Erinnerungen an die Filmaufnahmen für den Klassiker „Rot ist die Liebe“ in Dorfmark

Hollywood in der Heide

An der Schmiede wurde ebenfalls gedreht. Die Kinder mussten auf dem Kopfsteinpflaster rennen.
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An der Schmiede wurde ebenfalls gedreht. Die Kinder mussten auf dem Kopfsteinpflaster rennen.

1956 wurde der Film „Rot ist die Liebe“ gedreht. Ihm liegt der Roman „Das zweite Gesicht. Eie Liebesgeschichte“ von Hermann Löns zugrunde. Dorfmarker und andere Zeitgenossen erinnern sich an den Besuch des Filmteams und die Dreharbeiten.

  • 1956 wurde Dorfmark bei den Dreharbeiten zu „Rot ist die Liebe“ zum Mittelpunkt der deutschen Filmwelt.
  • Dorfmarker waren als Helfer mit unterschiedlichsten Tätigkeiten im Einsatz.
  • Die Uraufführung war 1957 in Hannover

Dorfmark – Lang’ ist’s her. Aber die Erinnerung ist noch wach. Meine Schwester Christine und ich waren 1956 dabei, als Dorfmark für kurze Zeit zum Mittelpunkt der deutschen Filmwelt wurde. Dort wurde der Streifen „Rot ist die Liebe“ gedreht. Er beruht auf dem 1912 erschienenen autobiografischen Roman „Das zweite Gesicht. Eine Liebesgeschichte“ von Hermann Löns.

Dieter Borsche, Barbara Rütting und Susann Cramer in den Hauptrollen

In den Hauptrollen waren Größen wie Dieter Borsche, Barbara Rütting und Susann Cramer zu sehen. Hollywood in der Heide.

Meine Schwester war seinerzeit fünf, ich sechs Jahre alt. Und wir fanden es toll, als wir gefragt wurden, ob wir bei den Dreharbeiten, für eine kleine Gage sogar, mitmachen wollen.

Wir Kinder mussten auf dem Kopfsteinpflaster zwischen Schmied Reimann und den Häusern in der Klosterworth hinter einem uralten Motorrad herlaufen. Zwei Stunden dauerte es, bis die Szene „im Kasten“ war.

Klaus Müller und seine Schwester (Mitte) in einer abfotografierten Filmszene.

„Mein Kleid war unheimlich schwer. Es war mitten im heißen Sommer und sehr anstrengend“, erinnert sich meine Schwester. Später im Film waren von diesem Dreh nur fünf Sekunden zu sehen. Aber es war durchaus eine wichtige Szene, weil der Mann auf dem Motorrad den Aufruf zur Mobilmachung an einen Baum nagelte.

Fünf Tage und Nächte lang Filmrequisiten bewacht

Mein Vater bewachte fünf Tage und Nächte lang die Filmrequisiten auf dem Pfarrhof, und meine Mutter kochte für die Darsteller die Suppe. 150 Mark gab es dafür – viel Geld in dieser kargen Zeit.

65 Jahren nach den Dreharbeiten erinnern sich heute viele Dorfmarker an den Film, der zudem rund um das Dorfmarker Backhaus sowie am „Kloster“ entstand. So zum Beispiel der heute 93-jährige Harry Zerbe, der zufällig am Drehort vorbeikam und spontan als Double für Dieter Borsche einspringen durfte. Der große Mime, der Hermann Löns verkörperte, weigerte sich nämlich, wie im Drehbuch vorgesehen, in die kalten Ruderteiche am Achterberg zu springen. Also stieg Harry Zerbe ins kühle Nass.

Anwohner schwang Mistforke

Helmut Allermann, der heute in der historischen Klosterworth wohnt, erinnert sich an seinen Onkel Heini. „Er musste damals in einer Szene die große Mistforke schwingen. Und natürlich waren wir Kinder dabei und haben am Backhaus auf dem Pfarrhaus die Dreharbeiten verfolgt“, erzählt er.

Isa Brennenstuhl, ebenfalls aus der Klosterworth, erinnert sich. „Ach, das war toll damals. Ich bin auch zum Pastorenbackhaus gegangen, um zuzugucken. Da habe ich die Szene beobachtet, bei der Susann Cramer einen Teppich ausklopfte. 21 Minuten musste sie dafür vor den großen Kameras ran. Und das im Dorfmarker Sommer. Einmal lag sie in einer Drehpause einfach lang ausgestreckt auf der Wiese. Das fand ich so aufregend“, lächelt sie.

