Urteil des Landgerichts Verden

Urteil wegen Besitzes von Kinderpornografie: Fünf Monate auf Bewährung

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Bad Fallingbostel/Verden - Im Rahmen einer Hausdurchsuchung wurden im August 2016 bei einem heute 44 Jahre alten Angeklagten aus Bad Fallingbostel 142 Dateien mit kinder- und jugendpornografischen Bildern, teilweise Videos, gefunden. Das Amtsgericht Walsrode verhängte eine fünfmonatige Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Das Landgericht Verden setzte die Strafe zur Bewährung aus und hatte dafür gute Gründe.

„Kinderpornos anzugucken, ist kein Kavaliersdelikt“, betonte der Vorsitzende Richter Dr. Andreas Ortmann im Rahmen der Urteilsbegründung. Bei der Herstellung der Fotos und Videos „werden Kinder zu Opfern und auf übelste Weise misshandelt und missbraucht“, so der Vorsitzende der 12. Kleinen Strafkammer. Die Konsumenten würden dazu beitragen, dass solche Fotos gefertigt werden. Deshalb sei es so wichtig, Menschen wie den Angeklagten von diesen Taten abzuhalten.

Dieser war, genauso wie in erster Instanz, vollumfassend geständig. Schon im Urteil der Walsroder Strafrichterin hatte es geheißen, dass der 44-Jährige erkannt habe, therapeutische Hilfe zu benötigen. Im März 2017, als er in Walsrode vor Gericht stand, hatte er noch keine Schritte für eine Therapie in die Wege geleitet. Die Lippenbekenntnisse reichten der Strafrichterin nicht. Sie sah keine günstige Sozialprognose, wobei negativ ins Gewicht fiel, dass der Angeklagte bis Ende 2015 unter laufender Bewährung gestanden hatte. Spätestens im August 2016 hatte er die sichergestellten Bilder auf seinem Tablet gespeichert.

Inzwischen hat der Angeklagte eine selbst finanzierte Therapie begonnen. Am Anfang sei es mehr der Gedanke gewesen: „Ich will nicht in den Knast gehen. Ich muss was tun“, berichtete sein Therapeut Paul-Thomas Ewert aus der Bremer Praxis „Praksys“ im gestrigen Prozess. Mittlerweile arbeiteten sie an dem eigentlichen Problem. Jedoch ständen sie noch am Anfang.

Die Ausführungen des Therapeuten waren überzeugend. Die Kammer folgte dem Antrag von Verteidigerin Daniela Post, die Strafe zur Bewährung auszusetzen. „Knast würde aus Opferschutzgesichtspunkten nichts bedeuten“, so die Strafverteidigerin. Damit würden sie nur kontraproduktiv arbeiten, hatte der Therapeut ausgeführt. Nur der Staatsanwalt sprach sich gegen eine Bewährung aus.

44-Jähriger befindet sich in Therapie

Das Gericht gewährte dem Angeklagte die Chance. „Nur mit einer Therapie“ sei es möglich, der Gefahr weiterer solcher Taten entgegenzuwirken, hieß es in der Urteilsbegründung. Die Bewährungszeit wurde auf fünf Jahre festgelegt. Zu den Auflagen gehört die Fortsetzung der Therapie. Bei einer neuen Tat oder einem Verstoß gegen die Bewährungsauflagen droht ein Widerruf der Bewährung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

wb

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