Der Mensch als größtes Risiko

Afrikanische Schweinepest: Wolfgang von Wieding und Dr. Gerd-Wilhelm Neddenriep äußern sich

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Dr. Gerd-Wilhelm Neddenriep (l.) und Wolfgang von Wieding sprechen über die Afrikanische Schweinepest. 

Bad Fallingbostel - „Wir wollen alles tun, um die Einschleppung zu verhindern.“ Kreisjägermeister Wolfgang von Wieding und Dr. Gerd-Wilhelm Neddenriep, Vorsitzender der Jägerschaft Fallingbostel, zeigten sich im Pressegespräch im Kreishaus Bad Fallingbostel besorgt. Thema war die Afrikanische Schweinepest (ASP) und was die Jägerschaft gegen die Verbreitung unternimmt.

Die Viruserkrankung betrifft ausschließlich Schweine und führt zum Tod des Tieres. „Für Menschen ist sie ungefährlich“, sagte von Wieding. Das Virus sei mit russischen Soldaten aus Afrika in den Kaukasus gelangt. Seit 2014 sei es in der EU zu finden. Einen riesigen Sprung habe es 2017 aus der Ukraine nach Tschechien gegeben. Ein Gastarbeiter habe Fleischreste dabeigehabt, erzählte von Wieding.

„Der Mensch ist das größte Risiko“, betonte er. Die bald wieder nach Niedersachsen reisenden Saisonarbeiter, die zum Beispiel auf Spargelfeldern oder in Blaubeerplantagen eingesetzt werden, sehen von Wieding und Neddenriep mit Sorge. Ein weggeworfenes und von einem Wildschwein gefressenes Wurstbrot, hergestellt aus kontaminiertem Schweinefleisch, könne genügen, um die Krankheit ausbrechen zu lassen.

Ohne Einfluss des Menschen wandere die Seuche in der Natur sehr langsam, jährlich etwa 30 bis 40 Kilometer. Damit Schwarzwild sich anstecke, sei ein sogenannter „qualifizierter“ Kontakt mit Blut, Speichel oder Schweiß nötig. Das unterscheide den Erreger von dem der „normalen“ Schweinepest, der zum Beispiel auch über Mäuse übertragen werde. Eine Darmpassage überlebt das Virus nicht.

Problematisch sei die hohe Widerstandsfähigkeit des Erregers gegen Desinfektionsmittel, sagte Neddenriep. Dazu komme, dass das Virus noch nach acht Jahren im Knochen infektionsfähig bleibe. Von Wieding: „Es darf auf keinen Fall in die Hausschweinbestände gelangen.“ In diesem Fall drohe ein riesiger wirtschaftlicher Schaden. Tiere müssten getötet werden und es würden Sperrbezirke eingerichtet. In Niedersachsen wären Schäden im zweistelligen Milliardenbereich zu erwarten. Kein anderes Land würde mehr Schweinefleisch aus Deutschland abnehmen, so Neddenriep.

Um die Gefahr des Ausbruchs zu minimieren und gegebenenfalls einer Ausbreitung des Virus’ in Schwarzwildbeständen vorzubeugen, sind die Jäger angewiesen, die Bestände auszudünnen, erklärten von Wieding und Neddenriep. Allerdings sei der Preis für Wildbret stark gesunken. „Niemand will die Tiere mehr essen“, berichtete Neddenriep. „Aber wir sollen schießen, schießen, schießen...“ Wenn die Truhen voll seien, bleibe nur noch, das Fleisch trotzdem zu verkaufen oder zu verschenken.

2017 habe es mit 5 300 Sauen die höchste Strecke aller Zeiten gegeben. Jetzt seien sie bereits bei mehr als 4 300 Tieren, und es sei immer noch Jagdzeit. „Alle Schonmodelle sind aufgehoben“, sagte von Wieding. „Nur der Elterntierschutz gilt.“ Plakativ seien sie aufgefordert, 70 Prozent der Tiere abzuschießen. „Dabei wissen wir nicht einmal genau, wie groß die Bestände sind“, sagte Neddenriep. Im Sommer könnten sie die Tiere im Mais nicht sehen. Er wies warnend auf die große Vermehrungsrate der Wildschweine hin.

Ihr Ziel sei es, die Jäger aufzufordern, alles ihnen Mögliche zu tun, in der Bevölkerung Verständnis zu erreichen, wenn im Februar und März Jagden auf Schwarzwild veranstaltet würden. Im Falle des Krankheitsausbruchs wären die Landwirte die Hauptbetroffenen. Und die Jäger seien auf deren Flächen unterwegs, fuhr der Vorsitzende der Jägerschaft fort. Bei einem Ausbruch seien häufig kleinere Schweinebestände betroffen, berichtete Neddenriep. Fast immer sei der Mensch daran Schuld. Hygiene sei deshalb bei der Jagd besonders wichtig, heißt es in einem Informationsschreiben des Friedrich-Loeffler-Instituts. „Seien Sie besonders vorsichtig mit Gegenständen, die Kontakt mit Blut hatten. Dazu gehören auch Fahrzeuge, Stiefel, Lappen, Wildwannen, Messer und Kleidungsstücke.“

„Wenn es den ersten Pestfall gibt, gilt nicht mehr das Jagd-, sondern das Seuchenrecht“, betonte er. „Dann werden Bestände gekeult.“ Und so gehe es auch dem Schwarzwild. Die Jäger hätten sie im Boot. Der Heidekreis verzichte bereits bei Trichinenkontrollen auf Gebühren. An Autobahnrastanlagen und -Parkplätzen sind mehrsprachige Warnplakate zu lesen. „Abfallbehälter sind verschließbar und kippsicher, um eine Plünderung durch Wildschweine zu verhindern“, heißt es in einer Mitteilung des niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung.

„Wir wollen sagen können, dass wir alles getan haben, was wir konnten“, betonte Neddenriep. „Die Situation wird immer brisanter.“ Von Wieding erläuterte, dass sie davon ausgingen, dass die Afrikanische Schweinepest nicht auf vier Beinen, sondern auf vier Rädern kommen werde. 

 sal

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