Günter Heinrich, viele Jahre Edeka-Chef im Ort, arbeitete zu dieser Zeit im Kaufhaus Reinhard & Schönherr gleich neben einem Drehort. Er berichtet, dass vor allem die Schmiede und die alten Häuser in der Klosterworth im Mittelpunkt der Arbeiten standen. Die damals sehr armseligen Gebäude des „Klosters“ tauchen auch im Film auf. Hans Stöckmann war damals passionierter Reiter. „Wir übten immer auf dem Reitplatz am Weißen Sand. Unsere älteren Mitglieder waren bei den Reitszenen am Achterberg und am Hasenberg ständig dabei. Für Dorfmark war das eine aufregende Sache.“

Autogramme gab es nicht

Hans-Dieter Bolte erzählt, dass er als ganz kleiner Junge mit seinen Freunden die Arbeiten auf dem Pfarrhof verfolgt hat. Die Jungs wollten hautnah dabei sein. „Aber Autogramme gab es nicht. Die Schauspieler waren alle so unfreundlich und fühlten sich nur von uns gestört“, so Bolte. Wolfgang Witt war bei den Dreharbeiten im heutigen Von-Notz-Park dabei: „Damals gab es dort einen kleinen Weg, auf dem eine Film-Kutsche stand. Und natürlich war da ziemlich viel Technik, riesige Scheinwerfer und viele andere Dinge mehr. Das hat mich sehr beeindruckt.“

Für Elsbeth Müller ist eine Szene aus Avenriep bei Woltem in Erinnerung geblieben. Dort lebte sie gemeinsam mit ihrem Mann Willi. Das Filmteam hatte sich auf dem Hof breitgemacht. Von dort kam der Strom für die Technik.

Dieter Borsche saß damals unter einer uralten Buche, nicht weit von ihm entfernt war Barbara Rütting. „Mein Mann musste für die Szene 38 Minuten lang Käfer sammeln“, so Elsbeth Müller.

Barbara Rütting winkte Realschülern zu

Auch Hermann Marquardt, der damals nahe der Schmiede wohnte, erinnert sich: „Mein Vater hat in einer Szene mitgewirkt und musste dafür von einem Misthaufen weglaufen. Dann kam ein Motorrad angefahren, auf dem ein Bote saß, der einen Anschlag an den Baum heftete. Die Mobilmachung wurde ausgerufen.“ Seine Ehefrau Ursula weiß zu berichten, dass die Schauspieler im „Fallingbosteler Hof“ und im Hotel „Böhmetal“ in Fallingbostel wohnten. „Barbara Rütting hat uns Kindern, die wir die Realschule in Fallingbostel besuchten, immer wieder zugewunken. Wir haben alle wie verrückt geklatscht und gejubelt.“

Helga Daum erzählt von den Dreharbeiten an der kleinen Böhmebrücke.

Klaus Meinheit wohnt heute in Texas bei Mengebostel. Sein Vater war selbstständiger Tischler in Vierde und fuhr einen VW-Pritschenwagen. Mit dem transportierte er gelegentlich die technische Filmausrüstung zu den einzelnen Drehorten. Und hin und wieder auch einen Schauspieler. In einer Szene kam das Fahrrad von Klaus Meinheits Mutter ins Spiel. Das wurde extra vorher noch ein bisschen aufgepeppt und bekam eine schicke Karbid-Lampe verpasst.

Jagdhütte nur als Kulisse aufgebaut

Und so gibt es sicher noch viele andere kleine Erlebnisse rund um die Dreharbeiten in der Region. Auch vom Tietlinger Wacholderhain am Hilligenberg, wo für den Film extra eine Jagdhütte aufgebaut worden war. Allerdings nur als Kulisse, denn im Inneren sei es immer leer gewesen, berichten Zeitzeugen.

Premiere am 17. Januar 1957

Am 17. Januar 1957 wurde „Rot ist die Liebe“ im Palast-Theater Hannover uraufgeführt. Auch das Kino in Dorfmark beim „Langen Kruse“ war wochenlang sehr gut besucht. Wohl alle Einwohner kamen und sahen begeistert den Hermann-Löns-Streifen, der bundesweit ein echter Straßenfeger wurde.

Von Klaus Müller

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