Landwirte testen ökologischen Landbau

Dinkel bringt Licht ins Dunkel

Volker Schwesig, Jan Meyerhoff und Harald Meyer (v.l.) an einem Feldrand.
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Muss der Striegel immer ran? Volker Schwesig, Jan Meyerhoff und Harald Meyer kommen zu anderen Schlüssen. Sie beteiligen sich am neuen Finka-Projekt, das vom Landvolk und vom Kompetenzzentrum Ökologischer Landbau Visselhövede nahe Riepe vorgestellt wurde.

Riepe – Volker Schwesig, Landwirt in Mengebostel- Obernhausen, hat eine sogenannte GBR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) mit seinem Berufskollegen Harald Meyer aus Mengebostel gegründet, betreibt eigentlich die konventionelle Landwirtschaft, baut auf einer Fläche von rund 450 Hektar Mais, Zuckerrüben, Winterweizen und Roggen an. Und dann gibt es noch einen Biobetrieb in Riepe, den Oesenhof von Jan Meyerhoff.

Alle drei haben sich entschlossen, auf einer Versuchsfläche von drei Hektar ökologische Landwirtschaft zu betreiben und dem Insektenschutz eine große Chance zu geben. Sie gehören zu den 30 Landwirtspaaren mit konventioneller und ökologischer Landwirtschaft im ganzen Land, die sich an dem Finka-Projekt des Niedersächsischen Landvolkes beteiligen. Im Rahmen eines Feldtages irgendwo zwischen Dorfmark und Riepe stellten sie das zukunftsträchtige Thema Fachleuten und anderen Berufskollegen vor.

Das Finka-Projekt hat das Ziel, die Insektenvielfalt im Ackerbau zu fördern, die Biodiversität auf Ackerflächen zu erhöhen und eine breite Diskussion in der Landwirtschaft anzustoßen. Dazu verzichten diese 30 konventionell arbeitende Landwirte aus Niedersachsen auf ihren Versuchsflächen auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (PSM), die gegen Schädlinge und Unkräuter eingesetzt werden. Beraten werden sie dabei von ökologisch arbeitenden Kollegen aus ihrer Region. In Riepe sind für die Finka-Aktion rund drei Hektar Fläche zu bewirtschaften.

Zur Verfügung gestellt werden bestimmte Arbeitsgeräte, wie ein Striegel, um das Beikraut eindämmen zu können. Gemeinsam geht man in einen fachlichen Austausch darüber, wie der Verzicht auf diese Pflanzenschutzmittel betriebswirtschaftlich und arbeitstechnisch umgesetzt werden kann. Die 30 Betriebspaare arbeiten bis Ende 2025 eng zusammen.

In dem Projekt Finka wird zusätzlich wissenschaftlich untersucht, wie sich die geänderte Bewirtschaftungsweise auf die Ackerbegleitpflanzen und damit auch auf die Insektenvielfalt auswirkt. Zwei Projektpartner führen dazu den nächsten Jahren gezielt Untersuchungen durch. Mit speziellen Fallen, Nisthilfen oder Kameras werden Insekten auf den Finka-Versuchsflächen bestimmt, um die Veränderung in Anzahl und Art der hier vorkommenden Insekten beobachten zu können. Die sich verändernde Ackerbegleitflora wird parallel dazu bestimmt.

„Den Striegel wollen wir immer weniger einsetzen“, sagt Öko-Landwirt Jan Meyerhoff vom Oesenhof. Er hat die eine Hälfte des Feldes, auf dem Dinkel wächst, übernommen, und steht mit Rat und Tat zur Seite. Man wolle die Beikräuter nicht unbedingt mehr zerstören, „wir haben auf unseren Flächen einen guten Konsens gefunden.“ Pflanzenschutzmittel werden sowieso nicht mehr eingesetzt. Die ersten Spuren sind sichtbar, das Feld sieht gut und trächtig aus. Der tiefe Geruch der Kamille liegt in der Luft.

Der Niederländer Leen Vellenga, Projektleiter für das nördliche Niedersachsen, vom Kompetenzzentrum Ökolandbau Visselhövede, hatte mehr als 20 interessierte Gäste begrüßen können, unter ihnen Wissenschaftler aus Göttingen und Bonn sowie Landvolk-Geschäftsführer Klaus Grünhagen. Er stellte das Finka-Projekt in kurzen Worten vor und ging auf die ersten Maßnahmen ein, die die drei bisher beteiligten Landwirtschaften in den letzten Monaten durchgeführt hatten. „Wir wollen einfach einmal etwas Neues ausprobieren,“ sagt Volker Schwesig aus Obernhausen, deshalb habe er sich für dieses Projekt entschieden. Später werden noch weitere Landwirte aus der Region hinzukommen.

Der Striegel, dieses gewaltige Ackergerät, stand lange Zeit im Mittelpunkt des anschließenden Gedankenaustausches. Zerstöre er nicht auch Kleinwildgelege, wurde aus der Runde gefragt. Das kann man nicht ganz ausschließen, obwohl der Landwirtschaft ein besonderes Augenmerk auch auf den Tierschutz lege, hieß es. Viele andere landwirtschaftliche Fragen wurden diskutiert, eine sinnvolle Fruchtfolge besprochen. Es sind dann insgesamt doch gute Nachrichten aus der Landwirtschaft, die immer mehr den Natur- und Artenschutz in den Fokus stellt und dort, wo es geht, auch versucht, von den Pflanzenschutzmitteln, die nicht immer die besten sind, wegzukommen. mü

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