Geld zur Finanzierung der Flucht des Mannes aus offenem Vollzug in Euskirchen

Paar überfällt Tankstellen

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Mediengruppe Kreiszeitung

Fallingbostel/Verden - An „Bonnie und Clyde“ erinnern die beiden Angeklagten, die sich seit gestern vor dem Landgericht Verden wegen räuberischer Erpressung verantworten müssen. Die 21-Jährige und der 27-Jährige aus Nordrhein-Westfalen mordeten zwar nicht auf ihrem Beutezug, sind aber verantwortlich für eine Reihe von Tankstellenüberfällen. Zwei davon wurden in Bad Fallingbostel und Hambühren (Kreis Celle) begangen. Mit dem Geld wollten sie ihre Flucht finanzieren.

Zum Prozessauftakt legte das mittlerweile getrennt lebende Paar – Grund ist nicht nur seine momentane Inhaftierung – ein umfassendes Geständnis ab. Die Vorgehensweise war bei den Taten immer gleich. Überfallen wurden Tankstellen, in denen junge Frauen arbeiteten. Während die 21-Jährige einige Straßen weiter im Auto wartete, führte ihr Freund die Taten aus. Bewaffnet war er mit einem geladenen Gasrevolver, der laut Anklageschrift äußerlich von einer scharfen Schusswaffe nicht zu unterscheiden ist. Zur Bekräftigung der Forderung nach Geld soll es genügt haben, dass er den Griff der im Hosenbund steckenden Waffe umfasste.

So auch am 20. März bei einem Überfall auf eine Tankstelle in der Celler Straße in Hambühren. „Die Kassiererin öffnete in Panik die Kasse“, heißt es in der Anklageschrift. Sie habe das Geld in eine vom Angeklagten mitgebrachte Plastiktüte gepackt. Die Höhe der Beute wird mit 1300 Euro beziffert. Die überfallene Mitarbeiterin habe einen massiven Schock erlitten.

Nur zwei Tage später lief es bei einem Überfall auf eine Tankstelle in der Düshorner Straße in Bad Fallingbostel ähnlich ab. Der 27-Jährige soll die Angestellte bedroht haben: „Gib mir das Geld her oder ich knall‘ dich ab.“ Knapp 1200 Euro wurden laut Anklageschrift erbeutet. Die Geschädigte erlitt ebenfalls einen Schock und soll für einen Monat arbeitsunfähig gewesen sein.

Sieben vollendete und ein versuchter Tankstellenüberfall sollen auf das Konto der Angeklagten gehen. Zur Sprache kam eine noch nicht rechtskräftige Verurteilung des Landgerichts Konstanz. Der 27-Jährige soll zu zehn Jahren Haft und die 21-Jährige zu dreieinhalb Jahren verurteilt worden sein. Gestern wurde ein Rechtsgespräch geführt. Eine Gesamtstrafe zwischen elfeinhalb und zwölfeinhalb Jahren für alle Taten lehnte der Angeklagte ab. Die Frau hätten maximal viereinhalb Jahre erwartet.

Auf die Flucht begeben hatte sich das Paar am 23. Februar 2014, nachdem er aus dem offenen Vollzug der JVA Euskirchen geflohen war. Kennen gelernt hatten sich die beiden in einer Abendschule. Das Paar mietete sich über mehrere Wochen in einer Pension in Neuenkirchen bei Soltau ein. Die Flucht endete im April 2014 in Bayern, nachdem sie in einer Pension nicht bezahlt hatten und der Mann auf der Flucht vor der Polizei ein unterschlagenes Auto kaputt gefahren hatte. Der Prozess soll am 28. Oktober fortgesetzt werden.

wb

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