Weil besucht größte Notunterkunft: Fallingbostel hat Gesprächsbedarf

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Notunterkunft für Flüchtlinge in Oerbke bei Bad Fallingbostel.

Bad Fallingbostel - In Bad Fallingbostel in der Lüneburger Heide ist in wenigen Wochen die größte Notunterkunft für Flüchtlinge in Niedersachsen entstanden. Das ruft den Ministerpräsidenten auf den Plan. Er stellt sich den Fragen der Bürger in der Heidestadt.

Die Stimmung in Bad Fallingbostel ist gespalten: Dort ist in einer ehemaligen britischen Kaserne innerhalb weniger Wochen die größte Notunterkunft für Flüchtlinge in Niedersachsen entstanden. Neben einigen Skeptikern gibt es in der kleinen Heidestadt aber viele ehrenamtliche Helfer, die sich um die Menschen kümmern. Zudem profitierten von den Neuankömmlingen auch Unternehmer, die nach dem Abzug der britischen Streitkräfte aus der Stadt massive Einbußen befürchtet hatten, sagte am Mittwoch Bürgermeisterin Karin Thorey (parteilos).

Am Abend wollte sich Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) den Fragen der Menschen in Bad Fallingbostel stellen. Es ist sein erster Auftritt bei einer Bürgerversammlung zur Flüchtlingssituation. Weil werde sich dem Ruf nach mehr hauptamtlichen Helfern stellen müssen, sagte Bürgermeisterin Thorey. Zudem wollten viele Bürger wissen, wie viele Flüchtlinge noch auf dem ehemaligen britischen Kasernengelände untergebracht werden sollen. Seit dem Herbst gibt es in der Stadt im Heidekreis zwei direkt benachbarte Standorte: Die größte Notunterkunft ist das Camp Ost, wo bis zu 3000 Menschen unterkommen können.

Im Camp West gibt es derzeit Platz für bis zu 1300 Flüchtlinge. Bisher leben dort nach Angaben des Innenministeriums insgesamt rund 3600 Asylsuchende. Im Laufe des Mittwochs wurden bis zu 200 weitere erwartet. Damit wären die aktuellen Kapazitäten zu fast 90 Prozent ausgelastet. In der Kernstadt von Bad Fallingbostel leben rund 7500 Einwohner. Die Flüchtlinge hätten das Stadtbild schon sehr geprägt, sagte Thorey. „Vielen Leuten ist das unheimlich.“ Andererseits habe ihr erst kürzlich eine Bürgerin gesagt: „Man gewöhnt sich an den anderen Anblick.“ Thorey betonte, dass die Stimmung auf dem weitläufigen Gelände der beiden Unterkünfte ganz entspannt sei.

Doch auch die rechtsextreme NPD entdeckte Fallingbostel bereits für sich: Ende Oktober gab es dort eine kleine Demonstration der Partei. Rund 500Menschen gingen deswegen in Bad Fallingbostel auf die Straße, um gegen Fremdenfeindlichkeit zu protestieren. In diesem Jahr haben die britischen Streitkräfte Bad Fallingbostel verlassen. Damit verbunden waren Sorgen von Unternehmern, dass es zu massiven Umsatzeinbußen in der Region kommt. Bürgermeisterin Thorey sagte, dass beispielsweise Handwerker nun durch den Ausbau der ehemaligen Militärcamps gut ausgelastet seien. Zudem würden die Flüchtlinge auch im Ort einkaufen.
dpa

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