Informationsabend in der Kirche gegen die Gerüchteküche

Oerbker Flüchtlingscamps wachsen weiter

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Viele Besucher lockte die Infoveranstaltung an.

Bad Fallingb./Landkreis - Zuwachs an Flüchtlingen in Oerbke, auch das zweite Camp des Lagers Fallingbostel wächst. Und die Gerüchteküche, besonders über angebliche Straftaten, läuft langsam aber sicher an. Da war es Zeit der Bevölkerung erneut einen Informationsabend anzubieten. Am Donnerstag hatten Bürgermeisterin Karin Thorey und Pastor Torsten Schoppe in die Kirche eingeladen. Es zeigte sich, dass mit zunehmender Flüchtlingszahl in den Oerbker Camps auch Ängste und Bedenken in der Bevölkerung gewachsen sind.

Das Lager Oerbke ist derzeit mit rund 1250 Personen voll belegt und wird von den Johannitern inzwischen in den sogenannten hauptamtlichen Modus überführt. Das kurzfristig neu eingerichtete Camp Fallingbostel (Cluster 1) wird vom DRK-Kreisverband Fallingbostel betrieben und ist laut Lagerleiter Dennis Protz von DRK mit etwa 950 Personen belegt.

In den nächsten Tagen sollen nach den Aussagen von Alexander Götz, im Innenministerium zuständig für die Flüchtlingsproblematik, eine weitere schrittweise Belegung mit etwa 500 bis 600 Flüchtlingen beginnen. Die Eröffnung weiterer Cluster im Camp Fallingbostel schließt Götz aufgrund des Zustroms von Flüchtlingen nicht aus. Das restliche Camp war am Freitag vorzeitig von den Briten an die BIMA übergeben worden.

Was bedeutet dies für Oerbke und vor allem für Bad Fallingbostel? Bürgermeisterin Karin Thorey auf die Frage eines Besuchers in der gut gefüllten Kirche, die Stadt sei auf den Straßen bunter geworden. Aber die Sicherheitslage sei eine friedliche, kommentierte die Bürgermeisterin Gerüchte. Es gebe weder auffällige Zahlen von Ladendiebstählen, noch Belästigungen und erst recht keine Vergewaltigungen von Frauen, wie teilweise kolportiert werde. Die Bürgermeisterin bat den anwesenden Polizeikommissariatsleiter Wolfgang Börner um Auskunft. Dieser bestätigte, von Straftaten sei ihm nichts bekannt. Die Polizei fahre verstärkt Streife in Oerbke und im Stadtgebiet. Eine Aufstockung der Polizeikräfte hatte ein Sprecher der Polizeiinspektion auf Anfrage verneint.

Dass die Bevölkerung sich nicht mehr mit Beschwichtigungspolitik abweisen lässt, wurde an diesem Punkt in der Kirche deutlich. Zumal es immer wieder Berichte gibt, dass Flüchtlinge sich ohne Registrierung auf den Transporten zu den Notunterkünften oder aber aus den Unterkünften selbst entfernen und unregistriert in Deutschland unterwegs sind. Auch aus dem Camp Oerbke haben sich mindestens 50 Personen entfernt, so die Aussage von Lagerleiter Walter Busse. Auf dem Transport vom Bahnhof Uelzen zum Camp Fallingbostel sollen sich zahlreiche Personen entfernt haben. Und offensichtlich gibt es auch andere Probleme in der Kreisstadt. Zwei Frauen meldeten sich und berichteten von Frauen-Grabschereien durch Flüchtlinge in mindestens zwei Fällen. Polizeichef Börner war davon nichts bekannt.

Der stellvertretende Leiter der Johanniter-Unterkunft in Oerbke, Christian Frost gab zu, dass es in der vergangenen Woche zu einer Schlägerei mit Verletzten gekommen war. Laut Auskunft der Polizeiinspektion war es allerdings der bisher einzige gemeldete Fall einer Straftat. Nach einem Ordnungsruf von Pastor Torsten Schoppe und der Moderatorin des Abends kehrte in der Kirche dann aber wieder schnell Sachlichkeit in der Diskussion ein.

Ängste

unbegründet

Sachlage ist, so bestätigte Pastor Schoppe, dass die meisten Ängste unbegründet sind. Anhand von Beispielen verdeutlichte er die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung. Der Pastor sieht allerdings auch die Gefahr, dass die Stimmung langsam zu kippen droht. Deshalb sei alles Engagement gegen einen „Lagerkoller“ in den beiden Camps mehr als hilfreich. Der von etlichen pensionierten Lehrern angebotene Deutschunterricht, sollte in den beiden Unterkünften etabliert werden. Es könne nicht angehen, so Pastor Schoppe, dass der Unterricht in den Fluren, teilweise auf dem Boden sitzend, abgehalten werden müsse. Es müsse doch wohl möglich sein, dafür geeignete Räume zur Verfügung zu stellen.

hf

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