Bauernproteste im Heidekreis / Netzwerk „Land – schafft – Verbindung“

Mehr Kooperation statt regulativer Eingriffe

Informierten über die Proteste und die Hintergründe (v.l.): Jochen Oestmann, Dierk Brandt, Niklas Winkelmann und Anna Helen Michaelis. Foto: Precht

Bad Fallingbostel – Bei den jüngsten Protesten der Landwirte in Hamburg spielte der Heidekreis eine zentrale Rolle. „Die Landwirte aus dem Netzwerk ,Land – schafft – Verbindung’ haben mit ihren Schlepper-Sternfahrten nach Hannover und Hamburg hohe Aufmerksamkeit in Politik und Gesellschaft erregt“, sagte Landvolkpressesprecher Cord-Christian Precht bei einem Pressegespräch in Bad Fallingbostel.

Zur jüngsten Aktion versammelten sich die Teilnehmer aus den süd-westlichen Landesteilen in Wintermoor. Schlepper kamen aus den Landkreisen Emsland, Celle, Northeim und Hannover, um gemeinsam mit den Berufskollegen aus dem Heidekreis nach Hamburg zu fahren. Mit Landwirten aus Harburg, Nienburg und Verden vergrößerte sich der Konvoi im Verlauf der B 3 und der B 75 auf 1 000 Fahrzeuge. Am Ende zählten die Veranstalter etwa 2 000 Trecker, die in einem 20 Kilometer langen Lindwurm auf der Wilhelmsburger Reichsstraße in die Hansestadt einfuhren. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ging es zum Kundgebungsgelände am Gänsemarkt, wo anlässlich der Umweltministerkonferenz gemeinsam mit anderen Organisationen ein Forderungskatalog an die Politiker übergeben wurde.

Andere Protestzüge kamen aus dem Norden Niedersachsens und aus Schleswig-Holstein. „Insgesamt dürften sich etwa 4 000 Schlepper auf den Weg in die Hansestadt gemacht haben. Unterstützt wurden die Demonstranten durch viele Landwirtinnen und Landwirte, die per Bus oder Bahn nach Hamburg gefahren waren“, so Precht.

Dierk Brandt aus Schneeheide, Anna Helen Michaelis, Groß Eilstorf, und Niklas Winkelmann, Leitzingen, sind die Organisatoren des Netzwerks „Land – schafft – Verbindung“ im Heidekreis. Zusammen mit Jochen Oestmann, Vorsitzender des Landvolk-Kreisverbandes Lüneburger Heide, informierten sie über die Ziele der Aktion und die Schnittmengen mit der Arbeit des Landvolkverbandes. Rein organisatorisch ist das Netzwerk unabhängig vom Verband, aber viele Protestteilnehmer dort Mitglied, und auch Funktionäre des Landvolks sind bei den Protesten dabei.

In Hamburg sprach Jörn Ehlers aus Holtum (Geest), niedersächsischer Landvolkvizepräsident, in einer mitreißenden persönlichen Rede über die Zukunft der Landwirtschaft.

„Die Aktion ist aus der Wut heraus entstanden, was Politik und Gesellschaft mit uns gemacht haben“, so Michaelis. Teilweise hätten sich die Akteure auch von den etablierten Verbänden im Stich gelassen gefühlt. Im Einzelnen kritisiert das Netzwerk die geplante Verschärfung der Düngeverordnung, die Ausweisung der nitratsensiblen Gebiete und das Mercosur-Handelsabkommen. Neben den wirtschaftlichen Einschränkungen ist es die Art und Weise der Agrar- und Umweltpolitik, die den Berufsstand auf die Palme bringt. Landwirtschaft fühle sich vielfach als Buhmann der Nation, der für alle Umweltprobleme verantwortlich gemacht werde, ohne bei der Entscheidungsbildung Gehör zu finden.

Michaelis sieht die regionale Landwirtschaft gefährdet, weil mit steigenden Auflagen die Erzeugung ins Ausland verdrängt werde. So schaffe man sich Probleme vom Hals, durch den folgenden Import von Nahrungsmitteln seien sie aber nicht aus der Welt. Insgesamt wünscht sich das Netzwerk mehr Kooperation statt regulativer Eingriffe.

„Dies ist eine Symbiose, zu der wir getragen werden mussten“, sagte Oestmann zum Verhältnis zwischen Landvolk und Netzwerk. Hochachtung und Respekt zollte er den Organisatoren, die viel Verantwortung übernommen hätten. Jetzt eröffne sich die Chance, an der Basis die gemeinsamen Forderungen zu bekräftigen und auf politischer Ebene zu vertreten. „90 Prozent der Teilnehmer an den Schlepperdemonstrationen sind Landvolk-Mitglieder“, erklärte Oestmann. „Es wäre fatal, wenn sich diese Kräfte jetzt spalten würden.“

Erste Vorbereitungen für eine Schlepperdemo am 26. November in Berlin seien angelaufen.  lee

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