Keine optimale Förderung

Landtagsabgeordneter Sebastian Zinke diskutiert über Schulgesetz

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Landtagsabgeordneter Sebastian Zinke (r.) erläutert die Details.

Bad Fallingbostel - Das Thema Inklusion und Förderschulen war Inhalt eines Fachgespräches, zu dem der Landtagsabgeordnete Sebastian Zinke (SPD) eingeladen hatte. Anlass war die für März angestrebte Novellierung des niedersächsischen Schulgesetzes durch die neue Landesregierung.

„Welche Auswirkung hat das neue Schulgesetz vor Ort? Am liebsten hätte ich den Bereich Schule erst einmal in Ruhe gelassen“, sagte Zinke. Allerdings gäbe es insbesondere im Bereich der Förderschulen Handlungsbedarf, weil sie sonst innerhalb der nächsten Jahre auslaufen würden.

Mit dem Eingangsstatement sprach der Abgeordnete auch gleich den inhaltlichen Schwerpunkt des Meinungsaustausches mit den zahlreich erschienenen Vertretern der Schulen im Heidekreis an. „Die Rahmenbedingungen der allgemeinen Schulen sind noch nicht so weit, dass die Förderschüler optimal gefördert werden können“, sagte Schulleiter Burkhard Will von der Förderschule in Schwarmstedt. Die optimale Betreuung sei zurzeit in der Förderschule Lernen gegeben, weil eben hier auch Sonderpädagogen für die Schüler vorhanden seien. Außerdem sei das Elternwahlrecht ganz wichtig, so Will weiter.

„Die Förderschulen abzuschaffen würde bedeuten, dass unsere Schüler den Hauptschulabschluss nicht schaffen und dann auch keine Arbeit finden“, gab Will zu bedenken.

Sorge vor Doppelstrukturen und die Notwendigkeit zur Weiterentwicklung der Inklusion auf den Regelschulen drückte Schulleiter Rüdiger Strack von der Felix-Nussbaum Oberschule in Walsrode aus. Die Verlängerung der Förderschulen um weitere zehn Jahre sollte zum Aufbau der Ressourcen in den Regelschulen genutzt werden und nicht nur der Status Quo beibehalten werden.

Auf großes Interesse stieß das Fachgespräch zur Novellierung des Schulgesetzes.

Die Vertreterin des Kreiselternrates Tatjana Bautsch unterstrich diese Forderung, weil eine Doppelstruktur nur für Verdruss bei den Grundschulen sorgen würde, wenn die bereits inkludierten Schüler nach der vierten Klasse zur Förderschule kämen. „Von der Inklusion der Grundschule in die fünfte Klasse der Förderschule wäre ein absoluter Rückschritt für die Schüler“, so Bautsch. Außerdem warf sie die Frage an die Politik auf, ob auch in Zukunft drei Förderschulen im Heidekreis fortbestehen sollen. „Zwei Standorte der Förderschule Lernen im Süden sind wegen der Kinderzahlen Luftschlösser“, sagte sie.

Zinke wies auf den Gesetzesentwurf hin, der vorsehe, dass keine neuen Förderschulen mehr gebaut werden. Der Bestand müsse aber vom Kreistag mit einem Schulkonzept beschlossen werden. Diesbezüglich stünden die Entscheidungen in den nächsten Monaten an.

Der Leiter der Pestalozzischule Walsrode für Kinder mit emotionalen sozialen Entwicklungsstörungen, Florian Lies, beklagt die Beschränkung, dass er als Pädagoge mit seinem nachhaltigen Fachwissen in diesem Bereich die Kollegen bei den staatlichen Schulen nicht beraten dürfe, weil seine Schule einem privatem Träger zugeordnet sei. In dieser Frage hätte er sich auch eine Änderung seitens der Politik gewünscht, da einige Schüler nicht in Regelschulen unterrichtet werden könnten und sonderpädagogisches Fachwissen erforderten.

Andreas Böhm von der Oberschule Bomlitz sprach die generelle Lehrerknappheit an. „Ich kann keinen Förderunterricht aufbauen, wenn ich noch nicht mal den Regelbedarf abdecken kann. Wir müssen Kräfte bündeln und die Politik muss endlich auch Lehrer auf das Land bekommen, weil wir uns sonst alle gegenseitig die Tischdecke vom Tisch ziehen“, verdeutlichte Böhm.

„Wo sind denn die sonderpädagogischen Kräfte, durch die wir inklusiv sein könnten? Wir sind als BBS im Gesetzestext überhaupt nicht berücksichtigt worden“, sprach Gaby Tinnemeier von den Berufsbildenden Schulen im Heidekreis an und forderte Abhilfe.

Im Laufe des Gespräch ergaben sich neue Gesichtspunkte und viele Fragen blieben unbeantwortet. Am Freitag, 9. März, gibt es nun die Möglichkeit, direkt bei Kultusminister Grant Hendrik Tonne nachzufragen. Er ist zu Gast bei „Auf ein Wort“ in Walsrodes Café am Markt. - lee

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