehemalige Lehrer Günther Pankoke unterrichtet die Flüchtlinge im Camp mit viel Freude und Herz.

Fallingbostel/Oerbke - Seit 22 Jahren ist er im Ruhestand, doch für den 84-jährigen Günther Pankoke aus Bad Fallingbostel ist es selbstverständlich, sich als ehrenamtlicher Deutschlehrer in der Johanniter-Notunterkunft in Oerbke zu engagieren.

Pankoke unterrichtet seit Öffnung der Unterkunft von Montag bis Samstag in den Räumen oberhalb der Kantine. Jeden Morgen, pünktlich um 10 Uhr, beginnt sein Unterricht, und meist sind es weit mehr als 20 Männer und Frauen, die sich einfinden, um mit „Panky“ Deutsch zu lernen.

Die Uhrzeiten, die Wochentage, Monate und auch die Zahlen kennen alle schon sehr gut. Mit großem Eifer sind sie dabei, und gemeinsam antworten die Schüler auf Pankokes Fragen. Vor allem ein junger Mann, der direkt neben dem Lehrer sitzt, ist sehr konzentriert. „Mein Assistent“, verrät Pankoke. Er kann Englisch und lernt besonders fleißig. Er übersetzt für die, die etwas nicht verstehen, und ist begeistert dabei. Ihn und einige andere hat Pankoke auch schon privat zu einem Erntedankfest mitgenommen.

Pankoke, der acht Jahre Leiter der deutschen Schule in Bombay war, lehrt mit viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen. „Es macht mir großen Spaß, mit den Menschen hier zu arbeiten. Das ist meine Bezahlung“, berichtet Pankoke, dem die Menschen in der Notunterkunft sehr ans Herz gewachsen sind.

Weitere Freiwillige gesucht

„Wenn man das Glück hat, mit 84 Jahren noch so fit zu sein und man mit den Leuten, die man vor vier Wochen gar nicht gekannt hat, heute schon so scherzen kann, ist das ein Segen.“

Die Herkunft, die Sprache oder das persönliche Schicksal der einzelnen Flüchtlinge spiele keine Rolle. Alle würden sich gegenseitig helfen und übersetzten für den einen oder anderen, wenn er mal etwas nicht verstanden habe.

Um die Gruppe herum ist es laut, weil kleine Kinder in der Nähe spielen und andere Flüchtlinge durch den offenen Lernbereich laufen. Doch die Schüler lassen sich nicht stören und hängen Pankoke förmlich an den Lippen. Er zeigt auf verschiedene Körperteile und Kleidungsstücke. Schon erklingt im Chor das deutsche Wort für Nase, Auge oder Hose. Immer wieder wird für den täglichen Gebrauch geübt. „Was sage ich beim Arzt, wenn ich krank bin oder was muss ich wissen, wenn ich etwas einkaufen möchte?“ Auch wenn alle das Arbeitsbuch „Deutsch für Asylbewerber“ vor sich liegen haben, der Unterricht ist so anschaulich, dass niemand hineinschauen muss. Erst als Pankoke die Hausaufgaben für die nächste Stunde bekannt gibt und Arbeitsblätter austeilt, wird das geschriebene Wort wieder wichtig.

In der Notunterkunft in Oerbke arbeiteten für die Johanniter bis zu ihrem Wechsel ins Camp Fallingbostel West mehr als 18 Lehrer in 16 Kursen pro Woche. Auch eine Lerngruppe für Analphabeten wurde eingerichtet. Während die Johanniter ins neu eingerichtete Camp Fallingbostel West umzogen, sind die Deutschlehrer in Oerbke geblieben. Hier hatten sich bereits Lerngruppen etabliert.

Auch im Camp West wollen die Johanniter Deutsch anbieten. Wer unterrichten möchte, kann sich melden unter Telefon 0511/ 67896633 oder per E-Mail an fluechtlingshilfe.nb@johanniter.de.

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