Jochen Oestmann und Klaus Grünhagen vom Landvolk

Die Stimmung im Kreisverband: „Eingekeilt“

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Zum großen Rundumschlag holten Klaus Grünhagen (l.) und Jochen Oestmann gestern aus.

Heidekreis – So richtig gute Laune kommt beim Pressegespräch gestern Nachmittag im Grünen Zentrum in Bad Fallingbostel weder bei Jochen Oestmann, Vorsitzender des Kreislandvolks, noch beim Geschäftsführer des Kreisverbandes, Klaus Grünhagen, auf. „Eingekeilt zwischen Realität und politischem Willen“ sieht Oestmann sich und seine Berufskollegen und nennt die geplante Suedlink-Trasse, Düngevorschriften und den Umgang mit dem Unkrautvernichter Glyphosat als Beispiele.

Eine faktenbasierte Diskussion zu Agrar-Themen fordert Jochen Oestmann. Stattdessen sehen er und Grünhagen auf der einen Seite die Politik, die ihre Entscheidungen am gesellschaftlichen Mainstream und dem Ergebnis der Sonntagsfrage orientierten. Auf der anderen Seite stehe der Verbraucher, der Massentierhaltung ablehne, aber nicht bereit sei, mehr fürs Schnitzel vom kleinen Bauernhof zu zahlen. Und dazwischen befinde sich der Landwirt, der sich für sein Tun täglich aufs Neue rechtfertigen müsse.

„Wir können mit sachlichen Argumenten nicht mehr durchdringen“, stellt Jochen Oestmann fest – und sieht gleichzeitig genügend Anlass für Diskussionen. Ganz aktuell: die Niedersächsische Verordnung über düngerechtliche Anforderungen zum Schutz der Gewässer vor Verunreinigungen durch Nitrat und Phosphat, abgekürzt NDüngGewNPVO.

Damit will Hannover die Landwirte dazu verpflichten, ihren Dünger vor dem Aufbringen genau auf seine Nährstoffe analysieren zu lassen; Gülle und Gärreste schneller einzuarbeiten und die Mindestlagerkapazitäten zu erhöhen.

Das sei von den Allermeisten leistbar, räumt Oestmann ein. Die genannten Auflagen gelten aber nicht für alle Flächen in Niedersachsen, sondern nur für solche, in denen zu hohe Nitratwerte festgestellt worden sind. Aufgrund der entsprechenden Kennzeichnung in den Landkarten hat sich schnell der Begriff „rote Gebiete“ dafür eingebürgert.

Allerdings reicht innerhalb eines festgelegten Gebietes, der sogenannten Kulisse, ein zu hoher Wert an nur einer von mehreren Messstellen, um aus dem gesamten Areal ein „rotes Gebiet“ werden zu lassen. „Sippenhaft“, nennt Oestmann das.

„Die Landwirtschaft ist sich ihrer Verantwortung bewusst“, stellt Klaus Grünhagen klar, dass Ackerbau und Viehzucht ihren Anteil an der Nitratbelastung des Grundwassers haben. Aber „wir sind nicht die Einzigen“, fordern er und Oestmann, auch andere mögliche Verursacher in die Pflicht zu nehmen. Zumal Oestmann noch eine weitere Verschärfung der Düngemittelverordnung vor allem für Flächen in den „roten Gebieten“ befürchtet.

Auch die Südlink-Trasse beschäftigt das Landvolk im Heidekreis noch immer. Beim letzten Erörterungstermin am Dienstag in Krelingen sei noch einmal deutlich gemacht worden, dass die Stromleitungen im Heidekreis nicht über-, sondern unterirdisch verlaufen werden, berichten die beiden Männer. Die betroffenen Landwirte würden dafür per Einmalzahlung entschädigt. Dabei würde der Boden über Jahre und Jahrzehnte belastet, sind sich die Landvolk-Vertreter sicher und setzen sich für wiederkehrende Zahlungen ein.

Außerdem fordern sie eine Umkehr der Beweislast. Bislang gelte: Der Landwirt muss nachweisen, dass Schäden an seiner Fläche durch die Suedlink-Trasse von Tennet entstanden sind. Für die Funktionäre steht fest: Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Tennet müsse beweisen, dass die bis zu 40 Grad warmen Leitungen die Flächen nicht negativ beeinflussen.

Auch die Zwischenbilanz für das laufende Jahr hat zunächst wenig Tröstendes zu bieten. Ähnlich schlecht wie 2018 sei die Getreideernte verlaufen, sagt der Landvolk-Vorsitzende. Und da der zweite Schnitt beim Futterbau nahezu im gesamten Heidekreis ausfiel, drohe in Teilen die Futterknappheit.

Andauernd schlechte Erträge beim Raps und niedrige Erlöse ließen die Anbaufläche für den Pflanzenöllieferanten auf unter 1000 Hektar fallen. Ein Plus von 500 auf gute 3 400 Hektar verzeichnete der Kreisverband bei den Flächen für Kartoffeln. Beim Mais seien es konstant rund 18 000 Hektar.

Noch. Denn in den kommenden drei Jahren, so Oestmann, würden die ersten Biogasanlagen im Heidekreis aus der Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz herausfallen. Die Branche rechne damit, dass dann 30 Prozent der Anlagen abgestellt würden.

Immerhin: Den Schweinemastbetrieben geht es gut, nicht zuletzt, da die Afrikanische Schweinepest in anderen Ländern den hiesigen Betrieben große Märkte in Fernost erschließt.

Und zum Schluss hat Jochen Oestmann dann noch eine gute Nachricht. „Die Branche hat immer noch steigende Ausbildungszahlen“, sagt der Rethemer. Und: „Die Lust an der Landwirtschaft ist immer noch erstaunlich hoch“, stellt er fest.

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