Zwei Syrer befragen Flüchtlingsfrauen / 35-minütige Dokumentation präsentiert

Film erzeugt Betroffenheit

Die am Film Beteiligten (v.l.): Antje Diller-Wolff, Kirsten Rickert, Mohammad Makkleh, Doris Lawrenz, Hussein Alhamad, Sprachmittler Talal El-doukhi, der zusammen mit seiner Schwester für alle Übersetzungen während des Filmprojektes sorgte, und Anika Schön, die für UTV das Material technisch zusammenfasste. - Foto: Wehler

Soltau - Mit dem 35-Minuten-Dokumentarfilm „Stimmen der Flucht“ ist zwei syrischen Filmemachern, selbst Flüchtlinge, unter Mithilfe von Unternehmerinnen-TV (UTV) im Heidekreis und der VHS ein wohl bundesweit einmaliges Projekt gelungen. Nun wurde das Werk erstmals gezeigt und sorgte für Betroffenheit und Nachdenklichkeit.

Im Rahmen einer Berufsfindungsmaßnahme der VHS war es gelungen, Mohammad Makkleh (Regisseur, Kameramann, Interviewer und Cutter) und Hussein Alhamad (Kamera und Lichttechnik) mit UTV von Antje Diller-Wolff zusammenzubringen. Sechs Wochen lang befragten die beiden Syrer mit Unterstützung der Johanniter im Flüchtlingscamp Fallingbostel West Frauen zu ihrer Flucht, zum Alltag im Camp und zum neuen Leben in der Heide. Acht Stunden Videomaterial lagen der Dokumentation zugrunde.

Kirsten Rickert leitet bei der VHS Heidekreis einen „Ableger“ des bundesweiten Flüchtlingsprojektes „PerF „Perspektiven für Flüchtlinge – Potentiale identifizieren und Integration ermöglichen“. Mit der und für die Arbeitsagentur sollen die Fähigkeiten der Flüchtlinge ermittelt werden, um zu schauen, wie und mit welchen Hilfen sie in den Arbeitsmarkt integriert werden können. Da hätte sie zunächst ein Problem gehabt, betonte Rickert, denn sie hätte unter ihren zehn Probanden zwei junge syrische Filmemacher gehabt. Wie für sie einen Praktikumsplatz finden? Zusammen mit Hans-Ulrich Obieglo von der VHS-Leitung kam sie auf Antje Diller-Wolff vom UTV. Diese war sich mit den beiden Syrern schnell einig. Entstehen sollte ein Film über Flüchtlingsfrauen und ihre Schicksale. Die Johanniter im Camp West erwiesen sich als hilfsbereite Partner. Die Öffentlichkeitsreferentin Doris Lawrenz fand mit den Betreuern im Camp Frauen, die bereit waren, mit den Filmemachern zu sprechen.

So konnten die beiden Syrer die Frauen verschiedener Nationen vor die Kamera bekommen. Mit viel Einfühlungsvermögen sei es den beiden gelungen, dass sich die Frauen vor der Kamera öffnen und über ihr Schicksal berichten, sagte Diller-Wolff.

Es berührt, wenn Frauen unter Tränen schildern, wie nahe Angehörige oder Nachbarn vor ihren Augen erschossen wurden, wenn der Zuschauer erfährt, wie Familien durch den Krieg in Syrien getrennt wurden. Dann ist das Leid nachvollziehbar und die Freude der Frauen darüber verständlich, dass sie sich im Heidekreis sicher fühlen und dieses Gefühl nicht mehr missen wollen.

Die Dokumentation ist für die jungen Filmemacher vielleicht eine Eintrittskarte in die hiesige Berufswelt.

Es handelt sich um einen Film, der Verständnis für die Flüchtlinge wecken kann. Ab sofort ist die Dokumentation im Internet bei UTV zu sehen. Sie sei, so Diller-Wolff, von allen Beteiligten ehrenamtlich realisiert worden und werde niemals kommerziell vermarktet werden.

Die Filmemacher hoffen, dass sie mit ihrem Erstlingswerk in Deutschland nicht nur Interesse auf dem Arbeitsmarkt der Medienbranche wecken. Sie wollen auch den Flüchtlingsfrauen eine Stimme geben. - hf

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