Architektin aus Hannover möchte Heideort retten

Das Herz an Ostenholz verloren

Renate Netter und Pastor Bernd Piorunek vor einem Bild stehend.
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Renate Netter und Pastor Bernd Piorunek kämpfen für den Erhalt der alten Häuser in Ostenholz.

Ostenholz – In Hannover hat sie eine wunderbare Art-Deko-Stadtvilla und darin ihr Architekturbüro eingerichtet. Aber immer wieder zieht es die 77-jährige Renate Netter in die Lüneburger Heide, wo sie für den Erhalt des Dorfes Ostenholzes kämpft.

25 Jahre lebte sie neben der Westenholzer Mühle, ging immer wieder in den „Märchenwald“ mit seinen unzähligen kleinen Quellen, erlebte Landschaft pur. „Gerade hier habe ich viele schöne Stunden gemeinsam mit meinen Kindern und Freunden verleben dürfen.“

Petra Netter hat das Gemeindehaus bezogen

Die agile Hannoveranerin hat das Gemeindehaus in Ostenholz gleich neben der alten Backsteinkirche bezogen, hat es schick gestaltet und möchte die historischen Fachwerkgebäude des Heidedorfes am Nato-Truppenübungsplatz retten. „Fast 20 Gebäude stehen bereits leer“, berichtet sie. Zuständig hierfür ist die Bima (Bundesanstalt für Immobilien-Aufgaben). Sie und Seeben Arjes, ehemaliger Bezirksvorsteher, sind überzeugt, dass der Bund das Dorf am liebsten aufgeben möchte. „Die Fachwerkhäuser, die vermietet sind und neue Besitzer suchen, werden leer stehengelassen und verfallen. Irgendwann wird es Ostenholz auf der Landkarte nicht mehr geben.“

Der Wildschweinweg führt rund um den Ort herum durch Wälder, an kleinen Teichen vorbei, bergauf und bergab. „Hier bin ich immer wieder gern unterwegs, weil die Natur noch so in Ordnung ist“, sagt die Hannoveranerin. Und hier sei immer etwas Neues zu entdecken.

Dort ist aber auch der Künningshof zu finden, der von alten Bäumen und vor allem von Brennnesseln umgeben ist. „Man muss sich die Hölzer des Gebäudes einmal anschauen, die noch heute so gerade stehen. Es ist vielleicht sogar Mondholz verwendet worden“, sagt Renate Netter, die sich entschlossen hat, den Hof pachten zu wollen, um ihn fachgerecht zu sanieren. Der im 17. Jahrhundert gebaute Hof steht unter Denkmalsschutz, ist aber seit langer Zeit unbewohnt. „Man will wohl auch hier abwarten, bis er in sich zusammenfällt“, vermutet Renate Netter. Der Bund tue hier nichts mehr. Nur einige der alten Fenster mit eisernem Rahmen verschwänden auf ungeklärte Art und Weise.

Konzepte für die Nachnutzung entwickelt

So geht es vielen anderen Gebäuden in Ostenholz. Der Wünningshof, eine historische Gaststätte mit Festsaal, ist bei einer Abrissaktion der Bima verschwunden, trotz der Proteste vieler Bürger. Dort sind nur noch eine Heidesandfläche und einige Sandsteinblöcke der Fundamente übrig geblieben. Es gibt noch viele dieser ehemals stolzen Bauernhöfe im Ort, die nicht mehr bewohnt werden, die dem Bund gehören. „Ich habe seit 2009, als ich das erste Gutachten über den Wünningshof geschrieben habe, viel versucht, diese Gebäude zu erhalten. Ich habe Konzepte für die Nachnutzung entwickelt, auch für den Künningshof.“ Bei der Bima sei alles abgelehnt worden. Pächter, die willens und in der Lage waren, etwas aus dem Gebäude zu machen, seien abgewiesen worden. „Unwirtschaftlich“, lautete das Argument der Bima. Die Pacht könne die erforderlichen Investitionen nicht einbringen. Die Investitionen seien aber deswegen so hoch, weil alles verfallen sei.

Gespräch mit dem Denkmalschutz

Renate Netter hat auch mit dem Denkmalschutz gesprochen. „Man hat mir gesagt, dass das nicht so einfach geht mit dem Verfall der Gebäude, dass man das nicht einfach hinnehmen soll, aber was machen?“ Bald sei eine nächste Besichtigung angesagt. „Vielleicht komme ich doch noch ein Stückchen weiter, wenn ein Sanierungsplan für das ganze Dorf Ostenholz erstellt wird oder Häuser unter Ensembleschutz gestellt werden, was bei erhaltenwerter Bausubstanz durchaus möglich ist“, hofft Renate Netter.

Nach der Spezialisierung der Architektin auf Altbausanierung und Energie-Effizienz hat sie 2017 darüber hinaus noch eine aufwendige Weiterbildung als „Energie- Effizienz-Experte für Baudenkmale und sonstige erhaltenwerte Bausubstanz“ gemacht.

Vorstellung: Kunst, Kultur, Restaurants und Tourismus

In Ostenholz sind die Lichter noch nicht ausgegangen, vielleicht auch, weil sich die Öffentlichkeit immer mehr um den Erhalt des Dorfes bemüht. Besucher aus nah und fern kommen in das Dorf mit der serpentinenartigen Einfahrt, weil es hier auch eine lebendige Kirche mit Konzerten und Lesungen gibt. Weil der Ort doch noch an einigen Ecken und Enden lebt. „Ich würde sehr viel Energie dazu beitragen, dass es wieder aufwärts geht mit Ostenholz“, sagt die 77-jährige Architektin, die ihr Herz an Ostenholz verloren hat und es sich als „blühende Heideperle“ mit Kunst, Kultur, hübsche Restaurants und Tourismus vorstellen kann. Hier sollen Familien leben und arbeiten und die alten Gemäuer mit ihrer Ausstrahlung wieder lebendig werden lassen.  mü

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