Politik ist gefordert

Landwirte schlagen Alarm: Dieselpreise werden zu echter Belastung

Der Lohnunternehmer Helmut Unger steht neben einer seiner großen Maschinen und füllt Treibstoff in den Tank.
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Helmut Unger und seine neueste Errungenschaft, ein mächtiger 10er-Reiher. Ein Häcksler, der ihn rund 440.000 Euro kostete und den er in seiner Scheune gerade betankt.

Ein Blick auf die Preise an der Tankstelle macht Autofahrer unglücklich. Noch dicker kommt es für alle, die viel Kraftstoff benötigen, um überhaupt arbeiten zu können.

Vethem/Bad Fallingbostel – „Ich fahre gerade durch Neuenkirchen. Hier liegt der Dieselpreis an einer Tankstelle bei 1,60 Euro. Vor einem Jahr war er noch bei 1,00 Euro“, berichtet Landvolk-Geschäftsführer Klaus Grünhagen. Die stark gestiegenen Preise bekämen gerade der Landwirtschaft überhaupt nicht gut, müssten sie mit ihren riesigen Traktoren und mit den zurzeit besonders aktiven Mais-Häckslern doch jeden Tag aufs Feld. Und das koste viel Sprit. Im nagelneuen 10er-Reiher des Lohnunternehmers Helmut Unger aus Vethem-Blankenmühlen beispielsweise 1000 Liter am Tag.

40 Prozent höhere Dieselkosten

Unger, seit gut 50 Jahren als Dienstleister für viele andere Landwirte im Einsatz, schätzt seine gestiegenen Dieselkosten auf knapp 40 Prozent. „Kosten, die ich allerdings auch eins zu eins an die Landwirte weitergebe“, berichtet er. Sonst würde bei dem neuesten Kostenschwall kaum mehr etwas laufen. „Gegen den Mehraufwand für neue Maschinen, die bald bis zu zehn Prozent teurer werden sollen, und vor allem für Ersatzteile mit einer Kostensteigerung von bis zu 40 Prozent kann man kaum mehr ankommen.“ Aber Unger ist seit vielen Jahren erfahren auf diesem Gebiet, er erinnert sich auch: „Es gab schon einmal höhere Spritpreise.“

Die Landwirtschaft ächzt unter dem Kostendruck, obwohl die Ernte vor allem bei Mais, beim Raps und im Getreide gut war. „Wir haben teilweise viel höhere Preise bei Raps und Mais erzielt, sind mit der Getreideausbeute zufrieden, müssen aber auch sehen, dass die Kraftfutterpreise für andere Landwirte in die Höhe schnellen“, zieht Klaus Grünhagen eine unterschiedliche Bilanz für die heimischen Landwirte. Der leicht gestiegene Milchpreis werde von den Futter- und Düngerpreisen schon längst wieder überholt. Die Spritpreise sind stark gestiegen, ein Ende nicht absehbar, Strom wird teurer: „Es ist ein gewaltiges Package an einem Kosten-Mehr, dass auf die Landwirtschaft zukommt.“

Für die riesige Biogasanlage in Blankenmühlen wurden gerade 400 Hektar Mais von den Landwirten der Umgebung angeliefert.

Ruinöse Preise für Schweinehalter

Die Tierhaltung benötigt Strom, die Aufzuchtstationen der Küken beispielsweise, die Ferkelaufzucht auch. Und die Melktechnik in den Milchbetrieben.

Für die Schweinehalter komme es – im Gegensatz zu den Rinderhaltungsbetrieben – zu absolut ruinösen Preisen. „Hier läuft kaum noch etwas, zumal das Kraftfutter ein Mehr an Kosten aufwirft. Grünhagen schätzt, dass die Steigerung rund 20 Prozent beträgt.

Bei den Landwirten läuten die Alarmglocken ganz heftig. Ingo Bergmann vom Milchhof in Fulde: „Wir kommen mit unserem Betrieb zurzeit gerade einmal so über die Runden. Und Geschäftsführer Klaus Grünhagen („Ich habe gottseidank für meinen Hof schon frühzeitig Diesel eingekauft“): „Die Politik ist nun gefragt. Es muss unbedingt ein Zurück geben.“

In einem Gespräch mit dem Pressesprecher der Wilhelm Hoyer GmbH in Visselhövede, Thomas Hartmann, wurde die sehr unstabile Lage rund um die Spritpreise mehr als deutlich. Hoyer beliefert zahlreiche Landwirte mit dem Dieselkraftstoff und kann, bedingt durch die Abgabe größerer Mengen an die Landwirtschaft, günstigere Preise machen.

Trotzdem, es komme, bedingt durch den Weltmarkt und wohl auch durch das aktuelle Verhalten vieler Opec-Staaten, die an der Kostenschraube drehen, nichts Gutes auf diesen Bereich zu. Hartmann: „Wir erwarten, dass zum Start des nächsten Jahres die Co2-Abgabe noch einmal deutlich steigen wird und dass wir darum in den nächsten Wochen einen Run auf den Treibstoff gerade auch aus der Landwirtschaft haben werden. Vermutlich versuchen viele, noch einmal günstiger einzukaufen, nachdem die Maisernte beendet ist und die Tanks leerer geworden sind. Aber auch wir haben nur begrenzte Kapazitäten, vor allem im Fahrzeugpark. Obwohl wir 500 Tanker im Einsatz haben. Das können wir kaum schaffen.“

„Die Politik ist gefordert“

Eine langfristige Prognose in der Preisentwicklung versucht Hartmann lieber gar nicht erst. „Die Politik ist gefordert“, sagt der Visselhöveder. Man müsse über eine Steuersenkung nachdenken. Denn sonst laufe der Preis weg.

Hartmann spricht auch von Prognosen einiger Experten auf diesem Markt, „die sogar noch mit einem deutlichen Anstieg der Spritpreise in der zweiten Hälfte des Jahres rechnen. Das ist eine absolute Katastrophe.“ Hoyer tue jedenfalls alles, um die Versorgung auch langfristig sicherzustellen. „Engpässe wie zurzeit in Großbritannien wird es mit uns nicht geben.“  mü

Von Klaus Müller

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