Ausschuss diskutiert Schutzgebietsausweisung Aller-Leinetal / Bürger äußern Bedenken

Mehrheitlich für den Verwaltungsentwurf

Der Ausschuss für Bau, Naturschutz, Umwelt und Landwirtschaft in der Heidemark-Halle.
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Der Ausschuss für Bau, Naturschutz, Umwelt und Landwirtschaft in der Heidemark-Halle.

Bad Fallingbostel – Es wurde kräftig diskutiert. Gegen Ende der Sitzung des Bau-, Umwelt- und Landwirtschaftsausschusses in der Heidmark-Halle in Bad Fallingbostel gab es so viele Fragen zum Thema Ausweisung des FFH-Schutzgebietes Aller-Leinetal, dass sich Ausschuss-Vorsitzender Gerhard Meyer großzügig zeigte und die Bürgerfragestunde von den vorgesehenen 30 Minuten auf fast eineinhalb Stunden erweiterte. 60 Bürger waren vor Ort, erwartet worden waren über 100.

Die Politiker hatten sich zuvor auf einen Beschlussvorschlag für den Kreistag geeinigt. Mit zehn Ja-, zwei Nein-Stimmen und einer Enthaltung sprachen sich die Politiker für den Entwurf der Verwaltung aus – mit einigen kleinen Änderungen. Der Erste Kreisrat Oliver Schulze stellte für alle Beteiligten noch einmal klar, dass die 1 340 Hektar große Naturschutzfläche Bestandteil der unter Schutz zu stellenden Gesamtfläche von 4 960 Hektar an Aller und Leine ist. Es würden keine weiteren Flächen hinzukommen. Einige kleinere Flächen im Häuslinger Bereich seien nicht berücksichtigt worden. „Wir werden das Gebiet nicht erweitern“, versicherte Schulze

Eine wichtige Ergänzung gab es für Jäger und Angler bei Hochwasser. Sie wurden von Einschränkungen befreit und dürfen auch zu dieser Zeit angeln. Es werde weiterhin Bademöglichkeiten in der Aller geben, allerdings nur in zugelassenen Bereichen, sagte Schulze. Es werde in Problemfällen, die sicher immer wieder auftreten würden, gemeinschaftliche Lösungen geben. Der Landkreis werde immer wieder prüfen und flexibel reagieren, soweit es die gesetzlichen Möglichkeiten zuließen.

Die seit vier Jahren heiß diskutierte Verordnung soll am Freitag, 26. Juni, im Kreistag verabschiedet werden. Über 5 000 Einwendungen hatte es gegeben, 29 Mal hatten die verschiedenen Gremien getagt, viele Fachbehörden und Einwohner gehört.

Die Fragen am Dienstagabend zeigten die Unsicherheit bei den betroffenen Landwirten der Region. Viele fürchten mit der neuen Verordnung, die dem Naturschutz und dem Landschaftsschutz an Aller und Leine in großen Bereichen mehr Vorrechte einräumt, um ihre Existenz. „Ich muss der Verwaltung gratulieren, Sie haben 95 Prozent der vorgesehenen Verordnung durchgebracht, leider zu Lasten der Landwirte“, lautete einer der Vorwürfe.

Schulze betonte, dass die Verwaltung immer den Konsens gesucht habe und es auch in Zukunft machen werde. „Wir sind einem Papier der Landwirtschaftskammer gefolgt und haben versucht, die dort gegebenen Hinweise umzusetzen.“

Schulze berichtete, dass gerade in den vergangenen Tagen noch viele Einwände gekommen seien. Eine Tatsache, die Tanja Kühne von der FDP zu dem Antrag veranlasst hatte, noch einmal in die Diskussion zu gehen und die Verordnung erst bei der übernächsten Kreistagssitzung zu verabschieden. Ein Versuch, der mit klarer Mehrheit abgelehnt wurde. „Die Verordnung muss bis 15. Oktober beim Land vorliegen“, verdeutlichte der Erste Kreisrat.

An Einzelbeispielen wurden Schwierigkeiten aufgezeigt: So leitet ein drei Kilometer von Hodenhagen entfernter Bauernhof seine Abwässer genehmigt in einen kleinen Bach ein, der in die Aller fließt. Unklar war, ob das auch mit der neuen Verordnung möglich sein wird? In einem anderen Fall wurde gefragt, wie ein Landwirt, der über 100 Hektar Fläche im Naturschutzgebiet verfügt und später nicht mehr nutzen darf, mit seinen Kühen und Kälbern über die Runden kommen soll. Und warum, so Rethems Bürgermeister Cort-Brün Voige, dürfe es bei bestimmten Anlässen in Eickeloh Musik und Gesang geben und nicht, wenn es auf Kohltour nach Kirchwahlingen gehe. Wie solle man manche Badestellen erreichen, wenn das Betretungsverbot für die Flächen komme, über die die Menschen gehen müssten. Ein Hodenhagener Landwirt drückte es so aus: „Der Eindruck von den Politikern und von der Landkreis-Verwaltung hier im Aller-Leine-Bereich ist verheerend.“ Er erhielt für diese Aussage Beifall aus dem Forum.

Friedrich-Otto Ripke, CDU, über 30 Jahre Deichvorsteher in Eilte, Landwirt und Jäger, hielt dagegen: „Natürlich hätte ich auch nur mit einem Landschaftsschutzgebiet leben können. Aber wir alle haben lernen müssen. Und deshalb bin ich für diese Verordnung, bin dafür, dass der Naturschutz seinen geschützten Raum erhält.“ Man werde mit dieser Verordnung nicht jeden zufriedenstellen können. Aber man werde über jeden Einzelfall sprechen. „Wir als Politiker haben uns nichts vorzuwerfen. Wir haben unsere Arbeit getan.“  mü

Kühe direkt an der Aller bei Bosse. Wird das bald nicht mehr möglich sein? Fotos: Müller
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