Ein Jahr danach: Ehrenamtliche Johanniter-Helfer berichten über ihren Einsatz

„Helfen macht glücklich“

Fia engagiert sich jeden Freitag ehrenamtlich im Camp. - Fotos: Johanniter/Doris Lawrenz

Bad  Fallingbostel - Die Flüchtlingswelle des vergangenen Jahres ist abgeebbt. Doch viele Menschen im Heidekreis engagieren sich weiter ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe und vor allem bei der Integration in die Gesellschaft. Als im September vergangenen Jahres die ersten Flüchtlinge im Camp Oerbke ankamen, standen viele freiwillige Helfer aus der Region schon bereit. Was sie motiviert hat, von Anfang an dabei zu sein und zu helfen, erzählen sie in einem ganz persönlichen Gespräch.

Anne

Anne aus Fallingbostel: 

„Ich hatte von der Ankunft der Flüchtlinge gehört und gemeinsam mit Nachbarn beschlossen, ins Camp zu fahren. Wir wollten bei der Kleiderausgabe helfen. Gemeinsam mit Mitgliedern der Kreisfeuerwehr-Bereitschaft haben wir Schuhe an die Ankommenden ausgegeben. Krankheitsbedingt musste ich eine kleine Pause einlegen und bin erst Ende Oktober, dann bereits im Camp Bad Fallingbostel West, wieder eingestiegen. Seitdem komme ich drei- bis viermal die Woche her. Am liebsten bin ich in der Kinderabteilung. Mein Mann hat vollstes Verständnis für mein ehrenamtliches Engagement. Er selbst hilft in der Fahrradwerkstatt in Fallingbostel mit.“

Fia aus Westerharl:

„Ich habe in der Zeitung gelesen, dass Dolmetscher gesucht werden. Da habe ich direkt bei der Johanniter-Unfall-Hilfe angerufen und mich für Englisch und Französisch beworben. Einen Tag später bekam ich Antwort und bin ins Camp gefahren, gemeinsam mit meiner Mama, die ich dazu überredet habe. Seitdem sind meine Mama und ich jeden Freitag da. Ich will später mal sagen können, dass ich was Gutes gemacht und nicht nur rumgesessen habe. Am Anfang wusste ich gar nichts über die Kultur der geflüchteten Menschen. Jetzt habe ich selbst schon viel gelernt.“

Anke.

Anke aus Westerharl (Mama von Fia): 

„Ich bin mit meiner Tochter hergefahren, einfach weil ich neugierig war. Ich wollte helfen und, ehrlich gesagt, auch meine Vorurteile abbauen. Nach meinen ersten Eindrücken konnte ich anderen sagen, wie das wirklich ist im Camp. Ich wollte helfen und ich wollte auch Vorbild sein.“

Petra.

Petra aus Bomlitz: 

„Ich wollte ganz einfach wissen, was da für Menschen kommen und wie das Chaos mit den Massen funktioniert. Ich hatte zu Anfang auch Vorurteile. Aber ich habe mich selbst überzeugt und meine Vorurteile ganz schnell abgebaut. Eigentlich wollte ich nur mal gucken. Und dann bin ich geblieben und es macht mir bis zum heutigen Tag viel Spaß. In die glücklichen Gesichter zu schauen, vor allem in die der Kinder, ist schön. Viele sind ja traumatisiert, das ist schlimm.“

Lucie.

Lucie aus Benefeld: 

„Ich habe die Berichterstattung über die Flüchtlingsproblematik verfolgt und die Spendenaufrufe gelesen. Dann habe ich einen Rundumschlag zu Hause gemacht und wollte die Sachen eigentlich nur im Camp Oerbke abgeben. Doch ich war gleich so fasziniert, dass ich seitdem regelmäßig komme. Ich bin ein weltoffener Mensch und wollte mal über den Tellerrand schauen und mich selbst testen, wie ich damit umgehe. Es ist alles interessant und macht Spaß. Helfen macht glücklich. Auf jeden Fall hat das Ganze am Anfang ganz schön nachgewirkt und ist unter die Haut gegangen.“

Veronika.

Veronika aus Walsrode: 

„Ich bin mit Lucie auch Anfang September gekommen. Es war so entsetzlich, die Füße der Ankommenden zu sehen. Viele Menschen kamen nur in Flip-Flops, Kinder in viel zu kleinen Schuhen und manche kleinen Füßchen waren schon völlig deformiert. Bei der Kleiderausgabe mache ich immer ein freundliches Gesicht. Schon mein Großvater sagte zu mir: „Benimm dich immer so, wie du es von anderen auch erwartest.“ Das hat mich geprägt. Eins kann ich auf jeden Fall nach dem Jahr ehrenamtlicher Tätigkeit sagen: Die Menschen, die ich hier kennengelernt habe, sind alle besonders. Sowohl unter den Flüchtlingen, als auch unter den Helfern.“

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