„Herzschnucken“ beim 24-Stunden-Lauf

Aufklärung als erklärtes Ziel

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Bad Fallingbostel - Es ist ein kleines Wunderwerk: das Herz. Bei Entspannung schlägt es ruhig, in Eile erhöht sich die Frequenz. Nicht so bei Ulrich Brammer. Der 53-Jährige besitzt ein „herzunterstützendes System“, kurz: ein Kunstherz. Was sich anhört wie ein Ersatzprodukt für menschliche Organe ist tatsächlich eine Unterstützungsvorrichtung für die Herzkammern; sie leitet mithilfe eines Motors das Blut von den Kammern in den Aortenbogen und somit durch den Körper.

Hält man ein Ohr an die Brust eines Kunstherzpatienten, hört man das Summen des Apparats, jedoch keinen Herzschlag, weiß Krankenschwester Marei Pohl von der Klinik Bad Fallingbostel. Hier ist Ulrich Brammer Patient. Er besitzt seit knapp fünf Jahren das Kunstherz und wartet auf ein Spenderorgan. Seine Lage sei dringlich, das eingesetzte Unterstützungssystem melde hin und wieder nicht lokalisierbare Alarme, so Pohl. Brammer sei HU-gelistet (High Urgency = hohe Dringlichkeit) und damit näher an einem Spenderherz als Patienten, die über eine ausreichende Herzeigenfunktion verfügen.

Wichtiges Thema

Organspende

Der Mann aus der Lüneburger Heide ist Teil der „Fallingbosteler Herzschnucken“, eines Teams aus Ärzten, Schwestern, Pflegepersonal und Patienten, das morgen, 5. September, am 24-Stunden-Lauf des TSV Rüningen in Braunschweig teilnehmen wird. Die Idee entstand unter anderem durch die Tatsache, dass sich im vergangenen Jahr ein Kunstherzpatient aus Berlin für einen Marathon beworben hatte, jedoch vom Veranstalter nicht zugelassen worden war.

Treibender Part war auch der ehemalige Kunstherzpatient Peter Schenkel, der sich nun für „Pulslos-Leben“ engagiert, einen Verein von und für Nutzer und Anwender der herzunterstützenden Systeme, der vor zwei Jahren an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gegründet wurde. Auch die MHH ist mit einem Team in Braunschweig am Start.

Immer in erreichbarer Nähe sein müsse ein Transplantationszentrum – der erlösende Anruf für die Patienten könne jederzeit kommen und das Spenderorgan müsse so schnell wie möglich eingesetzt werden, betont Krankenschwester Jana Schumacher, die als leidenschaftliche Sportlerin ebenfalls am Lauf teilnehmen wird.

Vor Ort müsse alles greifbar sein, was die Kunstherzpatienten ohnehin mit sich herumtragen: Ersatzakkus und -controller, die die Mini-Pumpe im Körper über ein Kabel durch die Bauchdecke mit Strom versorgen.

Hier befindet sich auch einer der Schwachpunkte des Systems, denn die Gefahr einer Infektion der Kabelaustrittsstelle schwebt ständig über den Patienten; ebenso die eines Herzinfarkts durch zu dickes Blut, erklärt Pohl.

Schnelles Laufen sei während der Veranstaltung ohnehin nicht möglich, die Patienten würden aber allein durch ihre Teilnahme das Thema Organspende an die Öffentlichkeit bringen, so Pohl weiter. Aufklärung sei einer der Grundpfeiler von „Pulslos-Leben“. Es müsse möglichst vielen vor Augen geführt werden, dass es Menschen gebe, die ohne Puls und Herzschlag leben müssten. Finanziert wird die ganze Aktion über Spenden und Sponsoren.

Brammer bereitet sich täglich auf den Lauf vor. „Ich mache Sportgymnastik. Alles, was möglich ist, um fit zu bleiben.“ Eine ausreichende Fitness ist auch das Ziel für den Antritt der Herztransplantation, sobald ein Spenderorgan gefunden ist. Der Anruf kann jederzeit kommen.

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